25. Oktober 2017

Zurück zu den Wurzeln

Das Kleinwalsertal, einst von Wallisern besiedelt, ist mit über 150 Kilometer Wanderwegen und 100 Kilometer Velorouten auch im November ein attraktives Reiseziel. Und bald locken alpine Abfahrtsstrecken in der Zwei-Länder-Skiregion.

Kleinwalsertal Kanzelwandbahn
Die erste Bergbahn des Kleinwalsertals stellen seit 1955 die Gondeln auf die Kanzelwand.
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Das Kleinwalsertal wurde auch schon als «schönste Sackgasse der Alpen» bezeichnet. Tatsächlich führt nur eine Strasse zum und durch das rund 15 Kilometer lange Tal. Und diese Strasse ist einzig von Deutschland aus zu erreichen, genauer vom Freistaat Bayern. Das Kleinwalsertal wiederum gehört politisch zum Bezirk Bregenz und damit zum österreichischen Bundesland Vorarlberg. Das Tal verdankt seinen Namen den Walsern, die im 13. Jahrhundert aus dem Wallis dorthin zogen.

Hirschegg ist eines von vier Dörfern im Kleinwalsertal. Diese Aussicht zeigt sich vom Hotel Travel Charme Ifen.

Wer vom bayrischen Oberstdorf, bekannt als Austragungsort der Vierschanzentournee, in die gut 1000 Meter hohe Landschaft eintaucht, ist begeistert vom Alpenpanorama mit seinen über 2000 Meter hohen Gipfeln. Heute gehört das Kleinwalsertal zu den wichtigsten Tourismuszielen Österreichs. Neben Bergwiesen und Felsformationen überzeugen 150 Kilometer lange Wanderwege, 100 Kilometer ausgebaute Routen für Mountainbiker sowie von Dezember bis April 128 Kilometer Pisten und 45 Kilometer Langlaufloipen. Winterwanderwege dehnen sich immerhin auf über 50 Kilometer aus. Der Wintertourismus im Kleinwalsertal ist allerdings nur noch marginal wichtiger als der Fremdenverkehr im Sommer.

Die Zimmer im Hotel Travel Charme Ifen bestechen durch ihre Grösse und den Alpenchic.

Genau auf 1111 Meter über Meer, im Dorf Hirschegg, befindet sich das einzige Fünf-Sterne-Hotel des Tals: Es heisst Travel Charme Ifen, eröffnete 2010 nach einer aufwendigen Renovation, hat 125 Zimmer, die mindestens 35 Quadratmeter gross sind und ab 99 Euro pro Person und Nacht inklusive Frühstück kosten. Speziell: Das riesige Frühstücksbuffet steht täglich von 7.30 Uhr bis 11 Uhr zur Verfügung, und von Mai bis November ist das Billett für die Bergbahnen im Preis eingeschlossen. Der Wellnessbereich dehnt sich auf 2300 Quadratmeter aus und besteht aus einem 18 Meter langen Hallenbad. Neu ist Oliver C. Martin, der Schweizer Wurzeln hat, Direktor des besten Hauses im Kleinwalsertal. 30 Prozent der Gäste reisen aus der Schweiz an (am einfachsten im Auto).

Das Gourmetrestaurant «Kilian Stuba» hat 17 Gault-Millau-Punkte, 22 Plätze und einen Michelin-Stern.

Die Gäste können zwischen zwei Restaurants auswählen: Im «Theo’s», wo auch das Frühstücksbuffet aufgebaut wird, wird abends ein Dreigänger serviert, und im «Kilian Stuba» mit seinen maximal 22 Plätzen zaubert der junge Koch Sascha Kemmerer, was ihm 17 Gault-Millau-Punkte und einen Michelin-Stern einträgt. Unterstützt wird er vom Pfälzer Restaurantleiter und Sommelier Roland Gunst, der schöne Weine zu den Gerichten empfiehlt. Seine Tipps: der frische, pfeffrige Grüne Veltliner 2016 von Langenlois aus dem Kamptal, der Chardonnay 2015 von Franz Sommer aus dem Burgenland und der schön gelagerte Pannobile 2010 von Nittnaus, ebenfalls aus dem Burgenland.

So präsentiert sich Wild im «Kilian Stuba», dem besten Restaurant des Kleinwalserstals.

Ein Viergänger mit saisonalen und alpinen Produkten, zeitgenössisch und modern interpretiert, kostet 85, ein Fünfgänger 100 und ein Sechs-Gang-Menü 115 Euro, wobei zum Auftakt und Dessert zusätzliche Kreationen möglich sind. Alleine wegen Kemmerer lohnt sich die Anreise ins Kleinwalsertal.

Die Handschrift des Künstlers: Chefkoch Sascha Kemmerers Dessertkreation.

Nach so viel Genuss sollte man sich auch ein wenig sportlich betätigen: Vom Nachbarsdorf Mittelberg führt die Seilbahn aufs Walmendinger Horn, das rund 2000 Meter hoch ist und einen spektakulären Blick bis nach Oberstdorf und weiter nach Bayern freigibt. Ja sogar den Säntis erblickt man bei klarer Sicht! Ein wunderschöner Wanderweg führt nach einem relativ steilen Abstieg durch einen Wald zum Oberen Höhenweg.

Die Aussicht vom Walmendinger Horn ist imposant. Von hier aus starten zahlreiche Wanderwege.

Zur Einkehr lockt der Berggasthof Bühlalpe der Familie Unflat. Auf dem Menüplan stehen gutbürgerliche Gerichte, von Suppen über Knödel bis zum Kaiserschmarrn. Frisch gestärkt kann man den Höhenweg fortsetzen und dann mit der Heubergbahn runter nach Hirschegg fahren. Von dort sind es nur ein paar Wanderminuten bis zum Hotel Travel Charme.

Die Sonnenterrasse des Berggasthofs Bühlalpe ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein Anziehungspunkt.

Die erste Bergbahn des Kleinwalsertals stellen seit 1955 die Gondeln auf die Kanzelwand. Sie starten in Riezlern, einem weiteren Dorf im Tal. Die Kanzelwand ist etwa gleich hoch wie das Walmendinger Horn. Gerade für Familien gibt es von der Kanzelwand-Bergstation einen einladenden Rundwanderweg im Zwei-Länder-Gebiet. Der Weg führt von der Bergstation über die Obere Alpe Bierenwang zur Station Schlappoldsee der Fellhornbahn, die bereits zu Deutschland gehört. Dort präsentiert sich auf der grossen Sonnenterrasse des Bergrestaurants die erste von zahlreichen spektakulären Aussichten. Das Wanderpanorama Kanzelwand-Fellhorn bietet aber auch geübten Wanderern diverse Möglichkeiten, wobei alpine Ausrüstung und Trittsicherheit erforderlich sind.

Die Kanzelwand ist bekannt als Zweiländerski- und -wandergebiet. Wer auf diesem Hügelzug weiterwandert, braucht Trittsicherheit.

Wem all das nicht genug ist, kann sich im Gästeprogramm des «Travel Charme» täglich weitere Aktivitäten aussuchen – von Bike Trails über Bergtouren mit Wanderführer Gerd bis zum Ponyreiten. Und die ganzen Ferien kann man sich danach – mit sehr, sehr viel Glück – abends im Casino Kleinwalsertal finanzieren.

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