31. März 2014

Wenn Kinder Selbstgespräche führen

Kinder, die mit sich selbst sprechen, verbessern ihr Erinnerungsvermögen, lösen Probleme schneller und haben ihre Emotionen besser im Griff.

Ein Kind beim Spielen
Voll konzentriert: Wenn Kinder beim Spielen mit sich reden, sind sie ganz bei sich. (Bild: Getty Images)

Die vierjährige Emma ist allein in ihrem Zimmer, spielt und spricht laut mit sich selbst. Sie erzählt, dass ihre Puppe gerade aufgewacht ist, dass sie ihr eine Jacke anziehen und das Köfferchen packen muss. «Meine Tochter spricht eigentlich immer mit sich selbst, wenn sie spielt», sagt ihre Mutter. Eingreifen tut sie nie. Gut, denn das Selbstgespräch ist ganz normal bei Kindern, es hat sogar eine positive Wirkung auf deren Entwicklung.

«Selbstgespräche sind Werkzeuge des Denkens», sagt Professor Adam Winsler. «Wir lenken damit unsere Aufmerksamkeit. Es hilft beim Lösen von Problemen.» Der amerikanische Wissenschafter erforscht seit über 25 Jahren die frühe sprachliche Entwicklung. Sein Spezialgebiet ist die Autokommunikation. In einer seinen Studien hat er gezeigt, dass etwa Fünfjährige, die laut zu sich sprechen durften, während sie eine Aufgabe lösten, besser waren als Gleichaltrige, die schweigen mussten. Das Selbstgespräch kann noch mehr: «Es hilft auch, sich besser zu erinnern und impulsive Reaktionen zu vermeiden», sagt Winsler. «Das ist einzigartig: Mit verbalen Mitteln lenken wir unser Verhalten selbst, ohne äussere Impulse.»

Im Alter von etwa zwei Jahren beginnen Kinder, vor dem Einschlafen mit sich selbst zu sprechen. Das herzige Brabbeln ist ein Mittel, Eindrücke zu verarbeiten und zu strukturieren. «Wir nennen das <Crib Speech>, Kinderbettgespräche. Diese oft schlecht verständlichen Monologe sind emotionale Regulation und Sprachübung. Sie stärken das Gedächtnis und helfen bei dessen Entwicklung.» Etwa ein Jahr später beginnt dann das eigentliche Selbstgespräch: Kinder sprechen mit sich selbst, wenn sie Aufgaben lösen, am Spielen sind oder Fantasiewelten erfinden. Sie tun es sowohl zum Spass als auch zum Problemlösen. «Kleine Kinder brauchen dieses Reden: Erst so können sie ihr Potenzial voll ausschöpfen.» Sind die Kinder sechs oder sieben Jahre alt, verlagern sie den lauten Monolog mehr und mehr in ihr Inneres.

Das Selbstgespräch verschwindet aber nicht ganz: «Wenn wir Erwachsene gestresst, müde oder durch eine Aufgabe herausgefordert sind, kommen wir auf die einstige Strategie zurück und sprechen laut mit uns selbst», sagt Winsler. Am besten ist, man behält das Selbstgespräch ein Leben lang bei, denn es behält die selbst regulierende Funktion: Es lenkt unsere Gedanken, unterstützt das Lösen von Problemen und ist also alles andere als verrückt.

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