21. September 2017

Wie lebt man entspannt?

Stress ist ungesund. Das ist uns allen bekannt. Doch wie schaffen wir es, der Angespanntheit die Stirn zu bieten? Acht stresserpobte Personen verraten ihre Strategie.

Einen Drachen steigen lassen kann entspannend wirken.
Lass doch mal einen Drachen steigen! Vielleicht entspannts.
Lesezeit 3 Minuten

Thierry Carrel (56)

Direktor der Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie, Inselspital Bern

Thierry Carrel (56)

«Ausgleich im Leben bedeutet für mich einerseits abwechslungsreiche Tätigkeiten im beruflichen Alltag (Operationen, Gespräche mit Patienten, Laien- und Fachvorträge, Forschungsaktivitäten, Betreuung und Unterstützung von jüngeren Kolleginnen und Kollegen und ab und zu Auslandsreisen zu Tagungen). Dazwischen aber zwingend spontane Freizeitinseln mit Musik oder Sport, um den Geist und den Körper zu regenerieren. Stress zeichnet sich an, wenn mein Wochenprogramm eine geordnete Terminfolge nicht mehr zulässt. Dabei geht es mir nicht um die Quantität, sondern um die Qualität, mit welcher ich die Fülle an Aktivitäten erledigen kann. Das nenne ich positiven Stress. Negativ wird der Stress, wenn der Herzschlag dabei lange Zeit zu schnell wird (über 90 Schläge pro Minute in Ruhe), häufig ist dies mit erhöhtem Blutdruck verbunden.»

Maurice Codourey (54)

Mitgründer botscamp.co, Zürich

Maurice Codourey (54)

«An einem Gesundheitskongress in Tel Aviv erzählte mir ein Kollege aus Dublin vom Winterschwimmen im Meer. Die Inspiration wirkte und ich probierte es im Zürichsee aus, im Dezember. Und im Januar und danach und im nächsten Winter. Inzwischen ist Winterschwimmen für mich eine saisonale Entspannungsmöglichkeit mit Wohlfühlcharakter geworden. Die passende Downshift-Aktion zum hektischen Alltag in einem Start-up-Projekt. Die tiefste Wassertemperatur, 3,2 Grad, erlebte ich im Januar 2017 im Bodensee bei Stein am Rhein. Samt Eisgürteldurchquerung am Ufer und Wollmütze.»

Nicola Zoller (52)

Werbefachfrau und Aerobicinstruktorin, St. Gallen

Nicola Zoller (52)

«Ich bin dank Sport leistungsfähiger geworden, und inzwischen brauche ich die regelmässige Bewegung. Vier- bis fünfmal die Woche besuche ich das Fitnesscenter für sechs Lektionen. Davon drei Einheiten eigenes Training und drei als Instruktorin. Auch an langen Arbeitstagen (unterrichte ich abends, sind es 12-Stunden-Tage) bin ich fit. Der Sport hat mein Leben verändert und mich ausgeglichener gemacht.»

Patrick Sidler (31),

Eishockeyspieler bei den GCK Lions, Bülach ZH

Patrick Sidler (31)

«Gestresst bin ich eigentlich selten. Für körperliche Entspannung gehe ich in die Massage. Mental entspannend ist für mich das Zusammensein mit meiner Familie: zum Beispiel, mit meiner Frau fein essen zu gehen oder unsere noch sehr kleinen Kinder zu betreuen.»

Annabelle Breitenbach (43)

Architektin, Champfèr GR

Annabelle Breitenbach (43)

«Unsere Schafhaltung, wir haben 17 Tiere, ist für mich ein sehr entspannender Ausgleich zum Beruf. Genauso wie lange Spaziergänge mit meiner Familie und unseren drei Hunden. Dass alles gut funktioniert, ist auch meinem Mann zu verdanken, da er alles an Arbeit übernimmt, was unsere zwei Kinder, Haushalt und die Tiere betrifft, während ich mein Ein-Frau-Architekturbüro betreibe.»

Simone Meyer (45)

Ärztin, alleinerziehende Mutter von 4 Kindern, Winterthur ZH

Simone Meyer (45)

«Meine Strategien für ein ausgeglichenes Leben: Erstens gehe ich jeden Tag bei jedem Wetter nach draussen. Am besten funktioniert Laufen und am  allerbesten  allein.  Zweitens  erhole ich mich bei der einen Tätigkeit von der anderen. Weil mich jede meiner Aufgaben etwas anders fordert. Ich liebe die Abwechslung, die Action und die Fülle. Drittens habe ich mich von vielen Konventionen wie ‹ich ­müsste› oder ‹ich sollte› befreit. Dafür überlege ich mir genau, was mir wichtig ist. Viertens sehe ich in allem, was passiert, recht zackig etwas Positives oder eine Lern- und Entwicklungschance. Fünftens brauche ich immer wieder etwas, wofür ich mich begeistern kann. Dann geht mir auch alles andere leicht von der Hand, und das Leben macht Freude. Sechstens lache ich so oft wie möglich. ­Täglich. Besonders über alles, was nicht ganz gelungen ist. Und ich weine so viel als nötig. Darin bin ich allerdings weniger gut. Siebtens nehme ich Omega-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln. Sie machen mich merklich ausgeglichener und stärken das Nervenkostüm. Achtens: Freundschaft und das Gefühl, nicht alleine auf der Welt zu stehen, machen das Herz weit, wenn es eng wird.»

Ueli Anken (56),

Kommunikationsleiter, Romanel-sur-Morges VD

Ueli Anken (56)

«Licht, Gerüche, Klänge, Worte: Entspannend wirkt, was Atem schenkt. Im Treppenhaus Atem holen vor einem schwierigen Gespräch. In Erschöpfung schwelgen nach einem Atem-Klang-Orkan beim Saxofonlehrer. Inmitten einer Landschaft: sein, schauen, atmen. Beim Schreiben spüren, wie Gedanken entspannen. Auch den Atem.»

Vreni Brun (78)

Schauspielerin, Bern

Vreni Brun (78)

«Im Jahr 2000 – ich war frisch pensioniert und hatte eine Scheidung hinter mir – krempelte ich mein Leben total um. Dank diversen Ausbildungen gelang mir der Einstieg als Theater- und Filmschauspielerin. Ein Glück, denn vor der Kamera und auf der Bühne zu stehen, ist für mich sehr erfüllend. Seit 15 Jahren habe ich einen wunderbaren Freund. Auch gutes Essen, schöne Musik, kulturelle Veranstaltungen und Freundinnen tragen zum Wohlbefinden bei. Dank guter Gesundheit, Humor und Gelassenheit, kann ich mein Leben in ­vollen Zügen entspannt geniessen.»

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