10. Oktober 2018

Zum Aus-der-Haut-Fahren

Schuppenflechten sind weder ansteckend noch gefährlich. Doch sogenannte Psoriasis lässt die Lebensqualität drastisch sinken. Nach 20 Jahren Juckreiz und unangenehmen Ausschlägen lässt ein neues Medikament David Egli hoffen.

Leidet an Schuppenflechten: David Egli
«Während der Sitzungen, wenn ich mich nicht kratzen konnte, machte es mich fast rasend.» – David Egli
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David Egli sitzt in einem Restaurant am See in Luzern und strahlt. Freudig streckt er seine Hände über den Tisch und zeigt seine fast intakten Fingernägel. Lediglich am Daumen der rechten Hand sind noch eine leichte Verformung und ein paar Flecken zu erkennen.

«Seit vier Monaten bin ich praktisch beschwerdefrei», sagt der 40-Jährige. Dies, nachdem er ein halbes Leben mit der Hautkrankheit Psoriasis gekämpft hat. Vor allem die Finger- und Fussnägel waren von der heimtückischen Schuppenflechte betroffen. «Die Zellen wucherten dermassen unter den Nägeln, dass sie häufig in 30-Grad­Winkeln abstanden», sagt Egli rückblickend.

Zu Beginn waren die Symptome relativ harmlos: ein Jucken in der Gesässfalte, das mit etwas kortisonhaltiger Salbe wieder besser wurde. Zwei, drei Jahre später waren die Nägel befallen. Man könne nichts machen, beschieden ihm die Ärzte. Er solle froh sein, wenn es nicht schlimmer werde. Das wurde es aber.

Oft konnte er nicht einschlafen

Und es plagte den jungen Mann zusehends. Einerseits aus ästhetischen Gründen. «Mit der Zeit entwickelt man Marotten, wie die Hände vor anderen zu verstecken», erzählt der Informatiker. Im Kontakt mit Kunden – wenn er zum Beispiel auf dem Tablet eine neue Software präsentieren musste – gab er meist von sich aus eine Erklärung zu den Verformungen ab und betonte, dass keine Ansteckungsgefahr bestehe.

Anderseits schmerzten ihn die Nägel schon bei kleinstem Druck, und er verletzte sich oft beim Versuch, sie zurückzustutzen. Zudem war der Juckreiz in den Hautfalten, hinter den Ohren sowie an den Knien und Ellenbogen zuweilen stark. «Oft konnte ich deswegen nicht einschlafen. Und während Sitzungen, wenn ich mich nicht kratzen konnte, machte es mich fast rasend.»

Schon sein Grossvater hatte Psoriasis

Um das Problem in den Griff zu bekommen, probierte er über die Jahre so ziemlich jede erdenkliche Behandlungsmethode aus: ein ganzes Arsenal von fettenden Lotionen und Salben, verschiedene Medikamente und Ernährungszusätze, Handbäder mit anschliessender UV-Bestrahlung sowie diverse Diäten.

«Eine Zeit lang raffelte ich Ingwer über fast alle Speisen, ein andermal verströmte ich Weihrauch im Schlafzimmer», sagt Egli lachend. Immer wieder hätten ihm Bekannte neue Kuren empfohlen. Genützt hätten die meisten davon aber herzlich wenig; oder wenn, dann nur kurzfristig. Selbst als er vor einem Jahr das Rauchen aufgab, trat der erhoffte Effekt nicht ein.

Psoriasis oder Schuppenflechte am Ellenbogen
Am Ellenbogen ist die Psoriasis noch zu sehen, doch IT-Fachmann David Eglis Fingernägel sind wieder gesund. Endlich kann er seine Schuhbändel wieder öffnen.

Bereits sein Grossvater sei ziemlich sicher von Psoriasis betroffen gewesen, erinnert sich Egli, jedoch ohne die Diagnose zu kennen. «Auch er wies unter den Nägeln starke Wucherungen auf. Wenn man ihn darauf ansprach, sagte er jeweils, ein Pferd sei ihm auf den Fuss gestanden.» Erst später fiel dem Enkel auf, dass die Erklärung ziemlich absurd war – waren doch beide Hände und Füsse betroffen.

Und doch ein normales Leben geführt

Trotz seiner Hautkrankheit führte David Egli ein ziemlich normales Leben. So gut es das Familienleben zuliess, schwamm der dreifache Vater regelmässig, spielte Videogames und las Bücher. «Nerd-Sachen halt», sagt der IT-Projektleiter, der ursprünglich Geschichte und Philosophie studierte. An der Arbeit fehlte er wegen der Psoriasis nie. Dennoch erreichten die Symptome in den letzten Jahren ein Ausmass, das seine Geduld an die Grenzen stossen liess. In Absprache mit seinem langjährigen Dermatologen entschloss er sich, es mit potenten Medikamenten zu versuchen.

Seit rund zwei Jahren ist ein Mittel auf dem Markt, das Psoriasis-Patienten hoffen lässt. Die Crux dabei sind die Kosten: Eine Spritze, die für einen Monat reicht, kommt auf rund 2000 Franken zu stehen. Die Krankenkassen zahlen nur, wenn zuvor andere Medikamente erfolglos ausprobiert wurden, die oft starke Nebenwirkungen haben.

David Egli erhält die teuren Injektionen mittlerweile seit vier Monaten und ist begeistert. «Die Nägel sind gesund, und ich habe überhaupt keine unangenehmen Begleiterscheinungen.» Endlich sei es ihm wieder möglich, eine Münze vom Boden aufzuheben oder einen verknoteten Schuhbändel zu lösen.

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