Leser-Beitrag
09. Januar 2018

Yoga und Genuss am Lago d'Iseo

Der Erlebnisbericht von Migros-Magazin-Leser Armin Müller zu seinen Norditalien-Ferien

Paddelnd auf dem Lago d'Iseo

Dienstag, 25.04.17

Gutgelaunt und in freudiger Erwartung der kommenden Woche versammelten sich am Dienstagmorgen 17 Sport- und Genusshungrige bei ganz leichtem Regen in Uster. Einige sahen sich hier zum ersten Mal, andere konnten bereits einige Wochen zuvor bei einem ersten Treffen Bekanntschaft schliessen. Wieder andere kannten sich bereits sehr lange, von gemeinsamen sportlichen Aktivitäten in und um Uster oder vom Jogging/Walking im Zürcher Oberland.

Die beiden freundlichen Fahrer Nello und Lino, die seit ungefähr 3 Uhr morgens bereits die Strecke vom Iseosee bis Uster hinter sich gebracht hatten, verstauten unser Gepäck fachgerecht im Kofferraum. Pünktlich setzte sich der Bus in Bewegung und hielt bald darauf in Wagen (SG) an, um die beiden noch fehlenden Teilnehmerinnen einsteigen zu lassen. Nun war unsere Reisegruppe komplett, und bei immer noch feuchtem und regnerischem Wetter ging es definitiv los in Richtung San Bernardino respektive gen Italien. Während einer Pause an der Raststätte Campagnola folgte schon der erste Höhepunkt: in Form eines kleinen Apéros mit einem Satèn-Schaumwein aus dem Hause Bonfadini, zu dem Armin uns einlud.

Die angenehme Fahrt verlief ohne Stau. Nach einem kleinen Mittagessen in der Raststätte Villoresi und einem kurzen Nickerchen im Bus konnten wir fast eine Stunde früher als geplant im Hotel Iseolago einchecken.
Nun war Check-in angesagt. Nach dem Zimmerbezug und einer kleinen Erkundungstour im und ums Hotel herum folgte eine kurze Jogging- bzw. Walking-Einheit unter mehr oder weniger kundiger Leitung von Armin und Heidi, im nahe gelegenen Naturreservat Torbiere del Sebino. Den dadurch angekurbelten Hunger stillten wir in der unmittelbar neben dem Hotel gelegenen Osteria ai Nidri mit Unmengen von typisch italienischen Speisen, begleitet von Rotwein und abgerundet durch Espresso und Limoncello. Anschliessend wurde die Hotel-Bar auch ein erstes Mal getestet.

Mittwoch, 26.04.2017

Da sich bereits im Vorfeld das Wetter an den beiden ersten Tagen als eher unfreundlich angekündigt hatte, hat unser Reiseleiter Armin dem Regen am ersten Tag ein Schnippchen geschlagen und kurzerhand das Aqua-Gym und Schwimmen vom Sonntag auf den Mittwoch vorverlegt. Im Olimpic Sport Village war der Kauf der obligatorischen Badekappen möglich, dies wurde von denen genutzt, die weder eine eigene noch die geblümte Einweg-Badekappe aus dem Hotel dabei hatten. Die Aqua-Gym-Leiterin Morena legte sich für und vor uns ins Zeug; wenn ab und zu welche aus der Reihe tanzten oder nachliessen, forderte sie jeweils wieder den vollen Einsatz. Und wir gaben alles. Drei von uns hätten sogar das Label Spritzweltmeister verdient.
Für das nachfolgende Schwimmen durfte sich jeder die Intensität selber aussuchen. Erholung gab es während einiger Stunden zur freien Verfügung.

Am späteren Nachmittag folgte die erste Degustation der berühmten Franciacorta Schaumweine in der Azienda Agricola Bonfadini in Clusane. Die Chefin Francesca präsentierte souverän das Unternehmen und die Schaumweine, zusammen mit ihrem Bruder, der ihr beim Einschenken und Verköstigen unserer illustren Schar behilflich war. Bereits wechselten zahlreiche Flaschen mit dem wertvollen, perlenden Inhalt den Besitzer. Einige Flaschen Satèn werden noch folgen, wenn Signora Francesca diese bei Armin in der Schweiz vorbeibringt und diese Köstlichkeiten nicht zu lange dort bleiben.

Zum Nachtessen brachte uns der immer pünktliche Fahrer Nello, der uns die ganze Woche begleitete, ins Ristorante Da Sandro. Ein weiteres wunderbares Mahl erwartete uns, wobei alle selber bestimmen konnten, wieviel vom jeweiligen Gang auf dem Teller landen sollte. Wunderbare Antipasti, exquisite hausgemachte Ravioli und butterzartes Fleisch schmeichelte unseren Gaumen.
So neigte sich ein ereignisreicher Tag dem Ende zu und wurde von uns in der Hotellobby mit einem Schlummertrunk abgerundet. Dabei segneten bereits zwei der gleichentags erstandenen Flaschen das Zeitliche.

Donnerstag, 27.04.2017

Das reichhaltige Frühstück im Hotel nahmen wir heute ziemlich früh zu uns, denn es sollte ein mit Action gespickter Tag folgen. Das Wetter zeigte sich bei der Fahrt zu Sportaction in der Nähe von Lovere noch relativ freundlich, wir wussten oder ahnten anhand der Wetter-App aber breits, dass dies nicht den ganzen Tag so bleiben würde.
Als erste spannende Angelegenheit entpuppte sich das Anziehen des Neopren-Anzugs, der sich dafür geschmeidig über unsere Sportlerkörper spannte. In abwechselnder Besetzung probierten wir das Kayakfahren und das Stand-Up-Paddling (SUP) aus. Während Ersteres vor allem die Oberarme beschäftigte, stellte das Balancieren auf dem SUP-Brett mehr das Gleichgewicht auf die Probe. Der Instruktor Nicola hatte seine helle Freude daran, uns allerlei Übungen auf dem Brett machen zu lassen, natürlich endeten die meisten davon im kühlen Nass des Lago d’Iseo.

Unser Reiseleiter Armin wurde zweihundert Meter vor dem Ufer plötzlich hinterrücks von einer Welle erwischt und landete ebenfalls im erfrischenden Wasser. Als Peter sich daraufhin von Lachen nicht mehr halten konnte, erwischte ihn das gleiche Schicksal. Wir hatten mächtig Spass. Trotz oder gerade wegen des mittlerweile regnerischen Wetters blieb der Stimmung bestens. Und kalte Füsse kann man auch jederzeit mit einem Fön wieder aufwärmen.

Das reichlich zubereitete Mittagessen mit mehreren Gängen wurde von der Köchin in einem Raum zubereitet, in dem kaum mehr als 2 SUP-Bretter Platz gehabt hätten. Und es mundete ausgezeichnet. Diejenigen, die vom Wassersport nicht so sehr angetan waren, verbrachten den Vormittag entweder mit Joggen oder mit einer Wanderung auf die umliegenden, steilen Berge. Von der prächtigen Aussicht brachten sie sehr schöne und ein wenig neidisch machende Aufnahmen zurück. Einzig das geplante Segeln fiel dem nicht vorhandenen Wind zum Opfer. Dank Motorunterstützung war trotzdem aber eine Seefahrt möglich.

Weil der stärker werdende Regen den anschliessend geplanten Fussmarsch über den Panoramaweg unmöglich machte, nahmen einige von uns die Gelegenheit wahr und verliessen das Schiff in Lovere. Bier, Aperol und andere süffige Getränken waren eine würdige Vorbereitung aufs spätere Abendessen. Dieses, durch den grossen körperlichen Einsatz am heutigen Tage wohlverdiente Abendessen nahmen wir im Ristorante Campagnola in Lovere ein. Irritiert waren einige unserer Gourmets, dass heute nach zwei warmen Gängen bereits das wohlschmeckende, hausgemachte Gelato mit Früchten kam, waren wir doch nach den ersten beiden Abenden an drei Gänge gewöhnt.

Freitag, 28.04.2017

Der frühe Vogel fängt den Wurm, dachten wir uns und erschienen geschlossen zur frühmorgendlichen, spontan abgemachten Aerobic-Stunde, in der uns Instruktorin Gabi ordentlich schwitzen liess. Umso besser schmeckte das Frühstück nach der wohltuenden Dusche. So gestärkt stand dem Besuch des Wochenmarktes in Iseo nichts mehr im Wege. Nach einem kurzen Fussmarsch bei sonnigem und wärmeren Wetter erreichten wir die ersten Marktstände und wurden von Armin informiert, wo ungefähr welche Dinge zu suchen und zu finden seien. Schon schwärmten wir aus, mit unterschiedlichen Zielen und Kaufabsichten, aber alle von uns voller Tatendrang. Früher oder später fanden wir wir uns entweder noch bei den Marktständen oder beim Apéro wieder. Wir waren fast alle mit mit einer oder mehreren Taschen bepackt. Diese waren voll mit den Geschenken und Mitbringseln für sich selber oder für die Daheimgebliebenen.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, die Zeit wurde ganz unterschiedlich genutzt. Danach, während des nachmittäglichen Jogging- und Walking-Trainings, kamen wir bereits an dem Restaurant vorbei, in dem wir das Abendessen einzunehmen gedachten. Vom Hotel aus liegt dieses Restaurant rund eine halbe Stunde Spaziergang entfernt, bei schönem Wetter war dies ein hervorragender Appetitmacher. Erneut gab es mehrere Gänge mit verschiedenen, typischen Gerichten wie Rotweinrisotto oder Schmorbraten und dazu den passenden Wein. Nach dem Essen genehmigten wir uns noch den einen oder anderen Grappa oder Limoncello. Da der Wirt diesmal gleich die Flaschen an den Tisch brachte und nicht bloss eine Runde Gläser, bedienten wir uns selbst. Nachdem wir seine Grosszügigkeit genutzt, jedoch nicht über Gebühr beansprucht hatten, begaben wir uns auf den Rückweg zum Hotel, wo allerlei Liedgut angestimmt wurde. Durch den Spaziergang wieder etwas durstig geworden, benötigten einige noch einmal etwas Flüssiges, um die Kehle und den Gaumen zu befeuchten. Einem wohltuenden Schlaf stand danach nichts mehr im Wege.

Samstag, 29.04.2017

Heute stand der Ausflug zur Monte Isola an, der grössten der Inseln im Iseosee und gleichzeitig die grösste Insel in einem Binnengewässer in Zentral-Europa. Der Spaziergang zur Schiffsanlegestelle verhiess schon Gutes, waren doch nur noch ganz, ganz wenige Wolken zu sehen. Das Schiff zur Insel war gut besetzt und pflügte in zügigem Tempo durchs Wasser. Nach kurzer Fahrt und schon mit einigen wunderschönen Aussichten belohnt, kamen wir wohlbehalten am Steg der Insel an, wo wir sogleich losmarschierten, um die Insel zu umrunden. Sattes Grün des bewaldeten Teils der Insel löste sich mit pittoresken Dörfern ab, zwischendurch gab es Kirchengeläut, welches uns eine bevorstehende Hochzeit ankündigte. Und siehe da, tatsächlich erhaschten wir einen Blick auf das Brautpaar.

So ging es bei fantastischen Wetterbedingungen weiter, bis wir schliesslich bei unserem Ziel, der Residenz Castello Oldofredi, die Treppen erklommen und uns bei einem überwältigenden Panorama auf die bequemen Sessel niederliessen. Zusammen mit den feinen Apérohäppchen sowie den Schaumweinen der Franciacorta aus dem Hause Camossi war dies die perfekte Kulisse, um einfach die Seele baumeln zu lassen und das Leben zu geniessen. Dolce Vita für Fortgeschrittene.

Viel zu früh ging es wieder zurück Richtung Iseo, wo wir den Nachmittag zur freien Verfügung hatten. Einige nutzten dies zu einer Jogging- bzw. Walking-Runde im Naturreservat, andere schlenderten durchs Dorf und genossen ein paar erholsame Stunden. Am späteren Nachmittag trafen wir uns in charmanter und manche sogar in festlicher Garderobe vor dem Hotel, um die Fahrt ins nahegelegene Weingut Al Rocol in Ome, auf den Hügeln hinter Iseo, anzutreten. Da dieser Produzent nur ab Weingut verkauft, war das Gästeaufkommen entsprechend hoch. Besonders angetan hatte es uns eine grosse Reisegruppe aus Norwegen, wobei es sich um einen Chor handelte, der uns mit seinen Tönen begeisterte. Mit Freude übernahmen wir diesen Vierklang beim nächsten Anstossen mit den Weinen des Hauses. Auch dem wiederum reichlich aufgetragenen Käse, Fleisch und Brot schenkten wir die gebührende Beachtung. Ein Highlight ist das selbst hergestellte Olivenöl, das uns vorzüglich mundete.

Der kulinarische Höhepunkt sollte aber noch folgen, was sich bereits beim Betreten der Hostaria Uva Rara in Monticelli Brusati erahnen liess. Aus verschiedenen Menus (Lago, Mare, Territoria oder Vegetarisch) konnte man auswählen, was einem am besten zusagte. Ein Gläschen feinen Schaumweins des Weingutes Montina war der perfekte Einstieg in die kommenden Gaumenfreuden.
Wunderschön angerichtete und wohlschmeckende Speisen wurden aufgetragen, jeweils getreu dem Motto des gewählten Menus. Es war ein wunderbares Festessen, von der Vorspeise bis zum Dessert. Ein gelungener Abschluss für einen herausragenden Tag.

Sonntag, 30.04.2017

Der letzte ganze Tag dieser Sport und Genussreise stand im Zeichen des Wanderns und Bikens. Heute wurde die Gruppe in zwei Teilgruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe startete von Sarnico aus zu Fuss mit der Wanderung, die andere Gruppe hoch zu Rad. Da die Mountainbikes mit Elektromotor ausgerüstet waren, ergab sich eine viele höhere Distanz mit weniger Kraftaufwand. Trotzdem haben sich einige von uns nur mit Muskelkraft vorwärtsbewegt, was sich beim Durst danach auch entsprechend zeigte. Die Route führte entlang der Ufers vom Iseo See bis zu dem uns wohlbekannten Naturreservat Torbiere del Sebino und wieder zurück. Leichte Anstiege waren dank Unterstützung des Motors leicht zu bewältigen. Heidi übernahm von Armin die Rolle der Wanderleiterin bei der zweiten Gruppe, die Zufriedenheit war gegeben, als sie uns praktisch auf kürzestem Weg zur Gelateria führte. Die Route gipfelte bei einem wunderbaren Aussichtspunkt, von welchem man sogar bis zum Hotel sehen konnte. Wunderbar.

Unterwegs mit dem Velo

Der Abendspaziergang führte uns durch die Altstadt von Iseo und via Bahnhof ins Ristorante Il Forest, von welchem aus man einen wunderbaren Blick über Iseo hatte. Übers Essen muss man nicht viele Worte verlieren, es war wohlschmeckend und in mehr als ausreichender Menge vorhanden. Der Kauf von hausgemachten Spezialitäten war ebenso möglich und wurde auch genutzt.
Gut gesättigt ging es zurück ins Hotel, um den letzten Abend an der Bar ausklingen zu lassen. Da die Bar offiziell bereits geschlossen hatte, mussten wir dem Nachtportier unter die Arme greifen und uns quasi selbst mit Bier versorgen, bevor wir in den verdienten Schlaf sanken.

Montag, 01.05.2017

Bald schon hiess es Abschied nehmen aus dem Hotel, welches uns die letzten Tage ein Zuhause war. Ganz Verwegene liessen es sich nicht nehmen, nochmals eine frühmorgendliche Aerobic-Einheit mit Gabi zu absolvieren. Pünktlich begaben wir uns zum bereitstehenden Bus, der uns noch zur finalen Degustation in die Tenuta Castello Bonomi in Coccaglio brachte. Dort konnten wir nochmals nach Herzenslust beim feinem Käse und Salami zugreifen, während die dargebotenen Schaumweine und Weine zur Degustation gebracht wurden.

Um die Mittagszeit nahm dann der Bus Kurs Richtung Uster, nicht ohne vorher noch den zweiten Chauffeur aufzuladen, der uns bereits beim Hinweg begleitet hatte.
Das Wetter war wie zu Beginn der Reise eher durchzogen bis schlecht, es gipfelte mit ordentlichem Schneefall beim Anstieg zum San Bernardino-Strassentunnel. Auf dem weiteren Weg durften alle noch vom Bordmikrofon Gebrauch machen, um den für sich schönsten Moment mit den anderen zu teilen. Selbstverständlich galt und gilt der Dank auch der Organisation von Armin und den Diensten der beiden Fahrer. Müde und mit vielen tollen Eindrücken der vergangenen Woche verabschiedeten wir uns nach und nach voneinander, nicht ohne die feste Absicht, sich wieder zu treffen und das eine oder andere Erlebnis nochmal Revue passieren zu lassen.

Resümee: Die ausgewogene Mischung aus Sport und Genuss ist ideal. Das Ausüben und Ausprobieren von vielen verschiedenen Sportarten in dieser wunderschönen Gegend, verbunden mit den auserlesenen Speisen und Weinen, ist eine geniale Art, einige schöne Tage in toller Gemeinschaft zu verbringen. Wenn dann noch, wie bei uns, die Gruppenchemie stimmt und man viel Spass zusammen hat, besteht definitiv Wiederholungsgefahr. Und ... die Zeit bis zur nächsten Reise in die Lombardei kann man mit den ess- und trinkbaren Souvenirs auch gut überbrücken.
Die Teilnahme hat sich definitiv gelohnt.
Übrigens, die nächste Sport und Genuss Reise an den Iseosee findet statt vom 22.04. - 28.04.2018. Und diesmal ist das Motto: Sport - Yoga und Genuss
Alle Details auf der Website von Gourmet Wine Travel

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