31. Dezember 2018

Zwischenwohnen

Wer eine neue Wohnung oder ein neues Ladenlokal sucht, ist oft mit hohen Kosten konfrontiert. Abhilfe schafft die Firma Projekt Interim: Sie vermittelt freie Räume an Zwischennutzer – zu einmalig günstigen Konditionen.

Annick von Ziegler
Absolviert die Hotelfachschule und ist froh um ihr «zwischengenutztes» Zimmer: Annick von Ziegler (20).
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Über sieben Millionen Quadratmeter leere Wohnungen, Villen, Büros, Ateliers und Geschäfte: Die Schweiz ist sozusagen voll von leeren Räumen. Gleichzeitig sind Tausende auf der Suche nach einer neuen Bleibe, einer neuen Ladenfläche oder dem perfekten Büro. Für die flexiblen unter ihnen hat Projekt Interim eine Lösung. Die Zürcher Firma vermittelt Räume zur Zwischennutzung und macht damit Leerstände allen zugänglich. So etwa das erste Zürcher Alugebäude, ein altes Wasserreservoir oder ein ehemaliger Firmenhauptsitz. Weil die Räume nur für eine befristete Zeit zur Verfügung stehen – beispielsweise vor einer Renovation – , liegt die Miete zwischen 10 und 40 Prozent des üblichen Marktpreises.

Wer sind die Zwischenmieter? «Eine befristete Lösung kann in jeder Lebenslage passend sein», sagt Lukas Amacher, einer der Gründungspartner von Projekt Interim. Vom Studenten bis zur Seniorin, vom kleinen Restaurant bis zur neugegründeten Firma: In den zwischengenutzten Immobilien käme alles zusammen. Der gemeinsame Nenner sei die Flexibilität. Sie sorge auch dafür, dass sich schnell ein Austausch einstellt. «Der Netzwerkgedanke ist uns wichtig. Wir achten darauf, dass wir bei grösseren Objekten eine gute Mischung hinbekommen», sagt der 30-Jährige. So kommen die Zwischennutzer in Kontakt mit einem bunten Mix von Menschen aus anderen Branchen und Lebenslagen.

Neues erschaffen
Zwischennutzung über Projekt Interim ist nicht komplett anders als herkömmliches Mieten. Im Finden und beim Service liegt der Unterschied: Interessenten finden die Ausschreibungen für die Räume nur über den Interims-Newsletter. Und Zwischennutzer müssen wissen: «Aufgrund der tiefen Preise ist auch unser Service-Level niedrig. Wir rücken nicht für jede kaputte Glühbirne aus. Man bekommt, wofür man bezahlt», sagt Lukas Amacher.

Auch Ladenflächen sind im Angebot. «Wir wollen, dass Neues erschaffen wird. Dank des geringeren Risikos können Start­up-Unternehmerinnen und -Unternehmer in einer Zwischennutzung vieles ausprobieren.» Im Alugebäude im Zürcher Seefeld etwa sind momentan 40 Start-ups und Kleinfirmen temporär untergebracht. Amacher: «Das generiert eine Wahnsinnsstimmung.»

2013 gründete er mit dem Architekten Lorenzo Kettmeir und dem Anwalt Raffael Büchi Projekt Interim. Amacher ist Musiker und kam auf der Suche nach einem Raum für seine Band auf die Idee, mit leeren Räumen ins Geschäft zu kommen. Inzwischen sind in Zürich, Bern und Basel über 130 Zwischennutzungsprojekte realisiert, mit teilweise über 100 Zwischennutzern in unterschiedlichen Gebäuden. «Als Immobilieneigentümer macht man damit keinen Gewinn», sagt Amacher. Das sei juristisch auch gar nicht erlaubt. Man decke mit der Gebrauchsleihe lediglich die Heiz- und Unterhaltskosten, die ja auch leere Gebäude verursachten. 

Für Projekt Interim ist jedes Gebäude einzigartig. «Das alte Wasserreservoir in Zürich Wipkingen hatte grossen Charme. Die Zwischennutzer organisierten dort Konzerte und
Kulturveranstaltungen.» Am meisten gefragt sind aber Wohnungen. 

Infos: projekt-interim.ch

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