08. August 2019

Wettkampf der IT-Lernenden

Die beiden Migros-Lehrlinge Nico Arquint und Nico Kobler zählen landesweit zu den besten ihres Fachs. Im kommenden Jahr werden sie bei den Schweizer Berufsmeisterschaften SwissSkills antreten und um den Einzug ins internationale Finale kämpfen.

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Die IT-Lernenden Nico Arquint (links) und Nico Kobler
Treten im Herbst 2020 bei den Swiss-Skills in Bern an: Die IT-Lernenden Nico Arquint (links) und Nico Kobler.

Nur die Allerbesten aus jeder Sparte dürfen 2021 an die Berufsweltmeisterschaften WorldSkills in Schanghai. Der 19-jährige Systemtechniker Nico Arquint und der 18-jährige Applikationsentwickler Nico Kobler wären natürlich gerne dabei. Dafür müssten sie allerdings im kommenden Jahr bei den SwissSkills in Bern den ersten oder zweiten Platz erreichen. «Die Konkurrenz wird hart sein», sagt Kobler. Arquint nickt. Er hat schon im vergangenen Jahr an den Schweizer Berufsmeisterschaften teilgenommen und immerhin Platz 14 von 28 erreicht. «Besser als ich nach dem Wettbewerb erwartet hatte.»

Aber nur schon dass die beiden IT-Lernenden der Migros sich kürzlich für die SwissSkills 2020 qualifiziert haben, ist für sie eine schöne Bestätigung. Bei den Applikationsentwicklern traten drei Migros-Lernende an, nur Nico Kobler schaffte die Qualifikation mit einer Bewertung von knapp 40 Prozent. «Der Beste erreichte 70 Prozent, ich habe echt keine Ahnung, wie der das gemacht hat.» Bei den Systemtechnikern war Nico Arquint der einzige Migros-Lehrling und schaffte knapp 80 Prozent – der beste 98.

Wer sich während der Lehre in der Schule und bei der Arbeit engagiert, ist bereits ziemlich gut vorbereitet.

Nico Kobler, IT-Lernender Applikationsentwicklung

Für die Qualifikation mussten die beiden vier Stunden lang diverse Aufgaben nicht nur korrekt, sondern auch möglichst schnell lösen. «Je besser man mit den unterschiedlichen Systemen vertraut ist, desto eher kennt man die einfachsten Lösungswege», erklärt Arquint. Zusätzlich gelernt haben sie dafür nicht. «Wer sich während der Lehre in der Schule und bei der Arbeit engagiert, ist bereits ziemlich gut vorbereitet», sagt Kobler. An den SwissSkills werden die Aufgaben kniffliger sein, vor allem aber stehen die Wettkämpfer acht Stunden pro Tag im Einsatz. «Irgendwann wird es schwierig, sich noch richtig zu konzentrieren.»

Berufswahl von den Vätern inspiriert

Die jungen Männer sind inzwischen im dritten Lehrjahr und arbeiten im IT-Alltag der Migros mit. Arquint hilft bei Störungen im IT-System, Kobler hat mit seinen Programmierkünsten dazu beigetragen, dass Kunden in der Migros-App eine Liste ihrer aktuellen Einkäufe vorfinden.

Beide wurden bei der Berufswahl von ihren Vätern inspiriert, die ebenfalls in der Informatik arbeiten. «Bei uns zu Hause lagen immer irgendwelche Computerteile herum», sagt Arquint, der schon früh mitbastelte und rasch zum IT-Berater seiner Freunde wurde. Während Kobler sich schon als Kind beim Gamen fragte, wie das eigentlich genau funktioniert, was er da macht. Als es dann um eine Lehrstelle ging, war für beide das Fachgebiet keine Frage.

Dass sie bei der Migros landeten, war Zufall. Beide bewarben sich bei mehreren Unternehmen. «Aber die Zusage der Migros kam so schnell, dass andere Firmen gar nicht mehr zum Zug kamen», sagt Kobler. Und für Arquint war klar, dass er zu einem Grossunternehmen wollte: «Da gibts einfach mehr Möglichkeiten.» Allerdings hätten sie es wohl beide auch bei Google versucht, wenn das US-Unternehmen damals in Zürich schon Lehrstellen angeboten hätte.

Coole Nerds

Nico Kobler kann sich in jedem Fall auf Schanghai freuen, egal, wie er nächstes Jahr bei den SwissSkills abschneidet. Er bekam aus heiterem Himmel von seiner Schule das Angebot, im Oktober für ein dreiwöchiges Berufspraktikum in die chinesische Metropole zu gehen. Dort wird er bei einer lokalen IT-Firma mitarbeiten können und nebenher noch ein wenig Mandarin lernen. «Viele Details sind noch offen, aber das ist natürlich eine tolle Sache.»

Beide hoffen, dass sie nach der Lehre bei der Migros weiterarbeiten können. Allerdings möchten sie später, nach der RS, noch ein IT-Studium anhängen, entweder an der ETH oder einer Fachhochschule.

Auch in der Freizeit sitzen sie oft vor dem Bildschirm: Kobler programmiert zum Spass, Arquint schaut gerne Serien und Youtube-Videos an. Zusätzlich haben sie aber auch offline Hobbys: Arquint spielt Klavier, Kobler geht Joggen und ins Fitnessstudio. Und sie sind sich einig, dass IT-Fans wie ihnen noch immer ein gewisses weltfremdes Nerd-Image anhängt. Gleichzeitig sind beide in ihrem Umfeld begehrt, weil sie bei Problemen mit Alltagsgeräten wie Smartphones und Laptops meist weiterhelfen können. «Wir sind quasi coole Nerds», sagt Arquint und lacht.

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