01. November 2017

Wien mit Kind im Selbstversuch

Schönbrunn und Stephansdom, Hundertwasserhaus und Spanische Hofreitschule, Klimt und Sacher: So sieht in etwa das klassische Programm eines Wien-Reisenden aus. Was aber, wenn der Wien-Reisende 10 Jahre jung ist? Unsere Redaktorin hat gemeinsam mit ihrem Sohn das Wien für Kinder entdeckt.

Handstand im Wiener Burggarten
Handstände lassen sich – fast – überall in Wien üben. Zum Beispiel vor dem Palmenhaus im Burggarten
Lesezeit 9 Minuten

Per Nightjet nach Wien

Zähneputzen in Nightjet nach Wien
Zähne-putzend in Wien einrollen - ein ganz besonderes Gaudi, gerade für Kinder.

Das sagt der Sohn: «Wir hatten einen Schlafwagen mit richtigen Betten. Irgendwann habe ich dann rausgefunden, dass unser Tischli auch ein Lavabo ist, man musste es nur hochklappen. Als der Zug in Zürich abgefahren ist, hat es mega geschüttelt. Aber nachher bin ich dann grad eingeschlafen.»

Das sagt die Mutter: «Abends (Abfahrt 21.40 ab Zürich/HB) in den Nightjet einsteigen, morgens um 7.55 in Wien Mitte ankommen – entspannter gehts nicht. Das Gepäck im Hotel oder Schliessfach deponiert und schon gehts los.»

Tiergarten Schönbrunn

Metall-Panda im Tiergarten Schönbrunn
Wo ist der echte Grosse Panda respektive sein Füdli?

Das sagt der Sohn: «Von den berühmten Grossen Pandas haben wir nur das Füdli gesehen: Sie sind den ganzen Tag lang oben auf einem Baum rumgehängt. Den Polardom fand ich mega, dort konnte man auf einem Bildschirm verschiedene Sachen machen zum Thema, wie man Eisbären schützt. Die beiden lebendigen Eisbären sind wirklich riesig. Lustig waren auch die Mähnenrobben: Der Chef heisst Commandante und wiegt 296 Kilo. Wenn der bei der Fütterung ins Wasser gumpt, sind alle Zuschauer nass.»

Das sagt die Mutter: «Der Besuch des Tiergartens Schönbrunn lässt sich gut mit dem Kindermuseum im Schloss Schönbrunn und dem Irrgarten (s.u.) kombinieren - vorausgesetzt, man steht trotz Ferien zeitig auf.»

Kindermuseum «Schloss Schönbrunn erleben»

Zwei Kaiserkinder im Kindermuseum «Schloss Schönbrunn erleben» in Wien
Zwei Kaiserkinder geben Gas. Respektive ihren Pferden die Sporen.

Das sagt der Sohn: «Erst fand ich es ja etwas blöd, mich im Kindermuseum wie ein Prinz zu verkleiden, aber dann war es doch lustig. Vor allem, als Mama ihr Kleid verkehrt herum angezogen hat. Unter meiner Perücke habe ich mega geschwitzt. Ich wäre damals lieber ein Bauernkind gewesen, die mussten zwar viel schaffen, hatten es aber lustiger als die Kaiserkinder. Dafür hatten diese tolles Spielzeug, echte Säbel zum Beispiel.»

Das sagt die Mutter: «Ich glaube, ohne Hofdame wäre ich damals völlig aufgeschmissen gewesen. Ohne Perücke und Schnürkleid ist es mir definitiv wohler!»

Irrgarten/Spielplatz Labyrinthikon, Park Schönbrunn

Blick auf das Labyrinth im Park Schönnbrunn
Ist man erst einmal auf der Aufsichtsplattform, ist alles einfach.

Das sagt der Sohn: «Bubieinfach, habe ich am Eingang zum Irrgarten noch gedacht, es war dann aber gar nicht so leicht, die Aussichtsplattform durch all die Hecken zu finden. Lustig habe ich auch die Zerrspiegel gefunden. Je mehr wir Grimassen geschnitten haben, desto lustiger sah es aus. Und der grosse Metallvogel, auf den man klettern konnte, war auch cool.»

Das sagt die Mutter: «Ein guter Ort, um sich für ein halbes Stündchen vom Sightseeing zu erholen. Kinder sind in dem geschlossenen Areal sicher unterwegs, und im kleinen Kiosk gibts auch Kafi. Saubere WC-Anlage.»

Stephansdom

Blick auf den Stephansdom – und das Touristen-Gewusel davor

Das sagt der Sohn: «Irgendwann hab ich rausgefunden, dass der Steffl, von dem hier immer alle reden, nur eine Kirche ist. Okay, eine grosse Kirche, aber trotzdem langweilig. Aber von der Onyx Bar sieht er aber gar nicht so schlecht aus. Die Onyx Bar ist glaubs ziemlich teuer, die Frauen da tragen alle ganz viel Schmuck. Man kann aber von dort aus gut auf all die Touristen gucken, die alle auf den Dom gucken.»

Das sagt die Mutter: «Der Stephansdom gilt als das bedeutendste gotische Bauwerk Österreichs. Dass das einen Zehnjährigen nicht wirklich beeindruckt, kann ich nachvollziehen. Die Onyx Bar teuer? Nicht im Vergleich zu Schweizer Preisen. Nach dem Eindunkeln ist der Blick auf den Steffl übrigens besonders schön.»

Haus des Meeres

Selfie mit Fisch für die Daheimgebliebenen

Das sagt der Sohn: «Das Haus des Meeres ist so was wie ein Aquarium, es hat aber auch Affen und Vögel und Schlangen. Es ist in einem Flakturm, das sind so Türme, auf denen im 2. Weltkrieg Kanonen standen, um verfeindete Flugzeuge abzuschiessen. Dort gibt es Kois, die darf man streicheln, die haben das mega gern. Die Äffli, die frei rumgumpen, darf man eigentlich nicht streicheln, die sind aber so neugierig, dass sie von selbst kommen. Draussen am Flakturm hat es einen Kletterpark, der war aber leider zu.»

Das sagt die Mutter: «Das ideale Schlechtwetterprogramm. Aber auch bei Sonnenschein gilt: genügend Zeit einplanen. Die Ferngläser auf der Aussichtsterrasse finden nicht nur bei den Kindern grossen Gefallen. Im neuen und hochgejubelten Café Ocean‘Sky oben auf der Plattform haben wir das erste und letzte Mal unfreundliches Servicepersonal angetroffen. Schade.»

Naschmarkt

Heiteres Früchteraten auf dem Naschmarkt

Das sagt der Sohn: «Auf dem Naschmarkt gibt es ganz viele Früchte, die ich noch nie gesehen habe: Schlangenfrucht, Pitahaya, Tamarinde. Und überall verkaufen sie Essen: russisches, chinesisches, arabisches. Kinder durften überall probieren. Ich hab einen grossen Sack Schokosteine gekauft. Die sehen wie Steine aus, sind aber aus Schoggi.»

Das sagt die Mutter: «Das Motto der Marktstände an der Wienzeile lautet: ,Was es am Naschmarkt nicht gibt, brauchen Sie nicht.' Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Nichtsdestotrotz ist es amüsant, sich durch die Stände treiben zu lassen, Käufer und Verkäufer aus aller Herren Länder zu beobachten und anschliessend (oder auch immer wieder) Diverses und Verschiedenes zu naschen. Samstags findet auf dem 7000 Quadratmeter grossen Areal jeweils ein stadtbekannter Flohmarkt statt.»

Swarovski Kristallwelten Store

Bling-Bling-Panther-Schauen bei Swarovski

Das sagt der Sohn: «In Zürich gibts auch einen Swarovski, da muss ich auch immer reinschauen. Im Wiener Swarovski hatte es mega viele Panther. Am besten gefallen hat mir aber der BB8 von Star Wars. Er hätte nur 99 Euro gekostet, aber das hab ich zu spät gemerkt. Sonst hätte ich ihn mir vielleicht gekauft.»

Das sagt die Mutter: «All das Bling-Bling ist nicht wirklich mein Ding. Immerhin ist das Ganze aber eine österreichische Erfindung. Gut zu wissen für Eltern, aber auch sonst: Im Souterrain gibts famose Toiletten!»

Das Schmetterlingshaus

Schmetterling-Fötele im Schmetterlingshaus Wien
Schmetterlingsjagd per Handykamera


Das sagt der Sohn: «Die Schmetterlinge sind wirklich wunderschön, und ich habe ganz viele Fotos gemacht und meinen Freunden geschickt. Bei einem meinte ich erst, er habe einen kaputten Flügel. Dabei war er gerade am Schlüpfen.»

Das sagt die Mutter: «Im Schmetterlingshaus , einem prächtigen Jugendstilgewächshaus, lustwandelte schon Kaiser Franz Josef I. Es liegt gleich hinter der Hofburg. Im gleichen Gebäude ist das Palmenhaus untergebracht, eine entzückende Brasserie.»

ZOOM Kindermuseum

Zettelwand im ZOOM Kindermuseum in Wien
Was Kinder werden wollen – Zettelwand im ZOOM Kindermuseum

Das sagt der Sohn: «Am besten gefallen haben mir die grossen Bauklötze aus Styropor, damit bauen hätte mir eigentlich schon gereicht. Es gab dann aber noch eine Mitmach-Ausstellung über Flüchtlingskinder. Dort hat man zum Beispiel gesehen, wie sich Leute überall auf der Welt begrüssen. Und die Kinder durften Zettel an die Wand kleben mit ihrem Wunschberuf. Das war megalustig, da standen so Sachen wie ,Trenarin' oder ,Füsse Terrebeytin' oder ,Misö'. Was glaubs ,Frisör' heissen soll.»

Das sagt die Mutter: «Das ZOOM Kindermuseum bietet neben Wechselausstellungen für etwas ältere Kinder diverse Workshops für alle Altersstufen. Es liegt im hippen MuseumsQuartier Wien (MQ) mit all seinen Museen, Restaurants, Cafés und Shops.

Copa Beach/Donauinseln

Trampolinspringen auf den Donauinseln in Wien
Die Trampolinanlage an der Donau lässt das Herz jeden Springingsfelds höherschlagen.

Das sagt der Sohn: «Ein Trampolin auf dem Fluss habe ich noch nie gesehen. Es ist megagross, und man kann sehr gut Hinderschi- und Seitwärtssaltos machen. Ich wäre am liebsten den ganzen Nachmittag geblieben.»

Das sagt die Mutter: «Das Freizeitareal Copa Beach (früher Copa Cagrana) an der Neuen Donau ist für die Wiener DER Sommerhotspot mit Sandstränden, Liegestühlen, Strandbars und Bademöglichkeiten. Hier gibts auch alle Arten von Rollmaterial (von der Rikscha bis zum Kindertandem) zu mieten, um die endlose Uferpromenade abzufahren.»

Prater

Riesenrad im Prater
Ein Muss für jeden Prater-Besuch: eine Fahrt mit dem Riesenrad

Das sagt der Sohn: «Der Prater ist wie eine Chilbli, einfach das ganze Jahr. Am lässigsten fand ich den ,Laserspy', wo man sich wie im Film ,Mission impossible' zwischen Laserstrahlen durchschlängeln muss. Für die Gokarts wäre ich eigentlich zu klein gewesen, Mama hat mir aber einfach ihren Rucksack hinten in den Sitz gestopft, damit ich ans Gas komme. Das Rollercoaster-Restaurant, wo das Essen auf so Achterbahnschienen und mit Loopings angeliefert wird, war leider völlig ausgebucht.»

Das sagt die Mutter: «Mag der Prater auch ein bisschen abgeschrömelt sein: Ein Besuch in Wiens Vergnügungspark gehört einfach dazu – und eine Fahrt auf dem Riesenrad, eins der Wahrzeichen der Stadt, sowieso. Der Eintritt in Park selber ist gratis, für Geisterbahnen, Kettenkarussell, Madame Tussaud und Achterbahn bietet sich ,Prater Highlights', eine All-inclusive-Karte für 45 Euro (Stand 2017) an. Wobei der Begriff ,all-inclusive' etwas irreführend ist, inbegriffen sind 20 Attraktionen.»

Würstlstand

Wurstessen am Wüstlstand in Wien
Wien ist ein Eldorado für Wurstliebhaber.

Das sagt der Sohn: «Wenn man Hunger hat, geht man in Wien an den Würstlstand. McDonalds und so hat es schon auch, aber die Leute essen hier am liebsten Wurst. Wienerli gibts keine, aber der Käsekrainer, so eine Wurst mit Käse drin, ist wirklich fein. Rivella haben sie hier auch nicht, aber dafür Almdudler – der schmeckt fast gleich.»

Das sagt die Mutter: «Wiens Wurststände sind gerade mit 10-Jährigen, die alle paar Meter einen Hungerrast haben, praktisch. Der wohl bekannteste ist der von Bitzinger direkt vor der Albertina (mit Ableger im Prater). Hier trifft sich abends Wiens High Society in der Opernpause oder anschliessend auf einen Teufelsgriller, ein Sacherwürstl oder Käseleberkäse inklusive einer Öligen (Paprika) und Kren (Meerrettich) und/oder einen Absacker.»

Wiener U-Bahn

Kunst in der Wiener U-Bahn

Das sagt der Sohn: «Ich fahre mega gern U-Bahn. An den Griffen kann man gut rumturnen (aber nur, wenn es wenig Leute hat, sagt Mama), und in vielen Bahnhöfen hat es tolle Strassenmusiker. Oft hat es auch spezielle Kunst. Besonders lässig finde ich es aber, selber rauszufinden, wo wir umsteigen müssen, um dort hinzukommen, wo wir hinwollen. An der Station Karlsplatz gibts ein WC mit Opernmusik, die Opera Toilet Vienna. Die ist recht schräg.»

Das sagt die Mutter: «Die Wienkarte gilt für 24, 48 oder 72 Stunden und deckt die gesamte Wienlinie (Tram, Bus, U-Bahn) ab. Dazu kommen Rabatte für diverse Sehenswürdigkeiten. Ein Kind bis zum 15. Geburtstag fährt pro Karte gratis mit. Achtung: Vor dem ersten Gebrauch entwerten. Oder wie es auf Plakaten heisst: ,Wir haben alle Ausreden analysiert: Schwarzfahren kostet so oder so 103 Euro'.»

Unser Hotel: «25hours»

Zimmer im Hotel «25 hours» in Wien
Gilt unter jüngeren Wien-Reisenden gerade als sehr hip: das 25hours.

Das sagt der Sohn: «Das Hotel hat ein Thema, nämlich Zirkus. Überall hat es Dekorationen mit Clowns und so. In unserem Zimmer war ein Schaukelstuhl und ein grosser Teppich, auf dem ich Handstände üben konnte. Und extra Bälle zum Jonglieren. Einer hatte ein Loch, und drum war am Schluss alles voller weisser Styroporkugeln.»

Das sagt die Mutter: «Das ****Hotel 25hours ist zentral gelegen, ein paar Schritte von der U-Bahnstation Volkstheater und damit direkt am Museumsviertel. Grosse Zimmer, gute Betten, grosszügiges Frühstückbuffet. Die im 8. Stock gelegene Rooftop-Bar ,Dachboden' mit ihrem Ausblick auf Wien ist jeden Abend pumpevoll – und entsprechend laut. Es empfiehlt sich daher, auf ein Zimmer im 6. Stock oder tiefer zu bestehen.»

Was dem Sohn sonst noch aufgefallen ist

Souvenir-Medaillen aus Wien
Jedem Wien-Besucher sein Souvenir

«Bei allen Sehenswürdigkeiten stehen so Kästen rum (Bild oben), wo man sich für einen Euro aus einem 5- oder 2-Cent-Stück eine Souvenir-Medaille pressen kann. Drum: ganz viel Münz mitnehmen!

Das Tram in Wien heisst Bim. Wenn man es mal bimmeln gehört hat, weiss man warum.

In Wien gibts ganz viele Ampeln mit zwei statt einem Männchen drauf. Ist die Ampel grün, leuchtet dazwischen ein Herzli auf. Das ist herzig.

In Wien sind immer und überall Kinder- und Schulklassen unterwegs: im Tierpark, in den Museen, im Haus des Meeres. Gehen die auch mal in die Schule?»

Und zuletzt noch ein paar Tipps von der Mutter:

Stelzenessen im Schweizerhaus im Wiener Prater
Kein Fall für Vegetarier: Stelzen-Essen im Prater

«Die besten Stelzen (Schweinshaxe) isst man im Schweizerhaus im Prater (Bild oben). Achtung: unbedingt eine kleine Stelzen bestellen – von unserer ,kleinen' wurden drei Personen mehr als satt. Der Preis richtet sich nach dem Gewicht.

Unbedingt Kaiserschmarren mit Zwetschgenröster versuchen. Und wenn wir schon beim Süssen sind: Die Sachertorte schmeckt naturgemäss am besten im Café vom Hotel Sacher.

Beim Trinkgeld bitte nicht knausern (ausser der Service ist so schlecht wie bei uns im Café Ocean`Sky): Das Trinkgeld ist das Haupteinkommen des Servicepersonals!

Wer mit dem Flugzeug anreist, ist mit dem City Airport Train für 12 Euro (Stand 2017) innert 16 Minuten in Wien Mitte. Kinder bis 14 Jahre reisen gratis. Für die Heimreise bietet sich der City-Check-In an: Ab 24 Stunden bis 75 Minuten vor Abflug kannst du dein Gepäck in Wien-Mitte aufgeben und erhältst deine Bordkarte. Was besonders praktisch ist, wenn man erst gegen Abend heimfliegt.»

Hilfreiche Links für Wien mit Kids: Noch mehr Wien für Familien / Aktuelles Wien-Programm für Kinder / Wien-Tipps für Jugendliche ab 13 Jahren

Die Reise wurde von Wien Tourismus und den SBB unterstützt.

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