10. August 2018

Zusammen durch dick und dünn

Beste Schulfreunde erzählen, was sie verbindet und warum das Freundschaftsband schon so lange so stark ist.

Tobias und Roger auf dem Velo
Volle Fahrt voraus: Roger (l.) und Tobias starten diesen Sommer in die erste Klasse.
Lesezeit 5 Minuten

Andere finden uns speziell – aber wir haben es lustig

Zoé (14) und Anna (14), 9. Klasse
Anna (l.) und Zoé
Manchmal sogar im Partnerlook: Anna (l.) und Zoé

Zoé «Anna und ich haben immer nah beieinander gewohnt. Doch obwohl wir im Winter am selben Hang schlittelten, unternahmen wir erst in der dritten Klasse gemeinsam Dinge. Wir wurden schnell beste Freundinnen, aber wir tragen natürlich nicht immer das gleiche Outfit. Ich glaube, wir mögen uns so sehr, weil wir ähnlich komisch sind. Andere finden uns manchmal speziell, aber wir haben es immer lustig zusammen. Wir machen gerne Sport, seit der fünften Klasse spielen wir auch zusammen Volleyball. Wir reden über alles – ausser über Bücher, denn wir lesen beide nicht besonders gern. Im Schulunterricht dürfen wir zwar nebeneinandersitzen, aber es heisst immer wieder mal, wir sollten nicht so viel ‹schnädere›. Anna kann sich besser konzentrieren als ich …»

Anna «… und Zoé weiss immer genau, wann eine Situation ernst ist – sie lacht nie im falschen Moment. Im neuen Schuljahr ändert sich einiges für uns, denn ich werde aufs Gymnasium gehen, Zoé nicht. Diese Trennung macht uns schon etwas Angst. Aber ich glaube, wir werden auch weiterhin viel gemeinsam unternehmen. Wir sind oft auch zu viert, mit zwei weiteren Freundinnen, unterwegs. In dieser Gruppe wollen wir uns nicht zu viele Sorgen machen, schliesslich ist unser Motto ‹Hakuna Matata› – wir lieben ‹Lion King›.»

Dumme Sprüche über Sara? Das geht gar nicht!

Benor (12), über Sara (12), beide 7.Klasse
Sara und Benor
Sie hilft ihm bei der Multiplikation, er unterstützt sie in Geometrie: Sara und Benor

Sara über Benor «Er ist immer für mich da, hat Humor und ist abenteuerlustig.» 

Benor über Sara «Sie ist nett, hilfs­bereit, offen und ehrlich.»

Seit der «Chindsgi»-Zeit sind Sara (12) und Benor (12) beste Freunde. Damals schaukelten sie stundenlang, tobten draussen herum und tauschten ihren Znüni. Heute spielen sie zusammen Fussball und Basketball oder hängen ab – mit oder ohne Clique.

Sie reden viel über den Wechsel in die Sekundarschule und machen sich gegenseitig Mut. Denn Sara graut es beim Gedanken an die vielen neuen Leute. Und Benor hat Schiss, schulisch zu versagen. Sie werden zwar im selben Schulhaus sein, nicht aber in derselben Klasse. Das finden sie schade, denn bisher konnte Sara Benor beim Multiplizieren helfen und Benor Sara mit der Geometrie. Im Turnen dribbelten sie am liebsten im selben Team, und wenn sie gegeneinander spielten, waren sie ganz besonders fair. Lästern andere über einen von beiden, verteidigen sie einander. «Dumme Sprüche über Sara? Das geht gar nicht!», sagt Benor. Vor Jahren haben sie nach einem Streit eine Woche lang nicht miteinander gesprochen. Schrecklich sei das gewesen. Schliesslich hätten sich beide kleinlaut beim anderen entschuldigt. Wenn Sara auf Familienbesuch nach Serbien reist und Benor in den Kosovo, hängen sie mehr am Handy als sonst. «Dann snapchatten wir halt miteinander.» 

Wir fühlen uns einfach wohl miteinander

Daniele, Leo und Louis (alle 8), 3. Klasse
Daniele, Louis und Leo
Trio mit einer Vorliebe für Fussball: Daniele, Louis und Leo (v.l.n.r.)

Daniele krabbelte mit Leo bereits in der Spielgruppe und baute mit Louis Kugelbahnen im Kindergarten. In der ersten Klasse haben sich die drei angefreundet. Am liebsten spielen sie in der Pause Fussball oder spionieren. Abgesehen von Pausen und Turnstunden mögen sie das Fach Mathematik: Da sind sie ehrgeizig, gönnen es aber den anderen auch, wenn sie etwas schneller oder besser verstehen. Sie streiten sich zwar nie, sagen einander aber ihre Meinung. Gibt es einen Konflikt mit einem anderen Kind, versucht Daniele so zu schlichten, wie es ihm sein älterer Bruder beigebracht hat. Sie können nur schwer erklären, warum sie sich so mögen. «Wir fühlen uns einfach wohl miteinander», sagt Leo, und Daniele und Louis stimmen ihm zu. So sehr sie sich auf die Ferien freuen – Daniele, Leo und Louis vermissen einander immer sehr in dieser Zeit.

Man könnte uns glatt verwechseln

Roger (6) und Tobias (6), 1. Klasse
Roger (l.) und Tobias
Das Schwingerhemd als Zeichen der Gemeinsamkeit: Roger (l.) und Tobias

Tobias «Wir kennen uns schon ewig, auch weil unsere Eltern seit Langem befreundet sind. Es ist cool, Rogers Freund zu sein, weil wir am selben Ort wohnen. So haben wir den gleichen Weg zum ‹Chindsgi› und sehen uns auch danach.»

Roger «Wir haben auch ein gemeinsames Hobby: Wie man sieht, tragen wir Schwingerhemden. Ich schwinge seit einem Jahr, Tobias wird bald damit anfangen. Beim Schwingen geht es darum, den Gegner auf den Rücken zu legen. Ich bin gut darin und übe manchmal auch mit Roger. Ich war auch schon an einem Schwingfest …»

Tobias «… und ich habe es schon im Fernsehen gesehen. Wir spielen auch gern Fussball und unterhalten uns darüber. Dabei gibt es nie Streit – den hatten wir eh seit drei Jahren nicht mehr. Und damals hat er nur fünf Minuten gedauert. Im ‹Chindsgi› können wir alles gleich gut und sehen fast gleich aus – man könnte uns glatt verwechseln!»

Roger «Das passiert jetzt bestimmt noch öfter: Wir kommen jetzt in die erste Klasse und haben einen Schulsack ausgesucht: Ohne es zu wissen, haben wir uns für das gleiche Modell entschieden – so ein Zufall! Darüber haben wir schön gelacht. Man sieht auf dem Schulsack einen Panther, der sein Maul öffnen kann, eine Schlange, einen Tiger und einen Gorilla.»

Tobias «Wir freuen uns auf die Schule, besonders aufs Unihockeyspielen. Und von unserer Kindergärtnerin, Frau Urech, haben wir schon ein Aufgabenbüchlein erhalten. So cool! Zum Glück kommen wir in dieselbe Klasse.»

Wir verstehen uns auch ohne Worte

Line (11) und Sarya (10), 5. Klasse
Line (l.) und Sarya
Lachen über die gleichen Dinge: Line (l.) und Sarya

Line «Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Aber erst im vergangenen Jahr, weil ich dann in die Klasse von Sarya gekommen bin. Wir waren nicht gerade sofort Freundinnen. Aber wir haben gemerkt, dass wir in der Schule ähnlich schnell sind und die gleichen Stärken haben. Wir sind zum Beispiel gut in Gruppenarbeiten. Und dann haben wir auch ein gemeinsames Hobby: Wir reiten. Zwar nicht am selben Ort, aber wir tauschen uns immer aus. Ich habe vor zwei Jahren damit angefangen, Sarya reitet bereits seit sieben Jahren. Die Freundschaft mit Sarya ist sehr schön. Wir können über alles reden, aber wir verstehen uns auch ohne Worte. Und wir lachen über die gleichen Dinge.»

Sarya «Vor etwa einem halben Jahr haben wir das letzte Mal gestritten. Wir wissen gar nicht mehr genau, warum. Jedenfalls hat der Streit nicht lange gedauert. Die Pause verbringen wir oft auch mit anderen, aber wenn wir uns nach der Schule treffen, sind wir meistens zu zweit. Dann springen wir auf dem Trampolin herum, das daheim bei Line steht. Und zurzeit machen wir gerade einen Wettbewerb mit Kirschen: Wir schauen, wer mehr davon gleichzeitig in den Mund nehmen kann. Wir haben es beide auf zehn Stück geschafft. Jetzt beginnen wir mit der fünften Klasse. Wir bleiben sicher Freundinnen, auch wenn wir einmal nicht mehr zusammen in
die Schule gehen.»

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