Leser-Beitrag
18. April 2018

Wo nimmst du dich für andere zurück?

Oft verleugnen wir unser Potenzial, damit es anderen besser geht!

Mini Cooper
Der Mini Cooper als Metapher: Wen lässt du ans Steuerrad deines Lebens? (Bild: Pixabay.com
Lesezeit 4 Minuten

Ich möchte heute ein Thema anschneiden, welches mir sehr am Herzen liegt. Als Eltern-, Kinder- und Jugendcoach begleitet mich dieses Thema seit Wochen.

In welchen Beziehungen nehmen wir uns zurück? Das können Partnerschaften, Freundschaften oder Geschäftsbeziehungen sein. Warum schöpfen wir unser Potenzial nicht aus und zeigen stolz was wir können?

Ich kann nur von mir aus sprechen. Mir wurde immer wieder gesagt, Daniela, du bist zu schnell und du hast soviel Fachwissen, wir kommen da nicht mehr mit. Um dazu zugehören in diesen langjährigen Freundschaften, um niemanden vor dem Kopf zu stossen, habe ich mich zurückgenommen, habe in Kauf genommen, dass ich mich nicht gut fühle. Was habe ich mir und anderen abgekauft, dass ich mich so zurücknehmen muss?

Ich habe vor Jahren die Entscheidung getroffen und mir die Erlaubnis gegeben, dass ich schnell sein darf und viel wissen darf. Nun lebe ich glücklich, für manche auf der Überholspur, und ich fühle mich einfach sauwohl dabei. Wie cool ist das denn, meine Projekte mit Freude und Begeisterung zu entwickeln und die Menschen dafür zu gewinnen, welche glücklich und bereichert davon zehren?!

Werkzeuge zu einem klaren Bewusst-Sein

Frage: leicht oder schwer? Wahrheit oder Lüge? Das Gefühl der Leichtigkeit entspricht unserer inneren Wahrheit und das Gefühl der Schwere entspricht einer Lüge, wir machen uns was vor, was wir gar nicht wollen oder sind. Frage dich doch einfach mal in Situationen, wo du unsicher bist oder nicht weisst, wie es weitergehen soll: «Fühlt sich das leicht oder schwer an?»

Ich mache mal ein Beispiel: Du hast mit einer Freundin oder einem Freund abgemacht und hast keine Lust die Person zu treffen, weil es immer anstrengend ist und keinen Spass macht. Du fühlst dich aber verpflichtet und denkst: «Ich kann die Person nicht enttäuschen, absagen ist unfair, ich halte durch es geht ja auch vorbei.» Wie oft reden wir uns Dinge schön, unterwerfen uns Situationen, obwohl sie uns weder Spass noch Freude bereiten, aus irgendwelchen Motiven heraus.

Wenn sich der Gedanke schwer anfühlt, die Person zu treffen, steckt eine Lüge dahinter, du belügst dich und die Person, indem du euch beiden was vormachst. Vielleicht ist es leichter und ehrlicher für dich selber, wenn du an dieser Stelle absagst und eventuell mitteilst, dass du dankbar bist für die gemeinsame Zeit, jetzt aber merkst, dass du dich und deine Interessen sich weiterentwickelt haben. Was meinst du dazu? Wie gesagt, wir dürfen alle Themen behalten, Veränderung bedeutet Entscheidungen zu treffen.

Hinter dem Wort Entscheidung versteckt sich auch Scheidung. Ich scheide mich von Ansichten, Menschen und lasse Dinge los, um mich weiter zu entwickeln.

Metapher: Mini Cooper

In welchen Beziehungen verliere ich mich? (Dain Heer)

Stell dir vor du triffst deinen absoluten Traummann und hast ihn innert 10 Sekunden durch deinen Scanner prüfen lassen. Du triffst für dich die Entscheidung, mit diesem Menschen möchte ich zusammen sein. Natürlich sitzt er selbstverständlich am Steuer, weil es sein Leben ist und du steigst auf den Beifahrersitz, wo du hingehörst, in seinen Mini Cooper ein.

Das Auto ist wirklich sehr klein und als du da so sitzt, merkst du, wie wenig Beinfreiheit du hast. Kurzerhand verkürzt du dir die Beine, damit dir in diesem engen Gefährt wohl ist und du auch reinpasst. Als du die Türe schliessen möchtest, merkst du, dass die Arme im Weg ist, weil der Mini Cooper einfach zu eng und klein ist. Aus Liebe entscheidest du dich, deine Arme abzuschneiden und wirfst sie aus dem Fenster raus und merkst, so jetzt passt es soweit gut.

Nun fährst du mit deinem Traummann im Auto und machst die Fahrt deines Lebens, einfach ohne Arme und Beine. Ihm geht’s gut, er sitzt am Steuer und macht sein Ding. Irgendwann wirst du entweder gegen einen anderen Menschen der Arme und Beine hat eingetauscht oder du spürst nach einer Weile, wie du unglücklich bist und dich in dieser Beziehung sehr angepasst hast.

Du triffst eine Ent-Scheidung zu deinem Wohle!

Frage dich beim nächsten Mal: Kann dieser Mensch etwas zu meinem Leben beitragen? Fühlst du dich dabei leicht, steig ein! Fühlt es sich schwer an, steig nicht ein!

Wie oft werden unsere Kinder von der Gesellschaft zurecht gestutzt? Wie oft wird ihnen gesagt, so wie du bist, bist du nicht richtig? Was für ein Beitrag können wir in der Gesellschaft sein, wenn wir BEWUSST machen, dass es neue Wege und Möglichkeiten geben soll? Hören wir auf, das was wir sehen zu beurteilen, sondern lasst uns die Kinder fragen, was hinter dem Verhalten steckt, vielleicht Frust, Angst etc.

Ich danke allen Lesern für ihre Aufmerksamkeit und die Zeit, meine Zeilen zu lesen, ich schätze das sehr und ich freue mich darüber.

In diesem Sinne, Daniela Schlegel

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