08. Dezember 2017

Weihnachten das ganze Jahr

Hanny Roduner gestaltet Krippenfiguren. Nicht nur vor Weihnachten, sondern das ganze Jahr – und seit vier Jahrzehnten. Tausende davon sind in ihren Kursen entstanden. Die Inspiration für ihre grosse Leidenschaft findet sie in der Brockenstube und auf Reisen.

Hanny Roduner mit Krippenfigur und Dromedaren.
Hanny Roduner gestaltet nicht nur Krippenfiguren, sondern ganze Krippenszenen. Am liebsten wäre sie selbst eine Beduinenfrau, wenn sie denn eine Figur darstellen müsste.

Auf einem Tisch vor gelbem Hintergrund stehen drei üppig beladene Dromedare. Davor setzt Hanny Roduner mit geübten Handgriffen die drei Könige in Szene. Sie richtet ihre schimmernden Gewänder und platziert ihre Geschenke und Krüge.

Seit 40 Jahren kreiert die 70-jährige ehemalige Handarbeitslehrerin Krippenfiguren. Bereits als Kind bastelte sie lieber, statt draussen mit den anderen Kindern herumzurennen. Und als ihr Bruder auf einem Weihnachtsmarkt eine Krippe erstand, damals vor 40 Jahren, war sie sofort angetan.

«Ich suchte nach einem Kurs, um dieses Handwerk zu erlernen.» Nach einiger Zeit wurde sie fündig, absolvierte einen ersten und noch einen zweiten Kurs. «Danach wollte ich meinen eigenen Stil finden.» Hanny Roduners grösste Leidenschaft war geboren. In ihrem Zürcher Zuhause richtete sie sich ein Atelier ein und tüftelte fortan in jeder freien Minute an neuen Ideen. Besonders wichtig ist ihr, dass die Figuren beweglich sind und über die Gestik Gefühle transportieren können.

Es wäre ja schlimm, wenn ich als Krippenfan nicht an das Wunder von Bethlehem glauben würde. Dann wäre ich wie ein Arzt, der nicht an die Genesung des Patienten glaubt

Ihre Handarbeitsschüler waren vor vielen Jahren die ersten Versuchskaninchen und lernten, wie man Krippenfiguren herstellt. Das Drängen der Verwandten und Bekannten bewog Roduner schliesslich dazu, selbst Kurse anzubieten. «Inzwischen habe ich eigentlich das ganze Jahr über Weihnachten – ich gebe etwa drei bis vier Kurse pro Woche. Auch bei den heissesten Temperaturen gestalten wir Krippenfiguren.»

Hanny Roduner inmitten ihrer Krippenfiguren
Die Kronen entstehen aus alten Christbaumkugeln, die Gefässe findet Hanny Roduner in der Brockenstube: Inspiration findet sie fast überall.

Dächer aus alten Tischsets

Hanny Roduner liebt es, ihr Wissen weitergeben zu können und die Teilnehmer entdecken zu lassen, wie kreativ sie sind, auch wenn sie sich das anfangs nicht zutrauen. Das gemeinsame Schaffen habe manchmal auch einen therapeutischen Aspekt: «Einmal meldeten sich zwei Schwestern unabhängig von­einander für denselben Kurs an. Sie waren über Jahre zer­stritten – im Kurs haben sie schliesslich Frieden geschlossen. Dieses Erlebnis war unbezahlbar.»

Die Kurse treiben Hanny Roduner an, inspirieren sie auch nach vier Jahrzehnten stets von Neuem: «Die Teilnehmer kommen oft mehrmals, darum muss ich ihnen immer wieder neue Ideen unterbreiten.» Inzwischen gibt sie Kurse für die Gestaltung unterschiedlich grosser Figuren, für Kulissen und auch Laternenkrippen. Ein weiterer, sanfter Antrieb ist für sie die Religion: Hanny Roduner liest viel über die Geschichte der Menschen vor 2000 Jahren. «Es wäre ja schlimm, wenn ich als Krippenfan nicht an das Wunder von Bethlehem glauben würde. Dann wäre ich wie ein Arzt, der nicht an die Genesung des Patienten glaubt.»

Für ihre Kreationen braucht Hanny Roduner viel Material. Stoffe und Accessoires findet sie häufig im Brocki. Sie bastelt Königskronen aus Christbaumkugeln und Dächer aus alten Tischsets. Aber auch ihre zweite Passion fördert ihre Entdeckungsfreude: «Ich reise unglaublich gern und gehe immer mit ‹Krippen­figurenaugen› durch die Welt, besonders in Asien. So finde ich überall Dinge, die ich gebrauchen kann.» Müsste sie sich in eine ihrer Figuren verwandeln, wäre sie wohl am liebsten eine Beduinenfrau: «Die reisen ja auch permanent herum.»

Hanny Roduner mit ihren drei Königen
Inzwischen lagert Roduner zu Hause über 100 Figuren, für den Rest hat sie einen zusätzlichen Raum gemietet. Verkaufen tut sie nur selten, mit viel Herzschmerz, wie sie sagt.

Jede Figur ein Unikat

«Inzwischen habe ich wohl etwa 30 000 Franken in meine Figuren investiert», sagt Hanny Roduner. Es ist eine teure Leidenschaft, von der sie – trotz der vielen Kurse – nicht leben könnte. «Doch das muss ich auch nicht. Die Figuren waren immer nur Hobby, eigentlich war ich ja Lehrerin.»

Ihr Zuhause bietet Platz für etwa 100 Figuren, den Rest lagert sie in einem gemieteten Raum. Ab und zu verkauft sie eine Figur, schweren Herzens, wie sie betont. «Aber auf Bestellung produzieren kann ich nicht; ich könnte nicht 15 Mariafiguren fertigen und mit einem Stand an einen Markt gehen. Jede Figur ist ein Unikat.»

Hingegen liebt sie das Ausstellen in Schaufenstern und Museen. Ihr Highlight sei die Ausstellung im Landesmuseum 2014 gewesen, sagt sie nicht ohne Stolz. «Das war eine völlig neue Dimension. Mit dem professionellen Team zusammenzuarbeiten, hat unglaublich Spass gemacht.»

Ihre ausgestellten Szenen werden gern bis zu zwölf Meter lang: Nebst der Krippe stehen da eine Schreinerei, eine Töpferei, eine Schmiede und fast ein ganzes Dorf. Das verlangt viel Vorbereitung und Planung; der Ausstellungsort muss genau ausgemessen werden.

Die Familie kommt zuerst. An zweiter Stelle folgen dann aber rasch die Krippenfiguren

Ans Aufhören denkt Hanny Roduner noch lange nicht, da geht es ihr wie ihrem Mann: «Er ist Chemiker und hat zurzeit eine Gastprofessur in Pretoria – trotz Pensionierung.» Die Roduners frönen ihren eigenen Beschäftigungen, doch die Eltern dreier erwachsener Kinder und Grosseltern von bald sechs Enkelkindern unterstützten sich in allem. «Die Familie kommt zuerst. An zweiter Stelle folgen dann aber rasch die Krippenfiguren.»

Informationen: Krippenfiguren , Laternenkrippen

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