17. April 2019

Wo die Welt einkauft

Die Migros am Flughafen Zürich ist international und zugleich sehr schweizerisch: Touristen erleben hier, was unser Land besonders macht.

Kunden in der Migros am Flughafen Zürich
Lieben Truffes von Chocolat Frey: die Flugbegleiterinnen Oom Parichart Parisutthagul (links) und Anne Thanpicha-Punyangam im Gespräch mit Verkäuferin Elisabeth De Nicola

Manche Kunden schieben gleichzeitig einen klobigen Rollkoffer und einen Einkaufwagen mit aufgetürmten Waren. Doch ein Gedränge gibt es in diesem Supermarkt nie. Denn die Gänge zwischen den Verkaufsregalen sind extrabreit. Alles in der Airport-Filiale ist auf die Bedürfnisse von Reisenden ausgerichtet. Den Eingang schmückt eine grosse Weltkarte, die in allen Farben des Regenbogens schillert.

Gleichzeitig ist dieser Laden urschweizerisch. Es gibt zum Beispiel eine bediente Theke mit vielen Käsespezialitäten und eine edle Chocolat-Frey-Boutique. Zwei Thailänderinnen kosten hier gerade dunkle Truffes. Anne Thanpicha Punyangam (31) und Oom Parichart Parisutthagul (36) sehen frisch und erholt aus. Dabei liegt ein immerhin sechsstündiger Flug hinter ihnen, während dem sie sich um das Wohl von Passagieren gekümmert haben. Die beiden Frauen arbeiten als Flugbegleiterinnen für Qatar Airways und sind häufig zwischen Zürich und Doha unterwegs.

«Wir kennen diese Migros sehr gut und kaufen hier oft ein», sagt Oom Parichart Parisutthagul. «Es ist toll, dass es an diesem Flughafen einen Supermarkt und nicht nur Luxusläden gibt. In manchen Airports kann man zwar teuren Schmuck kaufen, findet aber nirgendwo richtig gute Lebensmittel.» Die Thailänderinnen decken sich in der Migros regelmässig mit frischem Obst und Schokolade ein. Parisutthagul kauft auch immer ihren Lieblingskäse Brie.

Die Migros am Flughafen Zürich hat an 365 Tagen im Jahr von 6.15 bis 23 Uhr geöffnet. «Langweilig oder gar einsam wird es auch in der Spätschicht nicht», versichert Stefko Kristic. Der 52-Jährige ist einer der stellvertretenden Filialleiter. Die Arbeit in seinem Laden verlangt viel Flexibilität, denn die Kundenzahlen schwanken stark. An gewöhnlichen Tagen wird der Supermarkt im Schnitt von etwa 6000 Leuten besucht. An Wochenenden und Feiertagen können es doppelt so viele sein.

Kristic mag seine Arbeit sehr: «Es ist spannend, mit Menschen aus vielen verschiedenen Nationen Kontakt zu haben.» Nur das Fliegen selber schätzt er nicht besonders. «Ich bin lieber am Boden unterwegs», gesteht der Migros-Mann mit einem Lächeln. «Meine letzte Flugreise liegt 20 Jahre zurück.»

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