29. Juni 2017

Wohin bewegt sich die Medienwelt?

Philomena Schwab (27), eine preisgekrönte Gamedesignerin und Nild Feigenwinter, der jüngste Zeitungsmacher der Schweiz, zeigen es.

Lesezeit 4 Minuten

Motto

Ich informiere mich nicht gezielt, sondern nutze Social Media so, dass die für mich relevanten Neuigkeiten zu mir kommen.

Meine Top 3 Apps

Facebook, Twitter und Reddit. Reddit ist ein Social-News-Aggregator, eine Website, auf der registrierte Benutzer Inhalte anbieten können. Ein Inhalt kann entweder aus einem Link oder einem Textbeitrag bestehen. Andere Benutzer können die Beiträge positiv oder negativ beurteilen. Ich habe die Feeds «Biologie» und «Indie Games» abonniert. Bei Facebook habe ich Gruppen erstellt, bei Twitter Listen, und so landen die spannenden News aus der Gamedesign-Welt bei mir. Entdeckt jemand, mit dem ich vernetzt bin, einen Artikel, der mich interessieren könnte, schickt er ihn mir über Whatsapp.

Business

Für jedes laufende Projekt bin ich in einer anderen Slack-Gruppe, aktuell sind es acht. Das Kommunikationstool ist eine Mischung aus Forum und Whatsapp. Mails sind aber ebenfalls wichtig.

Zeitungen und Magazine

Ich habe keine Zeitung und kein Magazin abonniert, auch nicht in digitaler Form. Manchmal blättere ich im Tram in einer Gratiszeitung – nehme das, was ich lese, aber nicht sehr ernst. Lieber lerne ich unterwegs Japanisch. Ganz grundsätzlich deprimieren mich die Medien. Lese ich doch mal eine Zeitung, denke ich: «Jetzt habe ich wieder einmal gehört, wie schlecht die Welt ist.»

Politik und Abstimmungen

Ich stimme immer ab, zähle auch im Nebenjob Stimmen in einem Wahlbüro in Zürich– Schwamendingen, wo ich wohne. Für die Meinungsbildung diskutiere ich am liebsten mit anderen oder schaue mir politische Diskussionssendungen am TV an. Fehlen mir Informationen zu einer Vorlage, lese ich im «Tages-Anzeiger» oder auf «NZZ online» nach. News-Apps habe ich bewusst keine, sie wären zu zeitraubend.

Die beste Werbung

Als Spielentwicklerin setze ich ganz auf die Szene. Auch wenn ein neues Game von allen grossen Zeitungen dieser Welt besprochen wird und alle wichtigen Preise gewonnen hat, muss es kein kommerzieller Erfolg werden. Spielt aber ein Youtuber das Game publikumswirksam, ist das verkaufsfördernd. Youtuber sind oft sehr gute Storyteller. Viele Leute schauen gern anderen beim Gamen zu, statt selbst zu gamen. Der bekannteste Youtuber PewDiePie hat 55 Millionen Abonnenten.

Da bin ich analog

Ich habe gefühlte 1000 Kalender-Apps getestet und bin zum Schluss gekommen, dass sie mir nichts bringen. Ein Word-Dokument mit den Pendenzen der Woche funktioniert am besten. Und eine Papieragenda.

Dafür bin ich zu alt

Snapchat. Ich sehe keinen Mehrwert darin, persönliche Bilder zu teilen, die nur kurz verfügbar sind.

Mein Traum

Ein gesetzlich verordneter computerfreier Tag pro Woche. Mein Businesspartner Micha Stettler und ich reagieren immer sofort auf Fehlermeldungen bei unserem Game «Niche – a genetics survival game ». Also müssen wir rund um die Uhr digital präsent sein.

Motto

Medien begleiten mich durch den Tag – ich bin gern informiert und ständig mit «Tize» beschäftigt.

Meine Top 3 Apps

Instagram, Netflix und Tize. Instagram finde ich perfekt zum Abschalten: Ich zeige gern, was ich gerade mache und kann über Insta auch mit Leuten in Kontakt bleiben, die ich nicht mehr sehe. Auf Netflix schaue ich Serien wie «Modern Familiy» oder «The Mentalist». Ich leite «Tize» und bin unter anderem auch für das Marketing zuständig. Ich kenne nicht mehr alle persönlich, die für uns schreiben. Aber ich lese alles und schreibe auch.

Business

Wir diskutieren über Themen in einem Redaktions-Chat auf Whatsapp. Per E-Mail kommuniziere ich nur mit Erwachsenen, Sponsoren oder Journalisten, die sich für unser Onlinemagazin interessieren. E-Mails schreiben ist ein bisschen wie faxen – wahnsinnig langsam.

Zeitungen und Magazine

Ich surfe auf SRF, «20 Minuten» oder «Watson» und lese gern Blogs auf Linkedin. Ich gehöre der «Generation gratis» an, kostet eine App einen Franken, überlege ich mir schon ganz genau, ob ich die wirklich will. Aber ich sehe ein, dass ein Umdenken stattfinden muss. Gute Inhalte haben ihren Preis. Deshalb unterstütze ich auch das Medienprojekt «Republik».

Politik und Abstimmungen

Ich darf noch nicht abstimmen, freue mich aber darauf, die Zukunft mit zu formen. Ich bilde mir bereits jetzt zu jeder Vorlage eine Meinung, indem ich viel darüber lese und mit meiner Familie diskutiere.

Die beste Werbung

Mund-zu-Mund-Propaganda! Sprechen Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenplatz von einem Artikel auf «Tize», lesen ihn auch die anderen. Snapchat und Instagram nutzen wir für die Leserbindung.

Da bin ich analog

Ich gehe sehr gern ins Kino und schaue mir Filme am liebsten vor dem Fernseher an. Wenn ich streame, verkable ich das iPhone mit dem TV. Auch Bücher lese ich gern auf Papier. Eine Agenda habe ich nicht. Ich bin sehr unorganisiert; versuche, mir einfach alles zu merken, aber es geht immer wieder etwas vergessen.

Dafür bin ich zu alt

Musical.ly ist an meiner Generation vorbeigegangen. Meine 13-jährige Schwester liebt die App, mit der man playback zu Popsongs performen und danach die Videos teilen kann.

Mein Traum

Ich möchte einmal im Unterhaltungs- und Medienbereich tätig sein. Nirgendwo sonst kann man Menschen so glücklich machen.

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