04. Mai 2015

Was tun bei Leistenschmerzen?

Jede fünfte sportlich aktive Person leidet an Schmerzen in der Leiste. Als Verlegenheitsdiagnose wird oft von einer «weichen Leiste» oder «Sportlerleiste» gesprochen.

Outdoor-Training auf der Slackline: Eine gute Muskelbalance hilft, Muskulatur und Sehnenansätze in der Leiste zu entlasten
Outdoor-Training auf der Slackline: Eine gute Muskelbalance hilft, Muskulatur und Sehnenansätze in der Leiste zu entlasten (Charlie Yacoub / Getty Images).

Ursachen für die Schmerzen können ein Leistenbruch, Muskel- oder Sehnenverletzungen, Entzündungen von Sehnenansätzen, des Schambeins oder der Schambeinfuge und Hüftgelenksveränderungen mit Schaden an der Gelenklippe oder sogar eine Arthrose (Abnützung eines Gelenks) sein.

Schon in jungen Jahren

Während bei älteren Personen der häufigste Grund für Leistenschmerzen eine Arthrose im Hüftgelenk oder nach Unfällen ein Schambeinastbruch darstellt, ist bei jungen Menschen die Ursache in der Muskulatur und den Sehnenansätzen zu suchen. Bei sportlicher Aktivität müssen einzelne Muskelgruppen wie zum Beispiel die Adduktoren der Oberschenkelinnenseite hohe Belastungsspitzen aushalten. Dies erklärt, wieso es sportliche, eher jüngere Leute trifft.

Wann braucht es einen Arzt?

Es gibt eine absolute Notsituation, in der sofort ein Arzt konsultiert werden muss: wenn ein Leistenbruch einklemmt und es zu einem Absterben von Darmteilen kommen kann. Dies ist in den meisten Fällen mit einer stark schmerzhaften Vorwölbung verbunden, die sich nicht wegdrücken lässt. Sonst kann ruhig fünf bis sieben Tage unter körperlicher Schonung abgewartet werden, bevor man sich untersuchen lässt.

Behandlung und Therapie

Die Physiotherapie spielt bei der Herstellung der Muskelbalance eine zen­trale Rolle. Begleitend können je nach Ursache eine chiropraktische Behandlung, die Stosswellentherapie und entzündungshemmende Medikamente in Tablettenform oder als Spritze (Kortison nur in Ausnahmefällen) eingesetzt werden. Eine Operation ist in der Regel nur in Notsituationen oder bei eindeutigen Veränderungen des Hüftgelenks notwendig. Neue Therapieformen wie die Eigenbluttherapie werden zukünftig an Stellenwert gewinnen, da sie kaum Nebenwirkungen und erste ­erstaunliche Erfolge zeigen.


Autor: Dr. med. Konrad Birrer ist Facharzt für Chirurgie und Sportmedizin bei Medbase Luzern Allmend.

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