28. Februar 2018

Wochenendpapi wider Willen

Mütter habens schwer auf dem Arbeitsmarkt. Einerseits fressen die Kita-Kosten den ganzen Lohn weg, andererseits gibts zu wenig niederprozentige Jobs für ihre Ehemänner.

Wochenendpapi wider Willen
An Wochenenden ist der Twindad präsent, zum Beispiel beim Fussball. Von Montag bis Freitag dafür nicht.
Lesezeit 2 Minuten

Seit die Zwillinge auf der Welt sind, versuche ich mein Pensum auf 80 Prozent zu reduzieren. Geschafft habe ich es bis heute nicht. Immer wenn ich meine Chefs gefragt habe, hiess es: «Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür!» Einmal hatte ich grad eine neue Führungsaufgabe übernommen, ein anderes Mal ein Website-Projektli ... Obs für diesen Antrag überhaupt einen richtigen Zeitpunkt gibt, daran glaube ich mittlerweile nicht mehr. Ich fürchte vielmehr, dass ich nicht das richtige Geschlecht dafür habe.

Erschwerend kommt hinzu: Meiner Frau gehts genau gleich - nur umgekehrt. Sie ist Ernährungsberaterin BSc und würde gerne, wie vor der Zwillingsgeburt, stationär im Spital arbeiten. Doch diese Jobs gibts nicht unter einem 60-Prozent-Pensum, und wir möchten die Jungs nicht vier, sondern maximal zwei Tage fremdbetreuen lassen. Unser Wunschszenario: Sie 60, ich 80 Prozent, dazu zwei Tage Kita - das wärs!

Unter dem Strich bleibt: ein Verlustgeschäft

Weil das nicht geht, haben wir uns für einen schlechtschweizerischen Kompromiss entschieden. Ich arbeite weiterhin Vollzeit, meine Frau mit einem 40-Prozent-Pensum bei einem Medbase-Gesundheitszentrum. Abzüglich der Kita-Kosten von rund 1800 Franken bleiben von ihrem Gehalt unter dem Strich 400 Franken pro Monat: Geld, das wir vollumfänglich an eine Haushaltshilfe weiterreichen. Einerseits ist das Luxus, andererseits zwingend nötig, um auch nur ein Minimum an Paar- und Familienzeit geniessen zu können.

Unter dem Strich ist der Job meiner Frau - Fahrspesen und Verpflegung an Arbeitstagen eingerechnet - ein finanzielles Minusgeschäft, dank dem sie beruflich am Ball bleiben kann, das Abwechslung in ihren Alltag bringt und dank dem sie abends nicht nur von vollen Windeln erzählen kann.

Damit sich daran etwas ändert - davon bin ich mittlerweile überzeugt - brauchts in erster Linie die Politik und in zweiter Linie die Wirtschaft. Ausserdem ...

  • ... brauchts mehr subventionierte Kita-Plätze, damit arbeitende Mütter mehr von ihrem Lohn haben und selbstbestimmter leben können
  • ... müssen mehr Männer die Betreuung ihrer Kinder als gleich wichtig erachten wie ihren Job
  • ... brauchts mehr Teilzeitjobs für Männer und
  • ... brauchts mehr mutige Männer: Chefs sowie Angestellte.

Dann klappts auch mit der Gleichberechtigung.


Über den Autor

  • master

Benutzer-Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

Verwandte Artikel

Digital Detox?

Digital Detox

Kolumnist Bänz Friedli

Heiss, aber cool

Illustration: Sohnemann überschüttet Eltern mit Komplimenten

Komplimente

Illustration: Muttter und Kind mit Mönch

Achtsamkeit