07. Mai 2018

Wenn der Darm dichtmacht

Zwischen 12 und 19 Prozent der schweizerischen Bevölkerung leiden unter Verstopfungen. Der Gastroenterologe empfiehlt als Prophylaxe viel Obst und Gemüse. «Auf unserem Speiseplan sollten täglich drei bis fünf Portionen ballaststoffreiche Nahrung stehen.»

Verstopfung und Darmprobleme
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Manche lesen Zeitung, andere sinnen über chinesische Sprichwörter nach, und wieder andere schreiben Whatsapp-Nachrichten: Menschen mit einer Verstopfung sind sehr erfinderisch darin, sich bei langen Sitzungen auf der Toilette die Zeit zu vertreiben.
Zwischen 12 und 19 Prozent der schweizerischen Bevölkerung leiden unter Verstopfungen. «Probleme mit dem Stuhlgang stellen einen sehr häufigen Konsultationsgrund dar», erklärt Jean-Louis Frossard, Chefarzt der gastroenterologischen Abteilung des Universitätsspitals
Genf (HUG). «Medizinisch relevant wird die Sache, wenn man weniger als drei Mal pro Woche Stuhlgang hat.»

Frauen häufiger betroffen
Darmträgheit, anormale Stuhlkonsistenz, Schmerzen bei der Verdauung oder beim Stuhlgang: Die Symptome sind mannigfaltig und betreffen dreimal mehr Frauen als Männer – insbesondere im Alter zwischen 15 und 45 Jahren. «Ab 55 Jahren fallen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern geringer aus. Die Ursachen für die Beschwerden sind wahrscheinlich hormoneller Natur. Aber auch andere Faktoren wie beispielsweise eine zu ballaststoffarme Ernährung, eine Stresssituation, Verletzungen in der Analregion infolge einer Geburt oder die Auswirkungen eines sexuellen Missbrauchs haben grossen Einfluss», erklärt Jean-Louis Frossard.

Er empfiehlt eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse. «Auf unserem Speiseplan sollten täglich drei bis fünf Portionen ballaststoffreiche Nahrung stehen. In unserer Gesellschaft werden diese Lebensmittel aber häufig durch ‹Junkfood› verdrängt – also durch Fertiggerichte aus verarbeiteten Zutaten, die diese Verdauungsstörungen in erheblichem Masse begünstigen», so der Gastroenterologe. Für ihn ist es auch kein Zufall, dass Menschen zwischen 15 und 45 Jahren am häufigsten betroffen sind.
«Die in der Regel aktiven Menschen dieser Altersgruppe haben weniger Zeit, um richtig zu essen und auf ihren Körper zu hören. Unser rastloser Lebensstil hält uns davon ab, die Signale wahrzunehmen, die die Ankunft des Stuhls im Rektum und den richtigen Moment für den Toilettengang ankündigen.» Dieser Reflex verschwindet, weil wir ihn uns abgewöhnt haben. «Man muss daher ganz neu lernen, seinen Schliessmuskel zu öffnen – wofür sowohl mentales als auch körperliches Training nötig ist.»

Meist reicht ein mildes Abführmittel
In den meisten Fällen sind Verdauungsbeschwerden ein vorübergehendes Problem. Wenn sie länger als sechs Monate andauern, können sie jedoch chronisch sein. «Bei sechs Prozent der Bevölkerung ist eine lebenslange Medikation in Betracht zu ziehen. Für die anderen Betroffenen haben die Apotheken milde Abführmittel im Angebot. Fast 80 Prozent der Betroffenen sprechen gut auf diese schonende Therapie an, die oft ganz natürlich ist, weil die Abführmittel aus Getreideschalen gewonnen werden.»

Wenn Patienten nicht auf die Behandlung mit Abführmitteln ansprechen, empfiehlt Jean-Louis Frossard die Durchführung einer klinischen Untersuchung. «Dadurch lässt sich feststellen, ob die Verstopfung auf eine Störung wie zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung oder auf Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen ist.» Ab 50 Jahren sind zunehmende Verstopfungsprobleme oder eine Veränderung der Stuhlgewohnheiten ernst zu nehmen: «Sie können Anzeichen eines Dickdarmkrebses sein», warnt der Professor.

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