13. April 2018

Wofür bist du zu alt?

Wie verändert sich das Lebensgefühl im Lauf der Zeit? Was geht noch, wofür ist es zu spät? Zehn Menschen im runden Alter – von 10 bis 100 – geben Auskunft.

Zehn Jubilaren als Illustration
Wofür fühlen sich die Jubilaren zu jung, und wofür zu alt?
Lesezeit 4 Minuten

Alejandro, 10 Jahre, lllnau ZH

Alejandro

Zu alt:  «Ich will nicht mehr in die Kinderkrippe. Dort sind die Kinder eher kleiner, und es wird einem aus Büchern vorgelesen. Ich lese jetzt lieber selber.»

 Zu jung:  «Zum Autofahren bin ich leider noch zu jung. Das möchte ich schon ­können, dann wäre ich viel schneller in der Schule.»

Viviane Ammann, 20 Jahre, Bonstetten ZH

Viviane Ammann

Zu alt: «Ich bin zu alt für gewisse Probleme. Ich streite nicht mehr via WhatsApp, und mir ist auch egal, wenn andere über mich reden. Das ist Kinderkram, den ich nicht mehr brauche.»

Zu jung:  «Ich fühle mich zu jung, um von zu Hause auszuziehen. Mir fällt es generell schwer, feste Entscheidungen zu treffen, egal in welchem Bereich. Ich habe Angst, mich dadurch zu sehr einzuschränken. Von uns wird eine gewisse Zielstrebigkeit erwartet. Ich getraue mich, dagegen zu protestieren.»

Leandro Delmastro, 30 Jahre, Bern

Leandro Delmastro

Zu alt:  «Ich habe im Februar ein Praktikum begonnen. Oft habe ich das Gefühl, dass ich mit 30 eher zu alt dafür bin, die meisten Praktikanten sind jünger. Aber für mich stimmt das so.»

Zu jung:  «Ich bin zu jung, um viel Verantwortung zu tragen – bei der Arbeit und im Leben. Auch für eine Familie wäre es noch zu früh. Vielleicht später, mit 35.»

Sonja Lüscher Aregger, 40 Jahre, Buchrain LU

Sonja Lüscher Aregger

Zu alt: «Ich bin wohl zu alt für Ü-16-Partys. Aber ich probiere gern Neues aus und fühle mich den Jungen verbunden. Wenn sie mich siezen, finde ich das eher irritierend.»

Zu jung: «Für Flusskreuzfahrten bin ich zu jung – das tun in meiner Vorstellung nur ältere Menschen, die kein Gepäck schleppen wollen. Aber mit 70 könnte ich mir das vorstellen.»

Rita Freiermuth, 50 Jahre, Zeiningen AG

Rita Freiermuth

Zu alt: «Für Miniröcke fühle ich mich definitiv zu alt. Aber ich trage schon noch Röcke, die hören halt oberhalb der Knie auf. Damit fühle ich mich noch wohl.» Zu jung: «Ich bin definitiv zu jung zum Sterben. Ich will noch nicht abdanken, auf jeden Fall nicht freiwillig. Aber das geht wohl vielen in meinem Alter so.»

Luigi Gandola, 60 Jahre, Cevio TI

Luigi Gandola

Zu alt : «Ich fühle mich zu alt, um neun Stunden täglich zu arbeiten. Ich führe ein Baugeschäft und arbeite noch etwa sieben Stunden. Das reicht mir zum Leben. Es gibt Wichtigeres, als in diesem Alter noch dem Geld hinterherzurennen. Kürzlich hat mich das Reisefieber gepackt.
Ich habe Bhutan gesehen und auch Indien. Die Armut mit eigenen Augen zu sehen und nichts dagegen tun zu können, war schwierig. Es wäre schön, wenn wir hier in der Schweiz auch lernen würden, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben, und nicht immer noch mehr zu wollen.»

Zu jung : «Ich fühle mich jung genug, um mit meiner Tochter Livekonzerte zu besuchen. Und wenn ich das so sagen darf: Ich fühle mich auch jung genug, um Sex zu haben. Aber ich fühle ich mich zu jung, um schon Grossvater zu werden, an dieser Bezeichnung störe ich mich. Meine Kinder können noch etwas warten mit Kinderkriegen.»

Erika Tschanz, 70 Jahre, Orpund BE

Erika Tschanz

Zu alt : «Die Musik der jüngeren Generationen verstehe ich nicht ganz, sie gefällt mir nicht. Hingegen gehe ich gern ins Theater, das entspricht mir eher.»

Zu jung: «Fürs Altersheim bin ich zu jung. Aber ich bin oft dort, helfe ehrenamtlich im Service mit und sorge dafür, dass die Bewohner zufrieden sind. Wenn eine Gruppe Ausflüge macht, begleite ich sie.»

Werner Christen, 80 Jahre, Küssnacht SZ

Werner Christen

 Zu alt : «Bei mir geht noch alles. Darum fühle ich mich nicht zu alt. Ich bin im Winter aktiver Langläufer, und im Sommer halte ich Wanderwege in Schuss. Zudem bin ich aktiv in der Männerriege tätig, turne dort den Senioren vor oder helfe bei Anlässen mit. Ich dränge mich niemandem auf, aber bis jetzt ist meine Hilfe noch gefragt. Das freut mich.»

Zu jung:  «Zu jung fühle ich mich für nichts. Denn ich nehme das Leben so, wie es kommt. Ich schiebe auch nichts mehr hinaus. Wenn ich für etwas angefragt werde, bin ich dabei.»

Erna Dällenbach wird am 19. April 90, Rüschlikon ZH

Erna Dällenbach

Zu alt, zu jung : «Ich fühle mich weder zu alt noch zu jung und mache das, worauf ich Lust habe. Ich wohne allein und meistere den Haushalt. Zudem spiele ich mit grossem Spass regelmässig Golf – aber nur bei schönem Wetter – und Tennis. Das hält mich fit. Zu meinem 90. habe ich ein Fest mit etwa 70 Gästen und einer Jazzband geplant. Ich freue mich auf einen schönen Tag, feines Essen und den einen oder anderen Tanz.»

Margot Brandeis wird im Mai 100, Zürich

Margot Brandeis

 Zu alt: «Ich fühle mich zu alt für alles Elektronische: Internet, Facebook, Bank- und Ticketautomaten. Und für die heutige Mode ebenfalls.»

Zu jung: «Fürs Altersheim fühle ich mich noch zu jung. Ich bin selbständig genug, um den Haushalt schmeissen zu können.»

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