02. Oktober 2017

Zehn Gebote

Bänz Friedli mag sein Smartphone, aber ... Hier kannst du die Hörkolumne herunterladen oder dich mit dem AUtor und anderen Leserinnen austauschen.

«Nothing Ever Happens» von Del Ami
Bänz Friedlis Lieblingssong «Nothing Ever Happens» von Del Ami.
Lesezeit 2 Minuten

Tapfer sein, jetzt! Es gilt, Regeln für den Umgang mit dem Handy festzuhalten.
Ich bin froh um mein Smartphone, keine Frage. Wenn ich nachts um ein Uhr das letzte Tram und danach den kurzen Heimweg zu Fuss durch herbstlichen Räucherdunst nehme, und ich kann dank des Gerätleins rasch ­checken, wie YB gespielt hat, und dazu einen Lieblingssong hören, «Nothing Ever ­Happens» von Del Amitri – dann ist das ­wunderbar.

Die Nacht liegt schemenhaft schimmernd vor mir, der Sänger singt von Verlorenheit und davon, dass «amerikanische Businessleute auf die Schnelle einen Van Gogh ersteigern für Geld, mit dem sich ganze Spitaltrakte finanzieren liessen»; er singt von der Kaputtheit der Welt, und mir wird dennoch wohlig warm, weil ich mich verstanden und ein bisschen geborgen fühle. In solchen Momenten möchte ich mein Westentaschentelefon nicht missen.

Aber es gibt Situationen, in denen wir das Handy nicht zücken dürfen. Aus Anstand, aus Vorsicht.
Erstens: an der Migros-Kasse, wenn wir die Cumulus-Karte vorweisen und bezahlen sollten (und hinter uns stehen elf Ungeduldige in der Schlange).
Zweitens: am Postschalter, wenn wir Nummer 457 gezogen haben und nun endlich an der Reihe sind.
Drittens: am Beizentisch. Dies gilt, viertens, in verschärftem Mass auch für die jeweils Bediensteten. Das Restaurant, in dem mir eine Schlaksige, das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt, wortlos mein Essen hinknallte – genauer: eben nicht wortlos, sondern am Handy quasselnd und mich keines Blickes würdigend –, dieses Restaurant hätte ich stracks verlassen sollen. (Hätte ich bloss nicht solchen Hunger gehabt!)
Fünftens gilt es, beim Aussteigen aus Bus, Tram und Zug nicht aufs Display zu starren, man prallt sonst mit Einsteigenden zusammen.
Sechstens ist das Glotzen aufs Handy auf dem Fussgängerstreifen nicht angezeigt, umso weniger, falls Sie diesen bei Rot überqueren.
Siebtens sollten Sie auf dem Velo und achtens am Steuer weder Nachrichten tippen noch die Neuigkeit lesen, wer den «Bachelor» in irgendeiner trümmligen TV-Show geben soll.
Neuntens ist das Konsultieren jeglichen Livetickers während des Beischlafs untersagt.
Und zehntens empfehle ich Ihnen, das Handy während des Nachtessens mit Freunden nur dann hervorzukramen, wenn diese rasch aufs WC gehen. (Denn was tun die dort? Eben.)

Sollten Sie keines dieser Gebote je verletzt haben, gilt Ihnen mein Respekt. Aber wie oft haben Sie sich während des Lesens dieser Kolumne von Ihrem Handy ablenken lassen? Ach so, Sie haben sie auf dem Handy gelesen. 

Die Hörkolumne (MP3)

Buchvernissage Bänz Friedli: 6. 10. Zürich, PBZ Altstadt

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