26. Oktober 2017

Wie «grün» ist dein Fonds?

Das steckt hinter den Labels für nachhaltige Finanzprodukte: Erklärungen von Benjamin Hampl, Fondsmanager und Spezialist für nachhaltige Anlagen bei der Migros Bank.

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Jeder kennt die bunten Gütesiegel wie Max Havelaar, MSC und Heidi. Allein im Lebensmittelbereich zählt Labelinfo.ch 64 Gütesiegel für die Schweiz. So unterschiedlich die Labels auch sind, erfüllen sie doch immer dieselben Grundfunktionen.

Produkteigenschaft: Auf den ersten Blick erkennt etwa der Käufer eines Max-Havelaar-Produkts, dass Kleinbauern und Plantagenarbeiter in Entwicklungs- und Schwellenländern einen fairen Lohn erhalten und dadurch ihr Leben aus eigener Kraft nachhaltig verbessern können.
Standard: Die vergebende Organisation wirkt an der Ausarbeitung eines Standards mit oder setzt diesen sogar selber fest. Dieser Standard wird kontinuierlich überprüft und verbessert.
Kontrolle: Das Label besteht auf Transparenz und übt eine Kontrollfunktion aus.

Im Gegensatz zum Nahrungsmittelbereich ist die Auswahl an Labels im Bereich nachhaltiger Finanzanlagen klein. Es gibt nur zwei unabhängige Organisationen für die Vergabe von Labels an die Fondsindustrie: Luxflag und Eurosif. Die deutlich grössere Organisation Eurosif und ihr Partner im deutschsprachigen Raum, das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), setzen den europäischen Standard für sozialverträgliche Kapitalanlagen. Über 700 nachhaltige Anlagefonds, darunter auch die Nachhaltigkeitsfonds der Migros Bank, unterstehen bereits dem Europäischen Transparenz-Kodex und tragen das entsprechende Transparenzlogo (siehe oben).

Das Transparenzlogo findet sich nur bei Fonds mit einem nachhaltigen Investmentansatz. Aufgrund der Vielfalt diverser Anlagestrategien und Ausprägungen von Nachhaltigkeit verzichtet das FNG auf eine Vorgabe von Kriterien für einen Nachhaltigkeitsfonds. Vielmehr wurde ein Standard für die Offenlegung aller wichtigen Informationen zum Thema Nachhaltigkeit des Fondsanbieters entwickelt. In vier Bereichen muss die Fondsgesellschaft im sogenannten Transparenzbericht zu ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, zur Evaluierung von Unternehmen, zum Fondsmanagementprozess und den Kontrollen Auskunft geben. Das FNG kontrolliert die im Transparenzbericht offengelegten Informationen auf Vollständigkeit und Verfügbarkeit.

Wie der Name impliziert, ist das Transparenzlogo nur zuständig für die standardisierte Offenlegung der Informationen. Möchte der Anleger also wissen, wie sein Fonds mit Umweltfragen umgeht, findet er diese Informationen im Transparenzbericht. Da die Anbieter aber nicht gezwungen werden, ihren individuellen Nachhaltigkeitsansatz einem Standard zu unterwerfen, ist die Hürde zur Erlangung des Labels eher tief. Umso mehr sollte es erstaunen, wenn ein Anbieter auf das Transparenzlogo verzichtet.

Transparenzlogo des Forums Nachhaltige Geldanlagen
Das Transparenzlogo des Forums Nachhaltige Geldanlagen ziert mehr als 700 Fonds.

Benjamin Hampl ist Fondsmanager und Spezialist für nachhaltige Anlagen bei der Migros Bank.

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