08. Dezember 2017

Zucker unter Verdacht

Für Herzinfarkte oder Hirnschläge gilt erhöhtes Cholesterin im Blut seit Jahren als wichtiger Mitverursacher. Doch Experten sind zunehmend der Ansicht, dass Zucker dabei der wichtigere Übeltäter sein könnte. Was bedeutet die Erkenntnis für den Alltag?

Zuckerbomben belasten die Gefässe
Zuckerbomben sind nicht nur schlecht fürs Gewicht, sie belasten auch die Gefässe. (Bild: Getty Images)
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Der Griff zu blutfettsenkenden Medikamenten ist bis heute Alltag. In gewissen Situationen ist diese Therapie auch unbestritten, vor allem wenn man bereits einen Herzinfarkt erlitten oder ein hohes Gesamtrisiko für ein solches Ereignis hat. Dabei spielen aber nicht nur der Cholesterinspiegel, sondern auch Risikofaktoren wie Rauchen, Blutzucker, Blutdruck, Alter sowie das vererbbare Risiko von Herz-Kreislauf-Erkankungen eine Rolle.

Sterberate bleibt gleich hoch
In letzter Zeit wird immer klarer, dass die Senkung des «schlechten» (LDL) oder die Erhöhung des «guten» Cholesterins (HDL) nicht zwingend bedeutet, dass dadurch das Risiko für Herz- oder Hirninfarkte kleiner wird. Dies unterstreichen neue Erkenntnisse zu Cholesterinsenkern: Diese belegen, dass solche Mittel zwar die Cholesterinwerte positiv beeinflussen, nicht aber die Sterberate im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindern.

Ist Zucker problematischer?
In Fachkreisen wird derzeit heftig debattiert, ob die Cholesterin-Hypothese ­medizinisch überhaupt noch haltbar ist – und ob Zucker womöglich weitaus der entscheidendere Stoff ist, wenn es um Herz-Kreislauf-Risiken geht. Entsprechende Studien, die das nahelegen, gibt es seit Langem.
Regelmässige Cholesterinkontrollen sind deshalb nur in wenigen Fällen – zum Beispiel bei erblicher Vorbelastung oder bei einer Herzkrankheit – notwendig. Ansonsten ist es viel wichtiger, das Rauchen aufzugeben, sein Gewicht in den Normalbereich zu bringen und mindestens dreimal pro Woche eine halbe Stunde Ausdauersport zu betreiben. Darüber hinaus bestätigen Studien, dass auch die mediterrane Küche, in der vorwiegend Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch und Olivenöl verwendet werden, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.

TIPPS: So verbessern Sie Ihr Herz-Kreislauf-System

Fordern Sie sich: Bewegen Sie sich mindestens dreimal pro Woche eine halbe Stunde. Dabei sollten Sie schwitzen.

Rauchen aufgeben: Jeder Tag als Nichtraucher tut dem Körper gut.

Zucker meiden: Nahrungsmittel und Getränke schmecken auch ohne Zucker.

Leichte Küche: Früchte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte sind vorzuziehen. Beim Fleisch gilt: besser weisses als rotes Fleisch.

Idealgewicht anstreben: Übergewicht sollte vermieden werden.

Dr. med. Peter Schläppi, Facharzt für Allgemeinmedizin, Medbase Bern Zentrum

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