05. Oktober 2017

Wenn Frauen Rot sehen

In «Schwarze Wut» stehen Sara Linton und Will Trent als Detectivs und Sonderermittler am Rande des Südstaatenabgrunds.

Lesezeit 2 Minuten
Karin Slaughter: Schwarze Wut

Mit Schwarze Wut hat Karin Slaughter wieder einen blutrünstigen Thriller geliefert, der keinen menschlichen Abgrund auslässt. Die aus Atlanta, Georgia, stammende Autorin mutierte mit ihrem Romandebüt Belladonna vor 14 Jahren zur Thriller-Königin par excellence. Seither kümmert sich das Ermittlerduo Sara Linton, Ärztin und Pathologin, bekannt aus den Romanen der «Grant-County»-Reihe, und Will Trent, der GBI (Georgia Bureau of Investigations)-Agent aus der «Atlanta»-Reihe, um besonders widerwärtige Fälle.

In Schwarze Wut schleicht sich Trent, als krimineller Biker getarnt, undercover in ein Krankenhaus in Macon ein, um einen Drogendeal in grossem Stil aufzudecken und Drogenbaron Big Whitey endlich dingfest zu machen. Zeitgleich ermittelt auch Detective Lena Adams im Drogenmilieu, wird aber nach einer Razzia in einem Fixertreff in ihrem Haus überfallen. Ihr Mann Jared (Stiefsohn von Sara Linton) wird angeschossen und fällt ins Koma. Und dann wirds kompliziert: Linton kommt nach Macon und droht, Trents Tarnung auffliegen zu lassen. Plötzlich stehen alle im Fadenkreuz und an der Schwelle zum Tod.

Wer die vorher erschienenen Romane aus der Reihe nicht gelesen hat (Figuren und Handlungsstränge daraus tauchen wieder auf), könnte eventuell hier und da nicht ganz durchblicken. Ohne Kenntnisse zum Vorleben der Charaktere kann man also nicht immer einfach folgen. Der Verdacht, es handle sich um einen schnellen Aufguss der früheren Teile, kommt immer wieder auf.

Zudem bekommt Lena Adams, Slaughters Lieblingsopfer (Fehlgeburt, toter Polizeipartner, tote Zwillingsschwester, Mann im Koma), ein bisschen arg oft eins übergebraten und übertrieben viel Präsenszeit im Buch. Und obwohl der Charakter nicht besonders sympathisch rüberkommt, hat man fast schon Mitleid mit der armen Frau.
Sara Linton hingegen ist dermassen makellos, sauber und unfehlbar, dass es schon beinahe wehtut. Dazwischen Trent, glatt und ziemlich kantenlos, und eine pathetisch angehauchte Liebesgeschichte.

Slaughter glänzt allerdings in der Disziplin knappe, knackige Dialoge. Die Autorin bedient sich zudem einer eher derb-männlichen Sprache, die die oft brutale Story authentisch daherkommen lässt und die psychischen Abgründe und die versiffte Atmosphäre im Drogen- und Nuttenmilieu eindrucksvoll schildert: «Meth. Er hatte mehr Entzündungen im Gesicht als eine Rücksitzhure.»
Zugutehalten muss man Slaughter ausserdem ihren immer wieder aufblitzenden, sarkastischen Humor und ihre bildhafte Sprache, wenn es beispielsweise um die Beschreibung von Personen geht: «Die interne Ermittlerin des Macon Police Department hatte die mürrische, leblose Persönlichkeit einer karrieregeilen Schreibtischtäterin.» Es macht Spass, solche Sätze zu lesen und lockert die eher gruselige Geschichte etwas auf.

Wer nachts gut schlafen will, sollte zur Lektüre einen Beruhigungstee (zum Beispiel mit Cannabis versetzt, bitte kein Meth!) schlürfen, allen anderen wünsche ich aufregende Stunden voller Thrill.

Bei Ex Libris: Schwarze Wut
Autorin: Karin Slaughter
Verlag: Blanvalet

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