18. November 2013

Wenn Jugendliche nicht weiter wissen

Tag und Nacht kommen beim Gratistelefon 147 Anrufe, SMS und Chat-Anfragen von Kindern und Jugendlichen. Sie sind verzweifelt, verunsichert, brauchen dringend Rat. Ihre Fragen handeln oft von Freundschaft, Liebe und Sexualität und familiären Problemen.

Auch nachts für Kinder und Jugendliche da: Moana Crescionini
ist Beraterin bei Pro Juventute 147.
Auch nachts für Kinder und Jugendliche da: Moana Crescionini ist Beraterin bei Pro Juventute 147.

«Das machte mir grossen Druck, ich liebe ihn ja so!»

Anruf eines 15-jährigen Mädchens.

Beraterin: Telefon 147, Hallo.
Mädchen: Grüezi – eh, ich bin – muss ich meinen Namen sagen, es ist mir voll peinlich.
B: Nein, das musst du nicht – unser Gespräch ist vertraulich, niemand wird davon erfahren.
Mädchen: Es ist so, ich war da mit einem Jungen zusammen – er wollte unbedingt Bilder von mir – ähm, (Stimme wird zittrig, weinerlich).
B: Ich höre, dass dieser Wunsch von ihm dich verunsichert hat.
Mädchen: Ja, ja – also ich wollte diese Bilder ihm nicht schicken – er schickte mir Bilder von ihm – so in seinen Boxershorts, so Bilder.
B: Er schickte von sich Bilder und wollte im Gegenzug auch Bilder von dir?
Mädchen: Ja – genau...(ist still)
B: Du meinst so als Liebesbeweis.
Mädchen: Ja, eben, das machte mir grossen Druck – ich liebe ihn ja so – dann hab ich ihm die Bilder von mir im BH geschickt.
B: Was ist dann passiert?
Mädchen: Wir sind nicht mehr zusammen – er hat Schluss gemacht – und er – (sie beginnt zu weinen) – er hat mein Bild seinen Kollegen weitergeschickt (weint).
B: Das ist sehr schlimm für dich. Kannst du mit jemanden darüber sprechen?
Mädchen: Meine besten Freundinnen, die helfen mir, die haben mir auch gesagt, dass das verboten ist – stimmt das, kann ich ihn anzeigen?
B: Gut, dass du mit deinen Freundinnen reden kannst. Ja, es ist verboten, ohne Erlaubnis Bilder von Menschen weiterzuverbreiten, und du kannst gegen ihn eine Anzeige machen. Darf ich dich noch fragen, wie er dein Bild verschickt hat? Natel, Facebook, WhatsApp?
Mädchen: Auf Facebook.
B: Mit Facebook kannst du Kontakt aufnehmen und sie darüber informieren, dass ein Bild von dir im Netz steht, das sie entfernen sollen. So wird es nicht noch weiterverschickt. Was meinst du dazu?
Mädchen: Das werde ich machen, ein Kollege kennt sich da gut aus, der wird mir helfen. Sie haben mir voll gut geholfen, danke.

«Er isch pervers worde ond jetzt han ich Angst»

SMS-Beratung, 14-jähriges Mädchen.

Mädchen: Hallo, ich han es Problem. Ich han uf Facebook eine aagno und mit dem chattet. Er isch schnell pervers worde. Denn het er irgendwie mini E-Mail-Adresse usegfunde, und denn han ich Angst übercho und ihn blocked. Er schriibt mir immer Mails, und irgendwie het er mini Handynummere und mini Adresse usegfunde. Und jezzd han ich würkli Angst! Bitte helfed sie mir. Was söll ich mache?
147: Hoi, wir verstehen, dass dir das Angst macht. Gut, dass du Hilfe holst. Bitte informiere deine Eltern, wenn dir das möglich ist. Das ist wichtig, damit sie dich unterstützen und den Täter beim Betreiber melden können. Wenn du mit deinen Eltern nicht darüber sprechen kannst, so wende dich an eine andere erwachsene Person, zum Beispiel deine Lehrerin, oder ruf uns an. Reagiere nicht auf Mails oder andere Kontaktversuche, du gibst sonst immer mehr von dir preis. Dass diese Person deine Mailadresse herausgefunden hat, heisst vermutlich auch, dass deine Daten ungenügend geschützt sind. Bitte schaue Dir auf unserer Webseite die Informationen zu den Profileinstellungen auf Facebook an und die Infos, wie du reagieren kannst. Zögere nicht, dir bei einer erwachsenen Person weitere Hilfe zu holen, auch wenn es dir peinlich ist. Dein 147

«Einer droht, Bilder vo mir z veröffentlicha»

SMS-Beratung, 13-jähriges Mädchen.

Mädchen: Eina het privati Bilder vo miar und droht miar, si z veröffentlicha. Was kan ma macha?
147: Hallo. Gut, informierst du dich und lässt dich nicht einschüchtern. Falls er die Bilder ohne deine Zustimmung jemandem zeigt oder veröffentlicht, macht er sich strafbar. Am besten erklärst du ihm das und sagst, dass er die Drohungen sein lassen soll. Wenn es eine Internetbekanntschaft ist, kannst du ihn auch auf der entsprechenden Internetseite (z.B. Facebook) melden. Liebe Grüsse, dein 147

«Letzte Nacht habe ich einen Blödsinn gemacht»

Telefonberatung, 15-jähriges Mädchen.

Beraterin: Telefon 147, Hallo.
Mädchen: Ich weiss genau, dass man so was nicht tun soll! Weil letzte Nacht, so doof!
B: Du scheinst sehr aufgewühlt über etwas, was letzte Nacht passiert ist.
Mädchen: Ja, weil, ich reg mich halt über mich selber auf. Letzte Nacht habe ich voll einen Blödsinn gemacht. Wirklich, so blöd.
B: Magst du mir erzählen, was passiert ist?
Mädchen: Also, ich habe geskypt mit einem Kollegen. Und da hat er so gefunden, wir könnten uns ja ein wenig ausziehen, so zum Spass. Und es war so lustig alles, und da hab ich mich halt oben ausgezogen. Und jetzt sind diese Bilder im Netz ,und ich kann gar nichts mehr tun!
B: Puh ja, das ist eine unangenehme Situation. Gut, hast du 147 angerufen. Wie kann ich dich jetzt am besten unterstützen?
Mädchen: Ach, ich brauche einfach jemanden zum Dampf ablassen. Ich kann sonst mit niemandem reden, weil es mir so peinlich ist. Grad kürzlich habe ich mit meinem Vater über so Internetzeug geredet, und es war für mich so klar, wie gefährlich dies sein kann. Ich habe mir nicht im Traum vorstellen können, dass mir das mal passiert.
B: Mmh, du scheinst grad auch ziemlich wütend auf dich zu sein. Das begreife ich gut, weil du eigentlich gut informiert bist.
Mädchen: Ja, aber eigentlich bringt‘s ja gar nichts, es ist eh schon passiert.
B: Hast du denn schon Kontakt aufgenommen mit deinem Kollegen und ihm von deinem unguten Gefühl erzählt? Manchmal kann dies hilfreich sein.
Mädchen: Nein, aber das ist eine gute Idee. Ich werde ihn anrufen und ihm sagen, dass er die Bilder nicht veröffentlichen darf und am besten alles löschen soll.
B: Gut, dann wünsche ich dir viel Erfolg.
Mädchen: Danke und danke fürs Zuhören. Ich fühl mich jetzt etwas ruhiger.
B: Gern geschehen.

«Ich rede mit ihm, bevor ich zu den Eltern gehe»

Anruf eines 16-jährigen Mädchens.

Beraterin: Telefon 147, Hallo.
Mädchen: Hallo. Ich weiss nicht mehr, was machen.
B: Du klingst verzweifelt, magst du mir erzählen, was passiert ist?
Mädchen: Letzten Samstag war ich mit meiner besten Freundin an einer Party von einem Schulkollegen. Ich habe auch etwas getrunken, und mir war nicht mehr so gut, mir wurde es schwindlig, und ich habe mich auf den Boden gesetzt. Ich hatte einen kurzen Rock an, und man konnte wohl etwas darunter sehen. Das habe ich gar nicht gemerkt. Aber jemand aus meiner Parallelklasse hat das gesehen und ein Foto gemacht. Es ist so schlimm.
B: Dir macht das sehr zu schaffen. Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, jemanden gegen seinen Willen zu fotografieren. Weisst du denn, was er mit dem Foto gemacht hat?
Mädchen: Ja, das ist eben das Schlimme, er hat es allen seinen Kollegen und auch ein paar von meinen Freunden weiterverschickt. Das darf er doch nicht einfach machen, oder? Was soll ich jetzt tun?
B: Da hast du Recht, es ist vom Gesetz her verboten, Fotos weiterzuverbreiten, wenn die betroffene Person dies nicht will. Kannst du dir vorstellen, als erstes dem Jungen klar zu sagen, dass es verboten ist, was er macht und er das Foto löschen soll?
Mädchen: Da habe ich etwas Angst, ihm das zu sagen. Kann ich eine Kollegin mitnehmen?
B: Ja klar, das musst du nicht alleine machen. Es ist eine gute Idee von dir, eine Kollegin mitzunehmen. Auch die anderen aus der Klasse kannst du bitten, dich zu unterstützen und das Foto zu löschen und es den anderen zu sagen, dass auch sie es löschen sollen.
Mädchen: Ja das mache ich. Was soll ich tun, wenn er das Foto nicht löschen will und mich nur auslacht? Kann ich zur Polizei?
B: Gut, fragst du. Falls er dich nicht ernst nimmt, kannst du entscheiden, ob du einen Schritt weitergehen willst. Du kannst bei der Polizei Anzeige machen. Willst du dafür vielleicht deine Eltern informieren, damit sie dich unterstützen können?
Mädchen: Ich rede zuerst mal mit ihm, und danach entscheide ich, ob ich es den Eltern sage. Vielen Dank für ihre Hilfe.
B: Bitte, gern geschehen. Du darfst dich gerne wieder melden, wenn du noch weitere Fragen hast oder mit uns reden möchtest. Tschüss.
Mädchen: Tschüss!

«Ich will nicht, dass noch mehr das Bild sehen»

SMS-Beratung, 16-jähriger Junge.

Junge: Ich habe gestern ein Foto von meinem Penis auf Snapchat einem Mädchen geschickt, nun hat sie es allen gezeigt, und ich will nicht, dass es noch mehr sehen oder wissen. Ich bin am Anschlag und würde mich jetzt gerne selber umbringen (keine Angst, ich tue es nicht). Was soll ich tun?
147: Hallo, gut, dass du schreibst. Wir sind froh, dass umbringen für dich keine Lösung ist. Was sie gemacht hat, ist nicht in Ordnung, sie macht sich damit strafbar, d.h. du könntest sie anzeigen. Vielleicht reicht es schon, wenn du ihr sagst, dass du sie anzeigst, wenn sie nicht aufhört. Kannst du mit jemandem darüber reden? Du kannst auch uns anrufen (24h) zum einen Weg suchen. Dein 147

Ich werde auf Facebook wegen Pingu gemobbt.

SMS-Beratung, 11-jähriger Junge.

Junge: Hallo liebes 147. Ich fühle mich total schlecht. Ich habe meinen Freunden preisgegeben, dass ich noch .Pingu. schaue im Fernsehen. Seit dem werde ich auf Facebook und in der Schule aufs Schlimmste gemobbt. Ich habe keine Freunde mehr und weiss nicht mehr, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Soll ich mich umbringen? Ich werde es tun, wenn ich keinen guten Rat bekomme! Helft mir!
147: Pingu ist eine total herzige Serie, verständlich, dass du die gerne schaust. Was dir in der Schule und auf Facebook passiert, ist schlimm. Es ist gut, dass du dich wehrst, denn umbringen ist nie eine
Lösung. Gegen eine Gruppe kommt man alleine nicht an. Darum ist es richtig, dass du dir Verstärkung holst. Bei uns, bei deinen Eltern, bei Lehrern. Dass auf dir rumgehackt wird, ist nämlich ein Problem
deiner ganzen Schule. Da läuft was schief, was alle angeht. Bitte schau mit einer erwachsenen Person die Infos auf unserer Webseite an. Schreibe uns bitte wieder oder ruf uns an, wir warten darauf, von dir zu hören. Liebe Grüsse, dein 147.

Ich habe Schulden und werde erpresst.

SMS-Beratung, 16-jähriger Junge.

Junge: Hallo, ich bin schon sehr lange in grossen Problemen und habe Schulden, werde erpresst, provoziert. Ich möchte am liebsten Selbstmord machen so in meinen Gedanken und komme
einfach nicht weiter. Ich werde auch geschlagen! W.re sehr froh, wenn ihr mir behilflich sein könntet, so schnell wie möglich!
147: Hallo, gut, dass du uns schreibst, das ist bereits ein wichtiger Schritt, um etwas zu verändern. Erpresst, geschlagen und provoziert zu werden, ist äusserst ungerecht. Du brauchst das nicht
länger zu erdulden und es kann auch geändert werden. Hab Mut und vertrau dich jemandem
an, hol Hilfe z.B. beim Lehrer/Eltern/Freunde/Schulsozialarbeiter. Wenn du möchtest, dass niemand davon erfährt, so wende dich an die Jugendberatung. Uns darfst du auch jederzeit anrufen. Wir sind 24 h für dich da, wenn du nicht weiterweisst. Ein gutes Gespr.ch kann sehr hilfreich sein. Hab Mut, dein 147.

Sie hat das Foto auf Facebook hochgeladen.

Telefonberatung eines 14-jährigen Jungen.

Beraterin: Telefon 147, Hallo.
Junge: Hallo, mir ist etwas voll Peinliches passiert und ich weiss nicht so richtig, was machen. Und eigentlich finde ich es auch total daneben (schnaubt wütend)!
Beraterin: Dir ist also etwas passiert, was dir peinlich ist und dich wütend macht.
Junge: Ja, so eine Idiotin, die ich aus der Schule kenne, ist an einer Party ins Jungsklo
reingekommen und ich war grad auf dem Klo. Sie hat einfach ein Foto unter der Tür
durch gemacht und ist wieder abgehauen! So gemein! Und alles ging so schnell,
dass gar niemand reagiert hat!
B: Oje, das ist wirklich gemein. Ich begreife, dass du wütend bist.
Junge: Und dann ist es ja noch weitergegangen. Sie hat das Foto auf Facebook hochgeladen
als Lachnummer! Zum Glück hatte ich meine Kleider schon fast wieder an und man sieht fast nichts.
B: Oha, das Mädchen scheint keine Grenzen zu kennen. Sag, wie kann ich dich in dieser
Situation denn am besten unterstützen?
Junge: Ich möchte halt wissen, ob sie das überhaupt darf?
B: Nein, was das Mädchen gemacht hat, ist verboten. Erstens ist es nicht erlaubt, Fotos zu machen gegen den Willen der Person. Und zweitens ist es auch verboten, ohne Erlaubnis der abgebildeten
Personen Fotos weiterzuverbreiten.
Junge: Ah, hab ich es doch gewusst! Und was kann ich denn jetzt machen?
B: Der erste Schritt ist mit ihr zu reden, sie über das Gesetz zu informieren und sie aufzufordern,
das Bild zu löschen. Falls dies nichts bewirkt, kannst du sie auch anzeigen.
Junge: Ok, ich werde mit ihr reden. Hoffentlich lenkt sie ein. Und das Foto ist ja jetzt auf dem Netz. Kann ich das irgendwie rückgängig machen?
B: Ja, bei Facebook kannst du melden, dass sie ein Bild von dir löschen sollen, welches nicht ok ist. So wird es nicht weiterverschickt. Was meinst du dazu?
Junge: Ich bin erleichtert. Danke!

Da ist ein Typ, der versucht mich voll anzubaggern.

Telefonberatung, 14 jähriges Mädchen.

Beraterin: Telefon 147, Hallo.
Mädchen: Oh Mann, der regt mich so voll auf.
B: Du tönst ziemlich gestresst. Was ist denn passiert? Wer regt dich so auf?
Mädchen: Da ist so ein Typ, der versucht mich voll anzubaggern.
B: Ich verstehe immer noch nicht so ganz, worum es dir geht – willst du mal dreimal tief durchatmen.
Mädchen: Sorry (schnauft durch).
B: Also, jemand kommt dir zu nahe und das willst du nicht – habe ich das richtig verstanden?
Mädchen: Genau – also ich chatte sehr gerne und da ist so ein Typ, der war zuerst voll süss – machte mir Komplimente, dann hat er immer mehr gewollt... Ah, das macht mich aggressiv... So ein Schwein!
B: Phuuu, das macht dich ja sehr wütend – was hast du dann gemacht?
Mädchen: Sicher nichts, ich bin doch nicht blöd – ich weiss, dass es solche Typen gibt im Netz – die schleimen dich voll, dann wollen die .... so Sex-Zeugs halt – meinem Kolleg ist das auch schon passiert – ein Typ, der ihn voll anmachte... das ist gestört.
B: Gut, dass du nichts gemacht hast – heute hast du nun 147 angerufen. Darf ich wissen, wie ich dir helfen kann oder bei was ich dich unterstützen kann?
Mädchen: Ich will dieses Schwein anzeigen, wie mach ich das?
B: Du kannst alle Infos aus dem Netz kopieren und damit zur Polizei gehen. Du kannst auch seine Netz-Daten Kobik.ch melden. Du findest dort online ein Formular zum Ausfüllen. Was wäre für dich das Einfachste zu tun?
Mädchen: Ich werde damit zur Polizei gehen.
B: Willst du das alleine tun oder kann dich jemand dabei unterstützen?
Mädchen: Meine Eltern wissen es schon, ich habe es ihnen gesagt. Sie helfen mir.
B: Das ist sehr gut. Dann wünsche ich dir viel Erfolg und bleib so wachsam.

Bild: Severin Nowacki

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