20. Juni 2018

Wenn Anleger lokale Unternehmen bevorzugen

Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank, erklärt den «Home Bias».

Umsatzanteil im Inland bei den wertvollsten Börsenwerten
Quelle: Bloomberg, Migros Bank
Lesezeit 2 Minuten

Privatanleger neigen dazu, auf lokale Aktien zu setzen und ausländische zu vernachlässigen. Eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2010 zeigt: Einheimische Titel machen im Schnitt 80 Prozent der Aktienportfolios inländischer Privatinvestoren aus. Dieser sogenannte «Home Bias» ist ein weltweit beobachtbares Verhaltensmuster.

Das kostet langfristig Geld, weil das Portfolio geografisch schlecht diversifiziert ist. Besonders stark ist die Performance-Differenz in Zeiten, in denen die heimische Wirtschaft weniger gut läuft als diejenige im Ausland.

In der Schweiz ist eine starke Übergewichtung lokaler Unternehmen allerdings weniger problematisch als in anderen Ländern. Der Grund: Viele Schweizer Unternehmen richten sich international aus, weil der Heimmarkt vergleichsweise klein ist. Wer zum Beispiel eine Nestlé-Aktie kauft, hat sein Geld zu 98,6 Prozent im Ausland investiert. Denn der Schweizer Anteil am Gesamtumsatz macht bei Nestlé nur 1,4 Prozent aus.

Die Schweiz hat einen der am stärksten globalisierten Aktienmärkte. Ob Nahrungsmittel, Pharmazeutika, Finanzdienstleistungen, Industrieprodukte oder Uhren: Die an der Schweizer Börse kotierten Firmen sind im Ausland sehr präsent. Die zehn wertvollsten Unternehmen des Swiss Performance Index (SPI) erzielen im Durchschnitt nur 3,4 Prozent ihres Umsatzes in der Schweiz.

Wer übrigens denkt, als Schweizer Investor mit starkem Home Bias sei man Währungsschwankungen nicht ausgesetzt, da Schweizer Aktien in Franken notieren, der irrt. Die Währungseffekte äussern sich im Unternehmensgewinn und schlagen sich dadurch in der Performance des Portfolios nieder: Schwächt sich etwa der Euro ab, belastet dies den in Franken rapportierten Gewinn aus der Eurozone. Wer dieses Problem umgehen möchte, beschränkt sich auf Unternehmen, die vorwiegend in der Schweiz tätig sind – auf Kosten der Diversifikation.

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