19. Oktober 2017

Wie sagt man richtig Danke?

Die Situationen sind bekannt: Man erhält ein Geschenk, das man nicht mag. Jemand nimmt einem Arbeit ab oder passt am Wochenende auf die Kinder auf. Wie bedankt man sich dafür richtig? Mit einem Geschenk, netten Worten, einer Karte oder einer E-Mail? Der Knigge-Experte Christoph Stokar weiss Rat. Und meint zu seinen zehn Regeln: «Generell sagt man zu selten Danke.»

Wann und wie bedankt man sich?

Früher war vieles formeller. Auch das Dankesagen. Mit den neuen Medien hat sich so einiges verändert, und man fragt sich, wann man sich wie bedanken soll. Wo früher handgeschriebene Karten verschickt wurden, reicht heute ein kurzer Gruss per Facebook. Trotzdem gibt es einige Regeln, die wir einhalten sollten – aus Respekt gegenüber unseren Mitmenschen, sagt der «Schweizer Knigge»-Experte Christoph Stokar.

1. Geschenke
«Für ein Geschenk sollten Sie sich immer bedanken, auch wenn es Ihnen nicht gefällt. Da müssen Sie nicht immer 100-prozentig ehrlich sein. Liegt es Ihnen sehr am Herzen, können Sie es bei einer späteren Gelegenheit ansprechen, losgelöst von der Geschenkübergabe. Dort gilt dann humorvolle Ehrlichkeit. Feiern Sie eine grosse Party, erwartet niemand, dass Sie die Geschenke sofort auspacken, dafür haben Sie keine Zeit. Sie bedanken sich und packen später aus. Danach müssen Sie nicht erneut danken, ausser ein Geschenk hat Sie besonders berührt.»

2. Einen Gefallen tun
«Nimmt Ihnen ein Kollege vor den Ferien Arbeit ab, können Sie sich mündlich be­danken, Sie müssen ihm kein Ferienmitbringsel schenken – die sind sowieso meistens schwierig. In der Regel reicht beim Gefallen ein mündlicher Dank, aber den sollten Sie nicht vergessen. Das gilt besonders auch für Kinder: Die sagen ihren Eltern vielleicht eher zu selten Danke. Ein Sonderfall von Gefallen ist angebracht, wenn Sie umziehen: Wenn Ihre freiwilligen Zügelhelfer um 8 Uhr auf der Matte stehen und den alten Schrank der Grossmutter ohne Lift in den 5. Stock gehievt haben, sollten Sie sie zum Essen einladen, das wäre dann zusätzlich zum mündlichen Dank ­angebracht.»

3. Social Media
«Ich würde nicht sagen, dass ein Dank über Social Media weniger Wert hat. Aber sobald sich der Dank multiplizieren lässt, wird er unpersönlich. Auf Geburtstagsgrüsse bei Facebook müssen Sie nicht einzeln antworten. Da genügt ein gemeinsamer Dank. Dasselbe gilt bei SMS. Es kommt aber darauf an, von wem sie kommen. Wenn es enge Freunde sind, könnte man schon mit einer persönlichen Mitteilung danken.»

Ich würde nicht sagen, dass ein Dank über Social Media weniger Wert hat.

4. Niesen
«Generell kommentiert man Körperzustände und -geräusche eigentlich nicht mehr. Wenn aber im Büro nach einem Nieser alle Gesundheit sagen, dann können Sie das auch tun; man passt sich ja an. Wenn Sie der oder die Niesende sind, gehört zum ‹Gesundheit› auch ein ‹Danke›.»

5. Hilfe
«Man kann heute ja froh sein, wenn einem noch geholfen wird. Also sollte man sich auch entsprechend bedanken. Hilft einem jemand über die Strasse, reicht wieder das mündliche Merci. Aber wenn Ihnen in einer wirklich brenzligen Situation unaufgefordert geholfen wird, dann sollten Sie reagieren. Sie können ja versuchen, mit einem Geschenk eine Verbindung zum Vorfall herzustellen. Oder Sie schenken dem Retter einen Gutschein für irgendeine Art Erholung: eine Massage oder einen Wellnessaufenthalt. So kann er sich etwas Gutes tun.»

6. Einladungen
«Die Einladung zum Essen kennen wir alle. Üblich ist es, wenn man da ein Geschenk mitbringt. Der Blumenstrauss (der übrigens immer unverpackt überreicht werden sollte) wird logischerweise gleich aufgestellt. Bringt man lieber Wein mit, muss man davon ausgehen, dass der Gastgeber bereits einen passenden fürs Essen ausgesucht hat. Also darf man nicht pikiert reagieren, wenn er das Geschenk erst später für sich geniessen möchte. Auf jeden Fall folgt auf die Einladung ein Dank. Dieser kommt am besten in der gleichen Form wie die ­Einladung: mündlich, per Mail oder per hand­geschriebene Karte. Die Worte ‹Vielen Dank, es war ein toller Abend› haben je nach Medium ein ganz ­anderes ­Gewicht. Eine Gegeneinladung muss meiner Meinung nach nicht immer erfolgen.»

7. Der gute Rat
«Für gut gemeinten Rat und Feedback bedanken Sie sich höflich. Das ist nicht immer einfach, besonders wenn das Feedback vielleicht wenig konstruktiv ist. Aber hier sind Sie am besten souverän und lassen sich nichts anmerken. Je nach Situation können Sie auch mit Humor kontern – wenn Sie genug schlagfertig sind. Am Ende entscheiden Sie selbst, wie viel Sie vom ­Feedback und Rat beherzigen möchten. Ähnlich ist es, wenn Sie ein Kompliment ­erhalten: Auch da ­gehört ein ‹Danke› dazu – auch wenn Sie Komplimente nicht so ­sehr mögen.»

Auch bei einem Kompliment gehört ein Danke dazu.

8. Post
«Über handgeschriebene Briefe und Postkarten freut man sich auch trotz Social Media. Also finde ich einen persönlichen Dank angebracht. Wenn Sie Zeit haben, beantworten Sie die Post ebenfalls mit Post, es muss ja nicht am selben Tag sein. Und Sie können sich auch überlegen, wer generell an etwas Post Freude hat: zum Beispiel die Grosseltern, die Ihnen regelmässig einen Batzen geben. ‹Dass ich heute nicht in der Jugi, sondern im Hotel übernachten kann, habe ich euch zu verdanken.› Das macht den Dank dann schon etwas differenzierter.»

9. Sex
«Sagt man sich gegenseitig Danke nach dem Sex? Das ist eine gute Frage. Vielleicht passiert das in Beziehungen tatsächlich zu wenig. Dabei sollte man doch offen darüber sprechen, was so passiert, und sich mehr mitteilen. Beim One-Night-Stand sagt man vielleicht eher noch Danke. Obwohl ich finde, dass es beide tun müssen, sonst entsteht ein komisches Gefälle. ‹Danke, dass du mir deinen Körper schenkst›, das wäre dann merkwürdig.»

10. Der fehlende Dank
«Natürlich sind nicht nur wir gefordert, Danke zu sagen, wir erwarten es auch von unseren Mitmenschen. Folgt kein Merci auf ein Geschenk, finden wir das unhöflich. Aber natürlich gibt es Menschen, die nicht so gut Danke sagen können – und ich rede nicht von Kindern. Falls Sie das ­einmal ­wirklich stört, können Sie die Per­sonen in einem ­ruhigen Moment darauf ansprechen. Seien Sie ehrlich und sagen Sie, dass Sie den Dank vermisst haben. Und vielleicht fragen Sie auch, warum der Dank nicht kam. Aber auch hier kommt es wieder auf die Beziehung zur Person an: Nicht in jeder Situation funktioniert das gleich gut.»

Knigge-Experte Christoph Stokar
Knigge-Experte Christoph Stokar

Die Ausgabe «Danke sagen» zum Durchblättern


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