02. September 2017

Zu Besuch im Heldenplatz

Auf Stippvisite in Hamburg

Der 'Heldenplatz' in Hamburg

Wenn ich zu Besuch in meiner Heimatstadt Hamburg bin, befinde ich mich in puncto Restaurantbesuche in einem Dilemma: Einerseits habe ich meine Lieblingsrestaurants in der Hansestadt, zum anderen probiere ich auch gern Neues aus. Doch die Zeit ist immer knapp bemessen. Während meines Sommerurlaubs folgte ich einem Tipp mehrerer Food-Kollegen und speiste im Heldenplatz.

In der Brandstwiete, in der Nähe zur historischen Speicherstadt und der modernen Hafencity, wären wir fast an dem Restaurant vorbeigelaufen, doch ein Schild stoppte uns. Das Restaurant ist in warmen Holztönen modern eingerichtet. Wer beim Namen Heldenplatz zunächst an das Skandal-Theaterstück von Thomas Bernhard denkt, wird beim Betrachten der Bilder an der Wand gleich eines Besseren belehrt. Dort sieht man den Piloten des Flugzeugs, der durch eine mutige Wasserlandung in New York eine Katastrophe verhinderte, einen Feuerwehrmann, der ein Tier aus lodernden Flammen rettet, und noch viele andere Menschen, die zu Helden des Alltags wurden. Die Philosophie der Gastgeber, nach eigener Auskunft, ist «ein Platz für Menschen, die ihr Leben im Alltag meistern». Helden sind für Koch Markus Hampp, aber auch die Landwirte, die für ihre Produkte leben und so zu Helden auf dem Teller und im Glas werden.

Warme Holztöne, dennoch modern eingerichtet mit hohen Tischen und Barhockern der bequemeren Art und konventionellen Tischen. Wir nehmen an einem Tisch am Fenster Platz. Neben uns speist bereits ein Ehepaar mit seinen bereits erwachsenen Kindern, ein Tisch weiter wechseln ein paar Endzwanziger zwischen Dänisch, Englisch und Deutsch hin und her.

Die Weinkarte ist nach Stimmungen gegliedert, die gleichzeitig preislich ansteigen. Wer «schweben» möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. An dem schönen Sommertag mit reichlich Sonne ist uns nach Spass. Wir bestellen eine Flasche Riesling vom Weingut Dreissigacker in Rheinhessen (24 Euro). Der ist spritzig und mineralisch, tatsächlich ein Wein, der unkomplizierten Spass verspricht. Die Flasche bleibt gekühlt, und unsere Gläser werden im Verlauf des Abends von der sehr netten und aufmerksamen Bedienung bei drohender Leere wieder gefüllt.

Mein Partner lässt sich vom rosa Flank Steak vom Irish Nature Beef am Nebentisch verführen und bestellt das Menü für 51 Euro. Ich möchte andere Gerichte und verzichte auf eine Vorspeise und starte mit einem Zwischengang: Allgäuer Käsespätzle mit Bergkäse, Schnittlauch und Röstzwiebeln. Es ist jetzt nicht so, dass ich das unbedingt probieren muss, aber ich bin neugierig, wie der Koch das in diesem Restaurant umsetzt, bin ich doch eher Portionen an Käsespätzle gewohnt, wie sie eher auf Landgasthöfen angeboten werden und nach dem Genuss derer man eher an ein Nickerchen denkt als an das Nachtleben in einer Grossstadt.

Zudem muss mein Partner sie probieren – quasi als Schulung in deutscher Küchenkultur. Doch bevor es losgeht, gibt es erst einmal Brot: Speckbaguette und Kartoffelfocaccia, beides schön warm auf heissen Steinen serviert, dazu ein Gläschen mit aufgeschlagener Butter und Schnittlauch. Allein davon könnte man schon fast satt werden.

Die Spätzle sind sehr zart, gerade die richtige Menge an Bergkäse und eine grosszügige Portion perfekt zubereiteter Röstzwiebeln. Währenddessen bekommt der Mann eine Gelbschwanzmakrele mit Zwiebel und Brunnenkresse. Sein Zwischengang ist ein Risotto nero mit Calmaretti und Tomaten. Ich darf probieren. Gut abgeschmeckt, würde ich bei dem Gericht sogar meine leichte Abneigung gegen Schwarzes auf dem Teller überwinden.

Dann der Hauptgang. Ich hatte Adlerfisch bestellt und bekam ihn mit Variationen von Fenchel serviert, dazu als kleiner Akzent schwarzen, fermentierten Knoblauch. Der Fisch ist knusprig gebraten und wird von Muscheln begleitet. Beides harmoniert gut mit dem Püree vom Fenchel, den Fenchelchips, dem Würzöl und der schaumigen Sauce. Das Fenchelpüree war für mich etwas zu salzig, der fermentierte Knoblauch aus meiner Sicht ein Tribut an den Zeitgeist: Nette Idee, aber für mich hätte es das nicht gebraucht.

Das Steak auf dem Teller gegenüber sieht prima aus, dazu gibt es Selleriepüree, Mangold und eine Trüffelsauce. Alles sehr gut zubereitet und ansprechend angerichtet. Die Eigenwerbung der Wirte Casual Fine Dining bestätigt sich für uns. Wir geniessen.

Statt Dessert habe ich Käse gewählt. Die Käse bezieht das Restaurant von einem der wenigen Maître-Affineure in Deutschland, von Waltmann in Erlangen. Dazu gibt es eine Feigenkonfitüre sowie ein sehr feines, aromatisches Früchtebrot. Eine stimmige Kombination, die erstaunlicherweise in meinem Magen noch Platz hat.

Auch die Passionsfruchttarte mit Meringue, Joghurteis und Melissenblättchen meines Gegenübers spricht mich an. Da wir das Dessert teilen, geniesse ich auch fein säuerliche Tarte und das erfrischende Joghurteis. Ein schöner Abschluss des Abends.

Fazit: Wir haben diesen Ausklang eines schönen Sommertags kulinarisch sehr genossen und fühlten uns verwöhnt, wozu das Team des «Heldenplatzes» sehr viel beigetragen hat.


Restaurant Heldenplatz

Brandstwiete 46

20457 Hamburg

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 18 bis 2 Uhr (Küchenzeit!)

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