19. November 2012

Wenn der Schulbesuch zur Hölle wird

Leidet ein Kind in der Schule und sind alle Mittel zur Lösung der Probleme ausgeschöpft, bleibt nur ein Schulwechsel. Doch der Weg dorthin ist steinig.

Schule
Kein Bock auf Schule: Dauert das Problem über mehrere Wochen an, müssen Eltern das Gespräch suchen. (Bild: Paul/F1online)

Nach den Ferien will ich nicht zurück in die Schule», jammert Leonie (9) ihren Eltern vor. Jeder möchte noch länger Ferien, entgegnet ihre Mutter. Doch Leonies Abneigung gegen die Schule wird von Tag zu Tag schlimmer. Sie ist häufig krank. Mal ist es der Bauch, mal der Kopf.

«Wenn ein Kind so reagiert und über Wochen immer wieder sagt, es wolle nicht zur Schule, müssen Eltern der Sache auf den Grund gehen. Denn dahinter können ernste Probleme in der Klasse oder mit der Lehrperson stehen», sagt Elisabeth Wiget (54), Schulinspektorin im Kanton Thurgau. Eltern sollten in dieser Situation dringend mit den Lehrpersonen das Gespräch suchen.

Sehr vieles lässt sich mit einem offenen Gespräch klären, oder man kann gemeinsam Lösungen entwickeln. Doch nicht alle Probleme lassen sich so einfach aus der Welt schaffen. «Es kommt vor, dass Eltern mit Lehrmethoden eines Lehrers nicht einverstanden sind», sagt die Inspektorin. Und manchmal stimme auch einfach die Chemie nicht. Bloss, was dann? Die Schule zu wechseln ist in der Schweiz nicht ohne Weiteres möglich. Zumindest nicht, wenn das Geld für eine Privatschule fehlt.

Führt das Gespräch mit dem Lehrer nicht weiter, wird die nächste zuständige Stufe, die Schulleitung, eingeschaltet. Alternativ können sich die Eltern auch an den schulpsychologischen Dienst wenden. Wenn sich Eltern und Schule auf keiner Stufe einigen, können die Eltern ein Umteilungsgesuch an die Schulinspektion stellen. Schulinspektorin Elisabeth Wiget erklärt, was dann geschieht: «Meine Aufgabe ist es, mir alle Seiten anzuhören, je nach Reife auch das Kind. Aus wichtigen Gründen kann die Schulaufsicht ein Kind einer anderen Abteilung oder einem anderen Ort zuteilen.» Dafür besucht Elisabeth Wiget meist auch den Unterricht und macht sich vor Ort ein Bild. Kommt auch sie zum Schluss, dass ein Schulwechsel nicht in Frage kommt, gibt es für Eltern nur noch einen Weg: der Umzug in einen anderen Schulkreis.

Bei Leonie ist das übrigens nicht nötig. Sie hat in die Parallelklasse gewechselt und geht nun wieder sehr gern zur Schule.

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