03. August 2015

Wo Italien am schönsten ist

Italien ist nach Frankreich und Deutschland das häufigste Schweizer Ferienziel. Hier die Sehenswürdigkeiten der zehn beliebtesten Provinzen.

Wäscheleinen in Venedigs Via Giuseppe Garibaldi
Ein wenig Alltag am schweizweit beliebtesten Reiseziel Italiens: Wäscheleinen in Venedigs Via Giuseppe Garibaldi.

Das Migros-Magazin präsentiert je drei Destinationen zu den zehn beliebtesten italienischen Provinzen von Schweizer Reisenden. Wenn möglich eine historisch bedeutsame Stadt oder Stätte, ein Landschafts-Highlight und etwas Besonderes wie Architektur, eine spezielle Bahnstrecke oder ideale Orte zum Ausspannen.

Die Sehenswürdigkeiten aus zehn Provinzen

1. VENETIEN (1,69 Mio. Übernachtungen von Schweizern)

Venedig: Sicher keine touristische Neuentdeckung, aber immer noch lohnend, vor allem wenn man eine nicht alltägliche Unterkunft findet und neben Zentrum und Biennale-Parks auch die Ränder der Lagunenstadt erkundet: Die malerische Friedhofsinsel S. Michele, das Cannaregio-Viertel oder im Süden Giudecca oder S. Giorgio Maggiore.

Das Po-Delta: Den Ausfluss von Norditaliens prägendem Fluss kennen nur wenige, selbst wenn er es an landschaftlichen Reizen, Tier- und Pflanzenarten durchaus mit dem Donaudelta oder dem argentinischen Platadelta aufnimmt und zum Unesco-Welterbe gehört. Empfehlenswert das neue Viersternhaus Hotel Capo Nord am Meer oder am Haupt-Flussarm das Hotel Villa Carrer. Es gibt auch Zipfelchen im kleineren Deltazipfel der Emilia-Romagna.

Abano Terme: Ein Geheimtipp für Kurzferien südwestlich von Padua, mit mehreren schön gelegenen und stilvollen Thermehotels: Abano Grand Hotel, Universal Terme, Abano Ritz oder Hotel Savoia Abano Terme. Neben Erholung locken in rund 10 km Distanz die bewaldeten Hügel des Colli-Euganei-Regionalparks und die unterschätzte Innenstadt Paduas.


2. SÜDTIROL (1,51 Mio. Übernachtungen)

Bozen: Für die Weinfans fast lohnender als Meran, weil sich hier noch mehr Rebensaftproduzenten finden lassen und die berühmte Weinstrasse (auch per Bus) in einigen Minuten erreichbar ist. Mehr Urbanität und Italianità verströmt es auch. Lust auf Höhenwanderung oder eine historische Eisenbahn? Mit der Gondel nach Oberbozen und Richtung Collalbo (Klobenstein) wandern – oder mit der Bahn tuckern.

Stilfserjoch: Nicht nur ein mythischer Berg für Radler, auch für Töff- und Autofahrer mit drei ganz unterschiedlichen Landschaften vom Talanfang (Prato auf 900 M.ü.M.) über Alpregionen bis zu den kargen letzten Kehren auf 2760 M.ü.M. Aussicht auf Ortler und Zebru gibts gratis dazu, alles wenige Kilometer von der Schweizer Grenze (Val Müstair GR) entfernt.

Meran und Umgebung: Der idyllische, aber auch am stärksten touristisch geprägte Ort des Südtirols. Herausragend wegen des besonders warmen, im Talkessel fast subtropischen Klimas, der Sissi-Vergangenheit mit Spazierwegen und Bauten sowie riesigen Thermenanlagen. Oft vergessenes Must: Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff an den Osthängen der Stadt.

3. TOSKANA (1,33 Mio. Übernachtungen)

Lucca: Am meisten Kultur bietet sicher die mit Abstand grösste Stadt Florenz (von Uffizien bis Dom), plant man für Städte-Sightseeing aber nicht gleich drei Tage ein, wählt man besser Lucca im Westen. Bahnhof oder Parkmöglichkeit gleich am Südrand der bestens erhaltenen Festungsmauer. Und diese empfiehlt sich auch als erstes Ziel für einen ausgedehnten Rundgang, bevor man das Anfiteatro, den Napoleon-Platz, Dom oder die S. Michele-Kirche erkundet. Egal was: Lucca ist selten belebt, romantisch und trotz jahrhundertelanger grosser strategischer Bedeutung locker und mit viel Grün angeordnet.

Das Val d’Orcia: Es soll Leute geben, die bei Toskana nicht an Wein oder historische Städte denken. Für sie ein Tipp von hübschen Orten in bester Weingegend – Montepulciano! – jedoch bestens geeignet für Wanderungen, Veloausflüge oder Spaziergänge. Vor allem bis Pienza besticht das Tal mit vielen Zypressen, vielseitiger Bepflanzung, grossen Höfen auf sanften Hügeln und eingestreutem Wald.

Das Castello del Nero in der Chianti-Region
Das Castello del Nero in der Chianti-Region.

Weinführung, -unterkunft und -probe: Zuletzt doch noch ein Weintipp: Etliche grössere Weingüter bieten ein paar hübsche bis luxuriöse Zimmer, Führungen durchs zugehörige Weingut mit der einen oder anderen Probe. Landschaftlich besonders lohnend sind ein paar solche (Wein-)Agriturismo-Anbieter im und ums malerische Städtchen San Gimignano, z.B. Poggio.

4. EMILIA-ROMAGNA (0,85 Mio. Übernachtungen)

Ferrera: Unter vielen bekannten Städten (Hauptort Bologna, Parma mit Esstraditionen und Giuseppe-Verdi-Heimat, Modena) unser Favorit für Touristen mit Hauptinteresse an historischer Baukunst. Eine einmalig erhaltene Altstadt aus dem Mittelalter mit vielen kleinen und grösseren Trouvaillen.

Riminis Küste: Bei Schweizern seit längerer Zeit nicht mehr in, die Italiener hingegen schätzen die klassische Ferienregion unverändert. Wir empfehlen als Reisezeit Frühsommer vor den Schulferien oder Frühherbst, vielleicht auch einen familiäreren Vorort als Residenz: Gatteo al Mare, Viserbella oder Miramare.

Ravenna: Sucht man nicht Bolognas Grossstadtfeeling, Jugendlich- und Betriebsamkeit, empfiehlt sich eine malerische Kleinstadt unweit des Meeres – die laut Tripadvisor mit einmaligen Mosaiken die beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Provinz beherbergt: Noch vor dem Dom in Modena, dem Teatro Farnese (Parma) oder der Basilica Santuario di Santo Stefano (Bologna) rangiert nämlich das Mausoleo di Galla Placidia und die Basilica San Vitale. Die teilweise autofreie Innenstadt gilt schlicht als eine der Italiens beliebtesten Flanier- und Kaffeemeilen.


5. LOMBARDEI (0,81 Mio. Übernachtungen)

Bergamo: Die Metropole Mailand ist spannend, aber anstrengend, und die Highlights sind weit verstreut. Ganz anders die auf einem markanten Hügel prunkende Altstadt von Bergamo mit viel erhaltenem Schutz-Mauerwerk, einer atemberaubenden Kathedrale, unterschiedlich engen, ausladenden Gässchen und Spezialitäten- und Kunsthandwerkläden. Ein selten stimmiges Ganzes und nach kurzer Fahrt mit der Zahnradbahn alles in Spazierdistanz.

Valcamonica: Am bekanntesten ist der fast an die Schweiz grenzende Comer See (Wandern ab Como am Ost- und Radfahren am Westufer) oder der Gardasee; wir empfehlen den noch etwas weniger bekannten Iseo mit seiner als Ausflugsziel unübertroffenen steil emporragenden Insel (Monte Isola). Am schnellsten über Mailand-Brescia erreichbar, am schönsten von Tirano (Ende Berninastrecke) mit dem Bus nach Edolo und der Bahn durchs Valcamonica Richtung Brescia. Dabei idealerweise einmal in Boario Terme oder Capo die Ponte haltmachen (Parco nazionale delle incisioni rupestri di Naquane) und die europäisch einmaligen Felsenmalereien bestaunen.

Brescias Römische Überreste: Bei uns wenig bekannte Highlights bietet die Stadt Brescia am Anfang oder Ende der Reise zum Lago d’Iseo oder dem Valcamonica. Hier bestaunt man ruhig ein schönes Kapitol und ein römisches Theater – mit einem Bruchteil der Touristen Roms. Museen, etliche Kirchen, die Burganlage mit Aussicht und viele authentische Zeugen aus dem 19. Jahrhundert und Jugendstil runden das Angebot ab.


6. LIGURIEN (0,55 Mio. Übernachtungen)

Cinque Terre: Auch kein Geheimtipp, klar. Deshalb suchen Sie die fünf idyllischen Küstendörfer mit den steilen Hängen südlich von Genua idealerweise im Spätherbst oder Frühling auf. Noch ein Tipp: Beschränken Sie sich nicht auf die Küstenwege am Meer unten, die historisch und wirtschaftlich entscheidenden Pfade liegen 200 bis 300 Höhenmeter höher am Hang, sind weniger luxuriös und verlangen gutes Schuhwerk.

Genua: Eine der weltweit geschichtlich wichtigsten Hafenstädte besticht mehr noch als durch futuristische Bauten am Meer durch eine riesige, scheinbar chaotisch angelegte Altstadt, in der man sich genüsslich verlaufen kann. Grosse Palazzi mit Innenhöfen und Gärten (im einen oder anderen ein Museum) wechseln mit engsten Gässchen – abends ein Muss für Essen und Ausgang bei schönem Wetter: Piazza delle Erbe bis Piazza S. Bernardo und Piazza Dante.

San-Fruttuoso-Kloster: Zwischen Camogli und Rapallo, knapp 20 km östlich von Genua, trifft man an der ligurischen Küste auf eine bewaldete Halbinsel, an deren Südzipfel der mondäne Ferienort Portofino liegt. Historisch weit interessanter und landschaftlich schöner ist jedoch die halbtägige Wanderung von der Chiesa di San Rocco südlich von Camogli über den höchsten Punkt hinab an die Bucht mit dem alten Kloster San Fruttuoso. Nach Pause und Stärkung nimmt man danach ein Boot nach Santa Margherita Ligure oder Rapallo.


7. SARDINIEN (0,53 Mio. Übernachtungen)

Valle della Luna Sardegna: In der Liste der Provinzen nach Anzahl Schweizer Übernachtungen stellt die Insel die positive Überraschung – sicher dank landschaftlicher Vielseitigkeit und ein paar Hits wie dem Valle della Luna bei S. Teresa di Gallura. Bizarre und doch irgendwie liebliche Felsformationen an der wohl schönsten Bucht, etliche einfach besteigbar, andere Schatten spendend. Alternativen wären etliche zerklüftete Kiesbuchten im Südwesten um Nebida (bei Iglesias), oft über Zufahrtssträsschen zu stillgelegten Minen zugänglich.

Cagliari: Eine anständig grosse Stadt bietet auch Sardinien, zum Glück mit überschaubarem Kern. Apropos: Am besten startet man den Besuch auf der alten Festung Saint Remy mit idealer Übersicht. Alternativen: San Pancrazio – oder doch der touristischere Urpinu-Hügel. Den Markt sollte man besuchen, dazu die Kirchen von Bonaria, S. Michele sowie S. Maria del Fiore.

Orosei-Nationalpark: Wer unberührte Natur sucht und auch mal wandert, statt nur am Strand zu liegen, sucht sich ein hübsches Hotel in oder etwas südlich von S. Maria Navarrese an der Ostküste und fährt in bloss rund 20 km in den grossen Nationalpark. In den hügeligen Wäldern ist gerade im Sommer der Schatten willkommener Begleiter.


8. PIEMONT (0,44 Mio. Übernachtungen)

Ortasee: Ein Geheimtipp ganz in der Nähe der Schweizer Grenze, den wenige kennen. Gut 30 km westlich vom Lago Maggiore befindet sich der kleinere Lago d’Orta, mit hübschen Anliegergemeinden, etwas Tourismus und anderem Alltag sowie idyllischen Badegelegenheiten. Dank hübschem Städtchen und mehreren Unterkunftsmöglichkeiten logiert man in Orta San Giulio. Gut zu verbinden mit der Anfahrt übers Centovalli oder den Simplon und den Besuch von Verbania mit der Villa Taranto.

Tendabahn: Wer Bahnfan ist oder sich für die Geschichte der zwei Weltkriege interessiert, sollte für seinen Italientrip einen Tag einplanen für die langsam durch zerklüftete Hochtäler führende Tendabahn, mit mehrfach beschossenen oder zerstörten Brücken und Tunnels, alten befestigten Städtchen und Dörfern (!) und verschiedenste Vegetation bis gegen 2000 M.ü.M. Die Regionalbahn führt von Turin (mit Palazzi und Esstradition immer einen Besuch wert ...) nach Cuneo. Von dort startet die Bahn zur Hälfte auf Piemontboden auch über französisches Gebiet entweder nach Ventimiglia (IT) oder Nizza.

Piemonteser Gotik: Entscheidet man sich für den Turinbesuch, sollte man einen kleinen Abstecher zum Beginn des Susatals (Richtung Bardonecchia und Frankreich) machen. Die Abbazia Sant’Antonio di Ranverso strahlt im beeindruckenden Backstein des norditalienischen Gotikstils und Fresken aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, und danach besucht man gleich noch die Sacra di San Michele-Ruine im gleichnamigen Schutzgebiet.


9. LAZIO (0,31 Mio. Übernachtungen)

Am Rande Roms: Irgendwann bereist jede(r) Italieninteressierte die Hauptstadt Rom. Sieben Hügel mit verschiedensten Quartieren, das Forum, Kolosseum oder Kapitol, der Vatikan, unzählige Kirchen, mehrere Katakomben-Zugänge, das heimelige Trastevere ...
Wir empfehlen zwei absolute Highlights leicht ausserhalb des Zentrums, die ebenso sehr Geschichte und Alltagsleben der Antike atmen und obendrein weniger Schaulustige anziehen: Die eindrückliche Hadriansvilla im Osten, 1 km von der SS5-Route oder 2,5 km von der Bahnstation in Tivoli. Und: Unbedingt ein Stück der Via Appia Antica, angelegt erstmals gut 300 v. Chr. von Appius Claudius, begehen. Start bei der Porta San Sebastiano (gleichnamiger Bushalt oder von der Via Cilicia aus) im Süden. Sie verband Rom früher mit Athen.

Bracciano-Nationalpark: Idyllisch, erholsam, nicht viel weiter weg von Hektik und Verkehrschaos der Hauptstadt als 35 km Luftlinie. Ein selten gleichmässig runder See mit viel Wald im gleichnamigen Nationalpark, der auf verschiedenen Pfaden ohne allzu grosse Anstrengung erkundet werden kann. Als Basis für Unterkunft und Entdeckungstouren dient entweder Anguillara Sabazia oder Bracciano (auch mit dem Zug gut erreichbar).

Viterbo: Ein typisches Städtchen im Latium mit viel Charme und ein paar locker hingestreuten Sehenswürdigkeiten gefällig, als Mittelding zwischen Wanderparadies und Metropole? Viterbo bietet alles Nötige, zwei wunderschöne Kirchen, einen botanischen Garten (Angelo Rambelli) mit benachbartem Bullicarne-Parksee, einen schönen Friedhof und grosszügige Freibäder.


10. SIZILIEN (0,29 Mio. Übernachtungen)

Der Ätna: Nicht wirklich ein Insidertipp, aber als einer der eindrücklichsten Vulkane und mit seinen landschaftlichen Vorzügen ein Fixpunkt der Sizilienreise. Wählt man eine Unterkunft in Catania, einer der drei grossen Städte mit entsprechend viel Angeboten an Sightseeing, Unterkünften und Restaurants, erreicht man nördlich über Nicolosi auf der SP92 am einfachsten den Nationalpark (Parco dell’Etna).

Siracusa: Natürlich ist Palermo die sizilianische Metropole mit der breitesten Palette an Sehenswürdigkeiten und Unterhaltung. Wir empfehlen aber hier das kleinere Siracusa im Südosten (auch bequem mit Ätna und Catania zu verbinden). Einmalig und gründlich zu inspizieren der Parco Archeologico della Neapolis mit seinen Ruinen und weitschweifigen Wegen. Nach kurzem Kennenlernen der Innenstadt lockt im Süden zur Abwechslung das grosszügig angelegte Meeresschutzgebiet Plemmirio mit einzigartiger Pflanzen- und Tierwelt.

Scala dei Turchi: Einen eindrücklichen Fotospot in Nachbarschaft zu hübschen Badestränden bietet die sizilianische Südküste mit der Scala dei Turchi, besonderen Felsfarben und –formen etwas südwestlich der Stadt Agrigento mit dem Hafen Porto Empedocle.

DIE ITALIENKARTE DER BELIEBTESTEN SCHWEIZER REISEZIELE

Die zehn beliebtesten italienischen Provinzen nach Anzahl Übernachtungen von Schweizer Gästen
Die zehn beliebtesten italienischen Provinzen nach Anzahl Übernachtungen von Schweizer Gästen. Nummer 1: Venetien, Nummer 2: Südtirol, Nummer 3: Toskana. / Quelle: ENIT, Illustration: Vektorstock

Die zehn beliebtesten italienischen Provinzen nach Anzahl Übernachtungen von Schweizer Gästen.
Nummer 1: Venetien
Nummer 2: Südtirol
Nummer 3: Toskana.
Quelle: ENIT, Illustration: Vektorstock

Bilder: Reto Wild

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