28. Juni 2017

Wütend am Besten

Elena Bernasconi hat als Teenager stundenlang Pink Floyd gehört. Die Band nahm mit auf die dunkle Seite des Mondes, liess Schweine fliegen und lieferte nebenbei epischen Sound. Diesen Sommer ist Gründungsmitglied Roger Waters mit einem neuen Album zurück.

«Is This The Life We Really Want» von Roger Waters
«Is This The Life We Really Want» von Roger Waters

Roger Waters gehört zu den Menschen, die dann zu Hochform auflaufen, wenn sie wütend sind: «Picture a shithouse with no fucking drains / Picture a leader with no fucking brains» (Stell dir ein Scheisshaus vor, das keinen Abfluss hat / Stell dir einen Präsidenten vor, der keinen Verstand hat). Zeilen aus seinem neuen Album «Is This The Life We Really Want?». Subtil ist das nicht. Beschreibt Waters unsere Gesellschaft, dann nicht mit zarten Andeutungen.

Fast 25 Jahre hat es gedauert, bis Roger Waters wieder ein Album fertiggestellt hat. Auslöser war die Wahl Trumps zum US- Präsidenten. Waters hält nicht zurück mit Kritik und Schimpfworten. Und falls zufällig jemand die Message verpasst haben sollte, schickte er zum Tourstart in den USA Ende Mai via Grossleinwand zusätzlich die Message «Trump is a pig». (Trump ist ein Schwein).

«Is This The Life We Really Want?» verleitet dazu, ganz lang über Texte zu berichten und recht wenig über die Musik. Was daran liegt, dass das Album musikalisch wenig Neues bietet.

Ob das stört? Eigentlich nicht, wenn man klingen darf wie Pink Floyd. Oder vielleicht sogar wie eine perfektionierte Version der Band Pink Floyd. Angeführt von Produzent Nigel Goodrich (Radiohead, Beck) eingespielt mit exzellenten Musikern wie Joey Waronker (R.E.M.) am Schlagzeug oder Jonathan Wilson (Gitarre, Keyboards) gibt es bei der Umsetzung nichts auszusetzen, irgendwie aber auch wenig Spielraum für Fantasie.
Sicher ist: Live im Stadion wird dieser Sound absolute Gänsehaut erzeugen.

Hat man das Album ein paar Mal durchgehört, entdeckt man viel Melancholie «The Most Beautiful Girl» und auch Zärtliches, beispielsweise wenn Waters aus den «Lessons from the Kamasutra» zitiert im Song «Wait For Her».
Bei «Déjà Vu» beschreibt er mit Augenzwinkern seine erste Handlung als Gott: «Wäre ich Gott, hätte ich die Venen im Gesicht so angeordnet, dass sie resistenter gegen Alkohol sind».
Auch ein wütender, 73 jähriger Rockstar hat seine Eitelkeit.


Roger Waters «Is This The Life We Really Want?» bei Ex Libris

Roger Waters live in Europa ab Frühling 2018

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