25. Oktober 2018

Wenn der Arzt in Rätseln spricht

Beim Lesen des Arztberichts verstehen viele Patienten nur Bahnhof. Ärzte lernen im Studium, mit lateinischen Begriffen zu kommunizieren, ihre Patienten meist nicht. Ein Onlinedienst übersetzt das Ärztelatein in eine verständliche Sprache.

Manchmal fühlen wir uns schon krank, wenn wir nur ein Wort lesen. Dabei beschreibt es einen ganz normalen Gesundheitszustand. So bedeutet eine physiologische Lordose der HWS: Die Halswirbelsäule weist eine natürliche Krümmung auf. Und Sono Abdomen o. p. B. heisst: Der Ultraschall des Bauchs zeigt keine Auffälligkeiten (o. p. B.: ohne pathologischen Befund).

Illustration: physiologische Lordose der HWS
Eine physiologische Lordose der HWS heisst: Die Halswirbelsäule weist eine natürliche Krümmung auf.

Ärzte lernen im Studium, mit lateinischen Begriffen zu kommunizieren. So können sie sich sehr präzise mit Kollegen verständigen. Manchmal vergessen sie aber, dass ihre Patienten die Fachbegriffe vermutlich nicht verstehen, und unterlassen es, ihnen in einfachen Worten zu erklären, wie es um sie steht.

Diese Lücke füllt seit 2011 der Onlinedienst Washabich.de. Hier übersetzen Medizinstudenten Ärztelatein in eine verständliche Sprache. «Missverständnisse können Patienten unnötig verängstigen oder gar dazu führen, dass sie Anordnungen nicht richtig befolgen», sagt Mediensprecherin Beatrice Brülke.

Illustration: Halitosis respektive Mundgeruch
Halitosis ist der medizinische Begriff für Mundgeruch.

Das Interesse am Angebot sei gross. Man biete aber keine medizinische Beratung an, stellt Brülke klar. «Wir erklären nur. Denn gegenseitiges Verständnis ist die Basis für den Erfolg einer Behandlung.»

Illustration: Nihilitis crepitans acuta
Nihilitis crepitans acuta bedeutet: Der Patient hat eigentlich nichts, führt sich aber auf, als ob er kurz vor dem Sterben wäre.

Manchmal fehlt der Mut

Manchmal verbergen sich hinter der komplizierten Sprache aber auch ernsthafte Krankheiten oder einschneidende Therapien. So bedeutet etwa eine minimal­invasive Operation noch lange nicht, dass sie harmlos ist. Die Bezeichnung sagt lediglich aus, dass durch natürliche Körperöffnungen oder kleine Einschnitte in der Haut operiert wird, ohne den ganzen Bauch oder Brustkorb aufzuschneiden.

Illustration: Äthylismus
Äthylismus heisst: Man schaut zu tief ins Glas (Alkoholismus).

Obwohl die Narbe kleiner ist, kann der Eingriff an den inneren Organen belastend sein. Und zuweilen trauen sich Ärzte wohl nicht, die Sache beim Namen zu nennen, um ihre Patienten nicht mit Unangenehmem zu konfrontieren. Sie verwenden dann Begriffe wie Äthylismus oder Halitosis. Das heisst ganz einfach: Man schaut zu tief ins Glas oder hat Mundgeruch.

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