08. März 2018

Wieder mobil!

Die Berner Sängerin Jaël (38) ist seit Silvester Mutter von Eliah. Diesmal berichtet sie, dank welchem Kunstgriff der Bub die Welt draussen erobern – oder schlafen kann.

mit dem Kinderwagen nach draussen?
Bild: Chantal von Wattenwyl/ninniku, letterpress boutique, Bern

Kürzlich habe ich erfahren, wie leicht ein Ausflug mit Baby zum Drama oder zum Erfolgserlebnis werden kann. Zu Beginn war bei uns das Tragetuch der absolute Renner – für mich unkompliziert, fürs Bonding wertvoll, und Buebli schlief darin tief und fest. Die täglichen Spaziergänge taten uns beiden gut.

Als aber die sibirische Kälte kam, fand Eliah das Tragetuch trotz (oder wegen?) wettergerechter Kleidung auf einmal doof. Wenn ich mit ihm rausging, schrie er wie am Spiess, und man wusste nicht, wo die «Spöiferblääterli» anfingen und die Schnudernase aufhörte. Die Ich-ersticke-gleich-Laute, die er dabei von sich gab, brachten mich jeweils «tifig» wieder ins Haus zurück.

Die andere Traghilfe testeten wir vor Wochen aus, nachdem er seinen Zmorge übers damals noch geliebte Tragetuch verteilt hatte. Fazit: Rückenschmerzen für Mama.

Blieb noch der Kinderwagen. Aber Eliah weinte darin stets so herzzerreissend, dass ich ihn oft doch wieder ins Tuch nahm und den leeren Wagen vor mir herschob. Oder er schlief mitten in einem Schrei so plötzlich ein, dass sogar die babysittingerprobte Schwiegermama besorgt ihren Finger unter seine Nase hielt, um zu überprüfen, ob er noch atmete. Als er wenige Minuten später wieder aufwachte, schien er den unfertigen Schrei von zuvor wieder aufzunehmen – ein unschönes Ein­schlafen und Aufwachen, das ich meinem Sohn ersparen wollte.

Somit war ich etwas aufgeschmissen, als Eliah das Tragetuch auf einmal verschmähte. Was tun? Für eine Weile drehten wir Runden im Wohnzimmer. Aber das konnte längerfristig ja auch nicht die Lösung sein.

Dann kam uns die Idee, den Wagen zu frisieren, indem wir am Kopfende etwas unterlegen, damit Buebli nicht mehr flach liegt. Zudem habe ich den Wagen oben um sein Köpfli herum mit Schals und Nuuschi ausgekleidet, die nach vertrautem Waschmittel und nach Mama riechen, und innen am Dach ein Holz befestigt, das lustig hin und her wippt.

Das Resultat nach wenigen Trockenübungen daheim ist beeindruckend: Eliah gluckst vergnügt, wenn man ihn in den gepimpten Wagen legt, und schläft nach der zweiten Bodenwelle ein. Wir sind wieder mobil! 


Jaëls Videoporträt

Video: Elena Bernasconi

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