08. September 2017

Zutritt nur für Kinder

Ein eigenes kleines Reich in der Höhe? Tun und lassen, was das Herz begehrt? Ein Baumhaus ist der Traum vieler Kinder: Hier können sie spielen, Tagebuch führen oder kreativ sein.

Lesezeit 6 Minuten

Wer hat als Kind nicht von einem eigenen Reich in luftiger Höhe geträumt? Ein Baumhaus ist ein Rückzugsort, der bei hochgezogener Leiter oder geschlossenen Türen für andere unerreichbar ist und Raum für geheimnisvolle Abenteuer bietet.

Die Häuschen sind dabei so unterschiedlich wie ihre Besitzer. Ein Baumhaus muss heute aber nicht zwingend auf einem Baum stehen. Viele der luftigen Räume befinden sich auf Stelzen, die fast überall Platz finden. Das Tolle am Baumhaus bleibt aber bestehen: Es ist ein kleines, geheimnisvolles und unerreichbar scheinendes Refugium.

Ein Baumhaus zu bauen, muss nicht teuer sein. Ein kleines Exemplar gibt es bereits für ein paar hundert Franken. Je nach Vorstellungen und Ansprüchen kann es aber auch ins Geld gehen. Als Alternative gibt es Fertigbausätze zu kaufen, die man selber zusammenbauen kann.

Gemäss Gesetz braucht es keine Baubewilligung für ein Baumhaus, das nicht grösser als sechs Quadratmeter und nicht höher als 2,5 Meter ist. Es gibt aber von Kanton zu Kanton ganz unterschiedliche Regelungen. Wer sich also auf die sichere Seite begeben und sein Baumhaus nicht im Nachhinein abbrechen möchte, dem sei geraten, sich bei der Baubehörde am Wohnort abzusichern. Auch zu einem wohlwollenden Gespräch mit den Nachbarn sei geraten, die man am besten in die Baupläne involviert. Denn wo kein Kläger ist, ist der Frieden unter allen Parteien gesichert – und der Kindertraum, der fantasievollen kleinen Entdeckern Spielspass unter freiem Himmel ermöglicht, in greifbarer Nähe.

«Das Haus ist unsere Burg»

Xavier (10) und Saskia (6) aus Romanshorn TG sind stolze Besitzer eines Baumhauses. Xavier erzählt: «Die Mama hat unser Baumhaus entworfen, und Papa hat es zusammen mit unserem Nonno gebaut. Ich habe natürlich auch mitgeholfen beim Baumstamm-Einbetonieren, aber das meiste haben Papa und Nonno gemacht. Manchmal spielen Saskia und ich Ritter. Dazu nehmen wir die Pfeilbogen und die selbstgebastelten Schilder und Schwerter aus dem Schuppen. Das Baumhaus ist dann unsere Ritterburg. Die Mädchen sind oftmals die Pferde und ich und mein Freund die Ritter. Aber auch die Mädchen sind manchmal die Ritter. Ich ziehe mich öfter ins Baumhaus zurück, wenn ich etwas chillen möchte. Dann lege ich mich da oben einfach hin und höre meine Lieblingsmusik.»

Saskia mag besonders das Klettern und den Zvieri im Baumhaus: «Mit meiner Freundin spiele ich ab und zu Lulu-Äffchen. Dabei reiben wir unsere Hände mit Magnesium ein, damit wir besser klettern können. Im Moment darf ich aber nicht klettern, weil ich vor Kurzem meinen kleinen Finger gebrochen habe und einen Gips tragen musste: Ein Velo ist voll in mich reingefahren! Jetzt muss ich aufpassen, dass der Finger nicht wieder bricht. Wenn wir Hunger haben,
essen wir im Baumhaus einen Zvieri. Von Mama bekommen wir Bananen, Äpfel und manchmal auch etwas Süsses zum Naschen. Übernachtet haben wir noch nie im Haus, aber das möchten wir mal machen.»

«Hier hab ich meine Ruhe»

Gianina «bewohnt» ein Baumhaus in der Zürcher Agglomeration: «Meine Freundin und ich haben einen Detektivklub gegründet und hatten die Idee, ein Geheimversteck auf Rädern zu bauen. Mein Papa meinte aber, dass wir es schlecht verstauen könnten, und so entstand die Idee, ein Baumhaus zu bauen. Das meiste hat natürlich mein Papa gemacht, ich habe aber fleissig beim Bretterzusammensetzen geholfen.

Zwei der drei Fenster bestehen aus farbigen Migros-Salatschüsseln, die wir festgeleimt haben. Dann haben wir Vorhänge hingehängt, damit es nachts schön dunkel ist. Wenn man durch die Schüsseln schaut, sieht man alles farbig. Das Haus ist in einen Kirschbaum gebaut, von da oben kann man im Frühsommer die Kirschen direkt vom Baum pflücken. Da mein Zimmer unter dem Dach liegt und es im Sommer sehr heiss wird, halte ich mich in dieser Zeit sehr oft im Häuschen auf. Hier lese ich oder schreibe Tagebuch über die Dinge, die mir passiert sind oder die mich beschäftigen. Hier habe ich meine Ruhe, keiner stört mich.

Ich liebe es, mein Baumhaus mit Motiven zu verzieren. Dafür erstelle ich Schablonen, dann spraye ich die Motive direkt aufs Holz. Ich dekoriere das Häuschen auch mit Pflänzchen. Ab und zu nehme ich eins unserer vier Hühner mit ins Haus. Dann lege ich vorher alles mit Zeitungspapier aus, damit nicht alles dreckig wird. Huni ist mein Lieblingstier und sehr zahm.

Ich habe auch schon mit meiner Freundin im Haus geschlafen. Wir haben bis spätnachts gequatscht, und als dann meine Eltern kamen und sagten, dass wir jetzt endlich schlafen müssten, hatten wir vor lauter Schwatzen schon wieder Hunger.»

«Die Rehe kommen ganz nahe ans Haus»

Larissa aus Trubschachen BE möchte das Baumhaus nicht mehr missen. Für sie ist es nicht nur ein Spielort: «Wir beobachten von da oben Tiere. Wir haben viele Rehe, die ganz nahe ans Haus kommen. Und oft sehen wir einen Dachs und Füchse.

Wir spielen häufig Wirtschaft: Ich koche, serviere und wasche ab. Mein Bruder Marco kommt zum Essen. Am liebsten isst er Pommes frites und Steak. Wir rutschen auch häufig die Rutschbahn hinunter, und mit meiner Freundin spiele ich mit den Puppen. Wir wohnen dann im Baumhaus und gehen mit den Kindern zum Einkaufen rüber in mein Zimmer im Wohnhaus und wieder zurück.

Das Baumhaus war drinnen zuerst sehr dunkel. Vor einem Jahr hat unser Grossvati, der das Baumhaus für uns gebaut hat, noch ein Fenster reingebaut, und jetzt ist es schön hell. Zur Verschönerung haben wir noch einen Vorhang aufgehängt. Der Gartenzwerg, der beim Eingang steht, ist von unserem Urgrosi. Er stand schon von Anfang an da und bewacht das Baumhaus.»

Marco liest gerne im Haus. «Ich habe bei einem Schwingfest ein Buch über einen Schwinger als Gabe bekommen. Darin lese ich manchmal ein bisschen. Wir sammeln auch Schneckenhäuser, spezielle Steine und Tannzapfen, die wir im Haus aufbewahren. Jeden Morgen hat es auf dem obersten Tritt ein neues Spinnennetz, das die Spinnen über Nacht gemacht haben. Weil es so viele Spinnen hat, gibt es Kinder, die nicht mit uns im Häuschen spielen möchten: Sie haben Angst vor den Tierchen.»

Einmal war eine Ente da

amie aus Rorschach SG ist ihrem Grossvater ewig dankbar dafür, dass er ihr und ihren Schwestern ein Baumhaus gebaut hat: «Zuerst hat Opa gesagt, dass es bereits im Herbst fertig sei – es wurde dann aber Weihnachten. Ich weiss das noch, weil schon Schnee lag. Ich habe beim Bauen auch etwas mitgeholfen. Ich habe zum Beispiel die Schrauben gereicht oder den Akku des Bohrers aufgeladen.

Wir sind oft im Haus. Am liebsten spielen wir Restaurant. Dann nehmen wir Teller, Tassen, Gläser und Haushaltgeräte mit hinauf. Eine von uns ist dann der Gast, die andere verkauft die selbstgemachten Menüs. Wir bezahlen mit Steinen oder Stöckchen.»

Emilia mag die Schaukel und Besuch von Tieren: «Die Rutschbahn benutzen wir häufig. Am meisten streiten wir uns aber um die Schau-kel – darum, wer zuerst drauf darf. Manchmal spielen wir auch 15/14, das ist ein Versteckspiel. Wir verstecken uns dann auch im Baumhaus. Wenn es im Holz laut kracht, habe ich etwas Angst.

Geschlafen haben wir hier noch nie. Der Raum ist etwas zu klein, wir müssten auf der Veranda schlafen, und das ist nachts ein bisschen gruselig. Einmal kam sogar eine Ente auf Besuch. Sie flog direkt aufs Haus. Und im Frühling bauten Vögel ein Nest direkt unter dem Dach, dann zogen sie dort ihre Jungen auf. Jetzt ist das Nestchen aber unbewohnt. Unsere Freunde finden unser Baumhaus auch megacool und kommen gerne zum Spielen.»

«Meist spielen wir im Baumhaus Schule»

«Wir sind fünf Familien mit sieben Kindern, die sich das Häuschen teilen», erzählt Maya aus Aarau. Unsere Eltern haben es gemeinsam gebaut. Jetzt steht es schon seit vier Jahren da.»

Und dann sprechen plötzlich alle Kinder wild durcheinander: «Wir haben uns so auf den heutigen Tag gefreut und extra dafür die Fähnchen mit unseren Namen drauf gebastelt. Auch den Briefkasten haben wir nur für heute gemacht!»

«Wir dekorieren den Raum immer mit neuen Bildern, und die Blumen auf der Veranda giessen wir abwechselnd.»

«Am meisten spielen wir Schule. Eine von uns spielt dann die Lehrerin. Frau Besenstiel ist nicht sehr nett, und die Kinder gehen nicht gerne zu ihr in die Schule. Aber manchmal ist sie auch eine ganz liebe Lehrerin.»

«Wir essen zusammen die Nüsse, die wir vom Haselnussstrauch gepflückt haben, oder Crackers.»

«Ab und zu tun wir auch so, als würden wir im Baumhaus schlafen, was wir aber noch nie richtig gemacht haben. Bevor wir hier schlafen können, müssen wir noch putzen. Besonders die Matten sind ziemlich dreckig.»

«Einmal spielten wir auch Kinder, die aus einem Waisenhaus abgehauen sind. Wir versteckten uns im Häuschen, damit uns keiner finden und zurückbringen konnte.»

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