31. Oktober 2017

Zwischen Schulbank und Werkbank

Im Blog «Migros-Lernende» schreiben vier Jugendliche jede Woche über ihr Leben während der Ausbildung und die Facetten der Berufswelt. Diese Woche berichtet Lebensmitteltechnologin Lena Hoffmann von ihrem Internatsaufenthalt und ihre Mühen mit einer Nähmaschine.

Lena Fischer
Mein Pièce de Résistance. Die Industrie-Nähmaschine bei der Chocolat Frey.
Lesezeit 3 Minuten

Puff!, und schon ist ein Monat um, ich sitze wieder vor meinem Computer und schreibe einen Blog für euch. Aber bevor ich jetzt beginne, erst mal Danke! Danke fürs Lesen meines letzten Blogs und die tollen Rückmeldungen, die ihr mir geschickt habt. Ich fühle mich schon fast ein bisschen berühmt, wenn ich unser Intranet öffne und da ein Foto von mir erscheint.

Leben im Internat

Aber gut. Den ersten Schulblock hab ich schon hinter mir, und bis zum nächsten dauert es auch nicht mehr so lange. Wir Lernende gehen immer drei Wochen am Stück zur Schule, arbeiten dann circa zwei Monate und gehen dann wieder drei Wochen zur Schule. Für Lebensmitteltechnologen gibt es in der Deutschschweiz nämlich nur eine Schule, und die ist in Wädenswil am Zürichsee. Weil es zu viel Zeit in Anspruch nimmt, jeden Tag nach Zürich zu pendeln, haben wir die Möglichkeit im Internat zu schlafen, das zehn Minuten von der Schule entfernt liegt.

Das ist cool! So hab ich viele nette Menschen aus der ganzen Schweiz kennengelernt, hab auch mal Urlaub von zu Hause, und am besten gefällt mir, dass ich am Abend nicht allein lernen muss.

Aber nach drei Wochen Schule habe ich dann auch genug. Leider kann man nach diesen drei Wochen die Schule nicht einfach für zwei Monate vergessen, denn Aufträge und Prüfungstermine für den nächsten Block haben wir genug bekommen. Jetzt heisst es Zeit einteilen - nicht unbedingt «meins» - aber irgendwie krieg ich das schon hin.

Einfach, aber es erfüllt den Zweck. Unsere «Schlafzimmer» im Internat in Wädenswil.

Kampf mit der Nähmaschine

Wieder zurück im Betrieb bei der Chocolat Frey, darf ich mit Marko, der jetzt im 2. Lehrjahr für den Lebensmittelpraktiker ist, Crumb (eine Pulvermischung) in Säcke abfüllen. Um die Säcke zu schliessen, benützen wir eine Nähmaschine, mit der man - eigentlich - ganz einfach ein Mal beim Falt des Sacks von rechts nach links durchnähen kann. Nur bei Marko und mir will dies nicht funktionieren: Erst rutscht uns der Faden immer aus der Nadel, und wir müssen neu einfädeln. Weil wir sicher sind, dass etwas kaputt ist, rufen wir den Techniker. Dieser meint, wir müssen bloss sorgfältiger nähen. Aber das klappt nicht wirklich, und als Marko - mal wieder - am Einfädeln ist, fällt ihm der Seilrückzugsmechanismus auf die Schulter. Zum Glück bleibt seine Schulter unversehrt. Marko fasst den Entschluss, diese Nähmaschine nicht mehr anzufassen. Gut, dann muss halt ich einfädeln. Nach dem x-ten Mal gibts irgendein komisches Geräusch, und nur noch die halbe Nadel ist da.

Wieder rufen wir den Techniker, der die Nadel auswechselt und uns zu noch mehr Sorgfalt auffordert. Wir beide sind nur noch genervt, aber irgendwie haben wir den Tag überstanden.

Wir werden keine Freunde. Die Nähmaschine und ich.

Immerhin ein Weihnachtsgeschenk

Zu Hause erzähle ich meiner Familie von dieser störrischen Nähmaschine. Meine Mutter, die als Werklehrerin arbeitet, ist hin und weg von dieser Nähmaschine. Sie fantasiert: «Damit könnte ich: Weihnachtsgeschenke zunähen, Adventskalender schliessen, Wundertüten, Fresspakete und so weiter zunähen ...» Am nächsten Tag erfahren wir, dass die Nähmaschine ersetzt worden ist. Sie ist kaputt gewesen, was wir gestern schon geahnt haben. Nähmaschinen sind nicht meine besten Freunde, aber immerhin weiss ich jetzt, was ich meiner Mutter zu Weihnachten schenken werde.

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