Leser-Beitrag
15. Februar 2018

Zeugniszeit

Migros-Magazin-Leserin Daniela Schlegel schreibt über Schulnoten und wie Eltern dazu beitragen können, deren Wirkung zu relativieren.

Noten sind Bewertungen von aussen

Ich erinnere mich gut daran, wie ich in der Primarschule ganz aufgeregt auf das Zeugnis wartete und es auf dem Pausenplatz mit anderen Kindern verglichen habe. Für mich barg das Zeugnis kein Stresspotenzial, ging ich doch gerne in die Schule und war auch eine gute Schülerin. Das war Ende der 1970er-Jahre und in den 1980er-Jahren.

Was hat sich seither verändert? Nun bin ich selber Mutter und habe in meiner Tätigkeit als Familiencoach viel mit Eltern, Kindern und auch Lehrern zu tun.
Jedes Kind und jedes Elternpaar hat einen anderen Bezug zur Zeugniszeit. Als Eltern freuen wir uns mit unseren Kindern, wenn sie gute Noten haben, und sind vielleicht besorgt, wenn die Zensuren nicht so gut sind. Im Zeugnis werden die verschiedenen Fächer und auch das Sozialverhalten, die Ordnung und die Reinlichkeit, Pünktlichkeit usw. benotet. Das Kind lernt, wie es ist, von aussen bewertet zu werden. Es erfährt, ob und wie es sich ins Schulsystem integriert, und die Gesellschaft gibt vor, was der Norm entspricht und was nicht.

Das Kind lernt: Wenn ich Leistung bringe und vielleicht auch ein Stück so bin, wie andere mich haben wollen, dann bin ich gut genug. Und vielleicht fällt es ihrem Kind einfach leicht und es ist eine tolle Schülerin oder ein super Schüler – wunderbar.
Es gibt jedoch einige Kinder, die regelrecht Angst haben vor dem Zeugnis, Angst, von den Eltern geschimpft zu werden oder sie vielleicht zu enttäuschen; Angst ausgelacht zu werden, Angst zu versagen. Und schon ploppen die Glaubenssätze hoch, wie zum Beispiel: Ich bin nicht gut genug, ich habe versagt, ich schaff das nicht, ich kann keine Mathe, kein Französisch etc... Vielleicht gar: Ich bin dumm.

Was Kinder gerne zwischendurch von uns Erwachsenen hören, sind liebe Worte wie zum Beispiel:

Mein liebes Kind, Du bist wunderbar.
Noten sind eine Bewertung von aussen, wir lieben Dich so, wie Du bist.
Egal, was andere über Dich denken, Du bist wundervoll!
Sei glücklich und entfalte Dein Potenzial.
Wir glauben an Dich!
Du schaffst schaffst das, wir stehen hinter Dir!

Kinder brauchen vielleicht genau in dieser Zeit eine starke Umarmung, ein liebes Wort – oder es will einfach nur in Ruhe gelassen werden und kommen dürfen, wenn es das Bedürfnis danach hat. Sie als wundervolle Eltern kennen ihr Kind am besten und wissen, was es in dieser Zeit braucht.
Es ist auch normal, dass sich Kinder untereinander messen.
Und doch gebe ich Menschen immer mit, vergleiche dich nur mit dir selber. Wo standest du vorher und wo stehst du jetzt.

In diesem Sinne, Daniela Schlegel

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