10. September 2012

Woran erkennt man hochsensible Kinder?

Weil sich die einen Heranwachsenden mit Hochsensibilität bei Überforderung zurückziehen, während andere dem Zuviel an Reizen mit demonstrativer Verweigerung begegnen, fällt dem Umfeld das Erkennen oft schwer. In der Kombination gibt es aber durchaus ein paar brauchbare Merkmale.

Die unterschiedlichen Hauptreaktionen zwischen stiller Flucht und Rebellion allein helfen auch deshalb allein nicht weiter, weil sie auch für ganz andere Probleme stehen können: Depressionen in schwereren Fällen oder etwa auch ADS – wobei die bei Hochsensiblen in der Regel hohe Konzentrationsfähigkeit den Unterschied ausmacht.

Wenn Eltern einige der folgenden Anhaltspunkte wiederholt auffallen, besteht aber durchaus der Verdacht auf Hochsensibilität, respektive darauf, dass das Kind zu den hochsensiblen Persönlichkeiten, englisch Highly Sensitive Persons oder abgekürzt HSP gehören könnte.

Dann empfiehlt sich eine vertiefte Analyse mit einem Psychologen. Dieser vermag erst die Diagnose aufgrund seiner Eindrücke vom Kind, Ihren Berichten oder allfälligen Tests zu stellen und danach gewisse Verhaltensweisen zu empfehlen, die den Alltag des Kindes erleichtern. Und allenfalls sein grosses Potential zu nutzen helfen. Denn hochsensible Menschen haben gegenüber anderen auch etliche Vorteile.

Mögliche Merkmale in der Übersicht

Folgendes Verhalten kann gehäuft und in Kombination auf Hochsensiblität hindeuten. Einige Punkte wurden gekürzt und adaptiert aus einem englischen Fragebogen der renommierten Psychologin Elaine N. Aron, Vorreiterin bei der Erkennung von HSP.

Das Kind kommt nach einem turbulenten Tag schwer zur Ruhe und schläft lange nicht ein

Es mag lieber ruhige, tendenziell analytische Spiele als solche, die auf hohen Interaktionsfaktor oder schnelle Reaktion beruhen

Es hat eine Weile Mühe mit grösseren Änderungen im Alltag oder Leben (Umzug, neue Schule, Schulweg, vielleicht Lehrerin)

Es ist recht schmerzempfindlich, reagiert gar öfters scheinbar übermässig auf kratzende Kleider (oder allenfalls nasse Stellen etc.), Gegenstände oder etwa Geräusche

Es scheint etwa bei Aufgaben, Erledigung kleiner Hausarbeiten usw. perfektionistisch zu sein

Es kontrolliert respektive schätzt auf dem Spielplatz nochmals die Höhe eines Hindernisses oder die Sicherheit der Seile, bevor es losklettert

Es beweist überdurchschnittlich intuitive Fähigkeiten, zudem bemerkt es schnell Veränderungen in seinem Umfeld (harmlos: neues Kleid oder andere Frisur einer Bezugsperson), aber auch den Stress, die Euphorie oder die Niedergeschlagenheit der anderen. Manchmal scheint es fast Gedanken lesen zu können

Es stellt viele Fragen, nicht nur zu Praktischem und seinem direkten Umfeld, sondern auch tiefgreifende allgemeine Dinge, dazu benutzt es früh eher ‚erwachsenes‘ Vokabular (mit höherem Abstraktionsgrad etwa als für Kinder seines Alters üblich)

Ist eher eingeschüchtert und tritt ungern und oft unsicher vor Fremden oder entfernt Bekannten auf

Es beweist oft einen (feinen) Sinn für Humor

Der Fragekatalog auf der HSP-Site (in englischer Sprache)

Natürlich kann (und soll) die Verhaltensauffälligkeit von HSP nicht 'geheilt' oder versteckt werden, seriöse Fachleute konzentrieren sich darauf, Betroffenen Hilfestellung zu leisten, wie sie in Stresssituationen reagieren können und bei Reizüberflutung manchmal Wichtigeres von Unwichtigem trennen können.

Regionale Selbsthilfegruppen und Ansprechpersonen liefert die Schweizer Hochsensibilitäts-Website

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