05. April 2018

Wildes Liebesspiel bei den Papageien

Keas spüren den Winter: Die schneegewohnten Bergpapageien paaren sich in der kalten Jahreszeit. So leidenschaftlich, dass sich ein Weibchen dabei eine Kralle ausreisst.

Sich paarende Kea-Papageien
Wenn Kea-Papageien sich paaren, geht es wild zu (Bild: Walter Zoo).

Der Kea gehört zu den wenigen Papageienarten, die ausserhalb der Tropen leben, nämlich in den Bergen der Südinsel von Neuseeland. Dort kann der Kea, der sich von Früchten, Samen, Wurzeln, Pflanzen und gelegentlich von Aas ernährt, auch bei Schnee überwintern. Und nicht nur das: Der Winter ist auch die Balzzeit der Keas. Keas sind neugierig und verspielt, entsprechend wild geht es bei der Paarung zu. So auch beim Kea-Pärchen in unserem Zoo.

Die Liebesgeschichte geht weiter

Dass sich das Weibchen mit einem unserer beiden Männchen paart, haben wir diesen Winter schon einige Male beobachtet. Eines der Stelldicheins scheint ziemlich turbulent gewesen zu sein. Ein erster Hinweis darauf sind Blutspuren im Schnee. Dann hat der Tierpfleger festgestellt, dass das Kea-Weibchen an einer Zehe stark blutet. Nun fixieren wir den Vogel, und ich untersuche ihn. Es wird klar, dass sich das Weibchen eine Kralle ausgerissen hat. Etwas, das bei Papageien auch ausserhalb der Balzzeit ab und zu passiert: Sie bleiben mit den Krallen irgendwo hängen, ziehen mit einem Ruck den Fuss zurück – und reissen sich dabei die Kralle aus. Ich desinfiziere die Wunde und entlasse das Kea-Weibchen aus der Behandlung. Die Liebesgeschichte kann weitergehen. Und das tut sie offensichtlich auch.

Kea-Weibchen-Untersuchung im Walter Zoo
Das verletzte Kea-Weibchen muss untersucht werden (Bild: Walter Zoo).

Denn als Nächstes entdecken wir, dass das Papageiweibchen sich an den Nestbau macht: in einer Höhle in der Rückwand der Kea-Anlage. Das ist an sich ja sehr schön, in diesem Fall aber leider auch etwas heikel. Denn beim Nestbau ist der Kea oft unterwegs, transportiert Moos und anderes Material und geht oft in die Höhle und wieder hinaus. Und das alles nun mit einem verletzten Fuss! Doch es scheint trotzdem zu gehen: Das Weibchen sitzt irgendwann ruhig auf dem gemachten Nest. Da wollen wir es nicht stören, sondern einfach hoffen, dass die Wunde rasch verheilt - und dass bald junge Bergpapageien schlüpfen.

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