15. Juli 2018

Wendige Hunde, flinkes Frauchen

Niemand überwindet hierzulande Hindernisse so schnell wie Claudia Schwab und ihre Vierbeiner. Ende Juli wollen sie auch an der Agility-EM in Wien zuschlagen.

Claudia Schwab im Training mit Mitch
Mit Mitch hat Claudia Schwab bereits mehrere Wettkämpfe gewonnen. Für diese Höchstleistungen braucht es viel Training und Talent. (Bild: Beat Habermacher)

Im Wohnzimmer von Claudia Schwab türmen sich Pokale, Medaillen und Auszeichnungen bis unter die hohe Decke. Sie stammen von Turnieren in der Schweiz, von Europa- und sogar Weltmeisterschaften.

Ob sich weitere internationale Trophäen dazugesellen, wird sich bald zeigen: Die 28-Jährige aus Brüttisellen ZH hat sich sowohl für die Agility-EM in Wien Ende Juli als auch für die WM im schwedischen Kristianstad qualifiziert. Trotzdem ist Claudia Schwab in der Schweiz wenig bekannt; wie auch der Nischensport, in dem sie so gut ist. «Manche meinen, Agility sei ein Hausfrauensport. Denen sage ich: Nimm mal meinen Hund und renn mit ihm den Parcours, dann wirst du schon sehen!», sagt sie und lacht.

Claudia Schwabs Trophäensammlung
Claudia Schwabs Trophäensammlung wächst von Jahr zu Jahr.

Agility ist eine Hundesportart, bei der die Vierbeiner einen Parcours aus mehreren Hindernissen in möglichst kurzer Zeit absolvieren müssen. Sie springen über Hürden, absolvieren einen Slalom und balancieren über eine Wippe. Geleitet werden sie von Frauchen oder Herrchen (im Agility Führer genannt), das während des ganzen Parcours an ihrer Seite mitrennt.
An Wettkämpfen werden die Hunde in drei Kategorien eingeteilt: Small, Medium und Large, je nach Schulterhöhe des Hundes.

Zum Agility kam Claudia Schwab über den Wunsch, den viele Kinder hegen: Ihre Schwester und sie wollten einen Hund. Bald gehörte Labrador Nera zur Familie. Claudia Schwab ging mit ihr ins «Jugend und Hund», ein Nachwuchsprogramm, wo der Umgang mit dem Haustier sowie verschiedene Hundesportarten vermittelt werden. Dort begeisterte sie sich besonders fürs Agility und begann, regelmässig mit Nera zu trainieren.

Bald war auch der Rest der Familie im Agility-Fieber, doch fünf Trainings pro Woche wären für den Labrador zu viel gewesen. «Meine Schwester entdeckte in einem Hundebuch die Rasse Shetland Sheepdog, sie haben uns auf Anhieb super gefallen.» Darin war auch zu lesen, dass sich die «Shelties» wegen ihres Triebs und ihrer Wendigkeit gut für Agility eignen. Die perfekten Begleiter waren also schnell gefunden, und neben dem Labrador gehörten fortan auch zwei Shelties zur Familie Schwab.

Für die Hunde ist mein Jubel das grösste Geschenk. Wenn ich sie nach dem Lauf lobe, zeigen sie ihre Freude am Sport.

Mit Jet nahm Claudia Schwab schon bald an ersten Wettkämpfen teil – und gewann. Sie wurde mit ihm Schweizer Meisterin und nahm mehrmals an der WM teil. «Nach jedem Sieg bin ich zuerst in einem Schockzustand. Doch dann freue ich mich riesig», sagt sie. Und die Hunde? «Für sie ist mein Jubel das grösste Geschenk. Wenn ich sie direkt nach dem Lauf lobe und mit ihnen spiele, zeigen sie ihre Freude am Sport.»

Unschlagbar, weil die Chemie stimmt

Nach neun gemeinsamen Agility-Jahren wurde Jet zu alt, um weiterhin über die Hindernisse zu flitzen. «Es ist wie bei uns Menschen: Die einen haben früh Arthrose, die anderen spät. Bei Jet war mit zehn Jahren Schluss.» Inzwischen sind bei Claudia Schwab drei weitere Hunde eingezogen: Mit den beiden Shelties Mylo (8) und Mitch (4) ist sie aktiv im Agility, hat auch mit ihnen mehrmals an Schweizer und Europameisterschaften gewonnen und an WMs teilgenommen.

Das neueste Rudelmitglied, der 16 Wochen alte Border Collie Sia, wird in einigen Monaten mit dem Agility­Training beginnen. «In den Kategorien Small und Medium bin ich schon oft gestartet und habe mehrmals gesiegt. Ich möchte mich aber steigern, darum habe ich mit Sia jetzt einen grösseren Hund.»

Mylo (l.) und Mitch gehorchen Claudia Schwab aufs Wort. Auch fürs Foto halten sie sofort schön still
Mylo (l.) und Mitch gehorchen Claudia Schwab aufs Wort. Auch fürs Foto halten sie sofort schön still.

Auf die Frage, warum Claudia so erfolgreich sei, hat ihr Trainer Martin Eberle eine klare Antwort: «Claudia ist in der Schweiz unschlagbar. Weil sie selbst viel Talent und Gefühl für den Sport mitbringt, aber auch weil ihre Hunde Ausnahmetalente sind.» Zudem müsse die Chemie zwischen Mensch und Tier zu 100 Prozent stimmen, damit ein starkes Team zusammenwächst, sagt Eberle. «Claudia ist nie grob zu den Hunden, weiss aber, wie sie ihnen Grenzen aufzeigen muss.» Das ist aber gar nicht so oft nötig. «Meine Hunde sind sehr cool, und sie lernen schnell», sagt Schwab.

Wenn Wettkämpfe anstehen, konzentriert sich Schwab ganz auf sich selbst. «Ich bin eine zurückhaltende Person, das muss man in diesem Sport vielleicht auch sein. Zudem bin ich – im Gegensatz zu den Hunden – meist sehr nervös.» Trotzdem: Schlechte Wettkampftage erlebt sie selten, fast immer ist sie mit sich und den Hunden zufrieden.

An WMs gehts um Hundertstelsekunden

Der Parcours besteht in der Regel aus 20 Hindernissen. Gerade an Weltmeisterschaften müssen die Hunde perfekte Läufe hinlegen, da geht es um Hundertstelsekunden. Ein kleines Zeichen, ein anleitendes Wort genügen, und die Hunde gehorchen Claudia Schwab blitzschnell. Sie flitzen wendig durch die Slalomstäbe und führen die geforderten Kunststücke aus.

«Am Ende eines Laufs schnaufen wir beide», lacht sie. Wenn Fehler passieren, ist das fast immer die Schuld des Menschen: Der Hund führt aus, was der Halter ihm anzeigt. Darum ist intensives Training wichtig. Neben den täglichen Spaziergängen trainiert Claudia Schwab ein Mal pro Woche mit Mylo und zwei Mal mit Mitch. «Aber ich will meine Hunde nicht überfordern, der Spass steht im Vordergrund.»

Die Wettkämpfe finden oft im Ausland statt, was viel Koordination und Planung erfordert. «Die Hunde sind längere Autofahrten gewohnt und machen gut mit.» Fliegen mussten sie bisher noch nie, doch das ändert sich dieses Jahr mit der WM in Schweden.

Auch ihre Ferientage gehen dafür drauf, da sie Vollzeit im Büro arbeitet. Dann kümmert sich ihre Mutter um die Hunde. Zeit für längere Reisen bleibt wenig, aber das stört sie nicht. «Ich bin kein Mensch, der die ganze Welt sehen muss. Als ich einmal für vier Wochen ohne Hunde in Amerika war, hielt ich es fast nicht aus.» Heute plant sie vor allem Hundeferien und ist auch sonst oft mit Freunden unterwegs, die sie durch Agility kennt. «Das ist angenehm, weil bei ihnen auch die Hunde im Zentrum stehen.» 

Claudia Schwab kann sich nicht vorstellen, einmal mit dem Agility aufzuhören. «Klar, wenn ich eines Tages Kinder habe, werde ich zurückstecken. Aber jetzt ist es für mich der perfekte Ausgleich zur Arbeit.» Die Hunde sind auch das erste Gesprächsthema, wenn sie einen Mann kennenlernt: «Sie sind ja quasi meine Lebenspartner.» Claudia Schwab würde nicht behaupten, dass sie Hunde mehr liebt als Menschen. «Aber es gibt wohl keine so treuen Wegbegleiter, wie es meine Hunde für mich sind.»

Eingespieltes Team: Claudia Schwab und Mylo verstehen sich blind.
Eingespieltes Team: Claudia Schwab und Mylo verstehen sich blind.

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