22. Februar 2018

Wer hat Angst vorm bösen Clown?

Auch Stephen Kings «It» setzt auf das beliebte Motiv des mörderischen Clowns – und macht das äusserst effektiv: Vergangenes Jahr eroberte die Buchverfilmung aus dem Stand den ersten Platz auf der Liste der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten.

Stephen Kings It
Auf der Jagd nach Kindern: Der monströse Clown Pennywise (Bill Skarsgard) in Stephen Kings «It». (Bilder WB Germany)
Lesezeit 3 Minuten

Mit Verfilmungen von Romanen des Gruselgrossmeisters Stephen King ist es so eine Sache: Viele sind leider nicht besonders gut. Auch wenn man die Vorlage noch so sehr gemocht hat, ist es deshalb immer Glückssache, für King ins Kino zu gehen.

Das Jahr 2017 hat das schön illustriert: Gleich zwei prominente King-Bücher kamen auf die Leinwand: «The Dark Tower», eine epische, komplexe Fantasy-Saga, und «It», seine wohl beste Horrorgeschichte überhaupt. Die «Dark Tower»-Verfilmung war dann wirklich ziemlich schlecht, umso mehr strahlte der Horrorfilm mit dem monströsen Clown Pennywise, der die Kinder einer amerikanischen Kleinstadt terrorisiert und tötet.

1990 gab es schon mal einen Versuch, «It» zu verfilmen. Doch der Zweiteiler fürs Fernsehen befriedigte Fans des 1000 Seiten dicken Buchs nicht wirklich, auch wenn der legendäre Tim Curry ( «The Rocky Horror Picture Show» ) als Pennywise einen guten Job machte. Aber Bill Skarsgard spielt ihn in der neuen Kinoversion locker an die Wand.

Im Zentrum des Films steht eine Gruppe von Kindern, jedes für sich ist aus unterschiedlichen Gründen ein Aussenseiter, geschnitten und tyrannisiert von den coolen Kids der Schule. Auch deshalb werden sie Freunde, gründen den «Loser’s Club» und stellen rasch fest, dass sie alle in den letzten Wochen eine Begegnung mit einem unheimlichen Clown hatten. Gleichzeitig verschwinden immer wieder Kinder, unter anderem der kleine Bruder des informellen Gruppenchefs Bill (Jaeden Lieberher).

Die Aussenseiter-Clique beschliesst, den seltsamen Vorgängen nachzugehen. Bill will unbedingt seinen Bruder finden, und alle ahnen, dass der Clown ihnen gefährlich werden könnte, insbesondere wenn er jemanden von ihnen allein irgendwo erwischt. Und genau das versucht Pennywise dann auch.

Der «Loser's Club» in der Höhle des Löwen: Irgendwo hier lauert Clown Pennywise.

«It» ist als Gruselfilm ziemlich effektiv, immer wieder gibt es Sequenzen, die Gänsehaut erzeugen oder für Schockmomente sorgen. Wer mit dem Genre vertraut ist, sieht zwar wenig Neues oder Überraschendes, alles in allem ist die Adaption jedoch gelungen, und der Mix aus Horror und Coming-of-Age entspricht dem Geist der Vorlage, auch wenn es inhaltlich einige Unterschiede gibt.

Das Buch handelt in den 50er- und 80er-Jahren, im Film bekämpfen die Kids den Clown in den 80er-Jahren, als Erwachsene, die erst im zweiten Teil 2019 ins Spiel kommen, werden sie mit Pennywise in der Gegenwart konfrontiert. Der grösste Eingriff besteht wohl darin, dass die beiden Zeitebenen im Buch von Anfang an vermischt sind, für den Film wurden sie klar getrennt, was zu einer ganz anderen Dramaturgie führt. Wobei es im zweiten Teil wohl auch Rückblenden in die Jugend geben soll.

An der Kinokasse erwies sich «It» als Sensation: Noch nie hat ein Horrorfilm mehr Geld eingespielt, mit rund 328 Millionen Dollar setzte er sich vor «I am Legend» (2007) und «The Exorcist» (1973) an die Spitze der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Generell war 2017 ein gutes Jahr für das Genre: Der clevere Grusel-Schocker «Get Out» nahm 176 Millionen ein und eroberte damit Platz 5 auf der Liste.


«It» gibt es bei Ex Libris auf DVD, Blu-ray und als Roman


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