28. Juni 2018

Was der Jubel über einen Sportler aussagt

Fällt ein Tor, fallen sich die Fans in die Arme. Und die Spieler? Die springen, reissen sich das Trikot vom Leib oder verschwinden unter einem Berg aus Teamkollegen. Der Jubel kommt in vielen Formen daher.

Breel Embolo und Blerim Dzemaili im Jubel
Freudensprung auf Breel Embolo: Blerim Dzemaili nach dem 1:0 gegen Costa Rica bei der WM 2018. (Bilder: Vassil Donev / Keystone, Getty Images (4), AP Photo)
Lesezeit 3 Minuten

«Toooooor! Der Ball wirbelt im Netz. Die Kameras sind auf Blerim Dzemaili gerichtet. Alle wollen sehen, wie er seinen Erfolg gegen Costa Rica bejubelt. Rutscht er vor Freude über den Rasen? Entledigt er sich seines Leibchens und spannt wie ein Gorilla jeden Muskel an? Nein, er springt auf den Passgeber Embolo und ballt die Faust. 

Schon oft hat Jubel für Schlagzeilen gesorgt, vor kurzem die Doppeladler-Gesten der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. In seiner Karriere bereits viele Torjubel gesehen hat SRF-Kommentator Sascha Ruefer. Der 46-Jährige befindet sich zurzeit in Russland, wo die Weltmeisterschaft stattfindet. Ihn hört das ganze Land jubeln, wenn der Ball von einem Schweizer ins Tor gekickt wird.

«Ich mache mir keine Gedanken darüber, wie ich dabei klinge. Zuhause würde ich genau gleich reagieren», sagt er. Anders sei das bei den Fernsehkollegen aus Brasilien: «Die üben ihre Jubelschreie. In ihrem Land wäre es ein Tabu, wenn sie nicht bei jedem Tor laut und lange jubeln würden.»


Schwimmer ohne Badehose?
Auch jeder Fussballer juble auf seine Art, sagt Ruefer. Nicht begreifen kann er aber, warum viele Spieler ihr Oberteil ausziehen und damit die gelbe Karte in Kauf nehmen. «Wenn ich die Sportler frage, können sie keinen Grund nennen.» Fussballer seien eine eigene Spezies, was den Jubel angehe. «Oder haben Sie schon mal einen Schwimmer gesehen, der die Badehose auszieht?»

Sonst können sich die Athleten im weiteren Spiel nicht konzentrieren

Die Art des Jubels hängt tatsächlich von der Sportart ab, bestätigt die Sportpsychologin Romana Feldmann. «Beim Curling wäre es völlig unpassend, aus Freude einen Salto zu machen.» Die Sportler müssen lernen, mit den Gefühlen bei Erfolgen und Misserfolgen umzugehen – dem Verhaltenskodex ihres Sports entsprechend. Wichtig sei, die Emotionen rauszulassen. Auch wenn es nur ein kurzes Ballen der Fäuste ist. «Sonst können sich die Athleten im weiteren Spiel nicht konzentrieren.»

Beim Fussball gibt es besonders viele Formen, den Torerfolg zu feiern. Der jeweilige Jubel sagt viel über den Sportler aus. «Er geht dabei zurück zu den Wurzeln. Dorthin, wo er glaubt, dass der Erfolg herkommt. Er demonstriert also seinen Glauben, seinen stählernen Körper oder feiert mit den Teamkollegen.»


Phänomen «Gorilla»
Im Moment eines Tors nehmen die Gefühle überhand und das rationale Denken verschwindet. So lasse sich auch das Phänomen des Oberteilausziehens erklären. Und das Phänomen «Gorilla»? «Das ist auf uralte Triebe zurückzuführen», sagt Feldmann, «bei Männern liegt es in den Genen zu zeigen, dass sie stark sind.»

Auch die Fans zu Hause vergessen alles um sich herum, wenn die richtige Mannschaft siegt. Sie rennen in Fahnen gewickelt auf den Dorfplatz oder bilden einen Autocorso. Bei so viel Freude drückt die Polizei ein Auge zu. «Bis eine Stunde nach Spielende tolerieren wir den Jubel auf den Strassen», sagt Roland Pfister von der Kantonspolizei Aargau. Natürlich nur, solange niemand gefährdet wird. Sitze jemand auf einem Autodach, gehe der Jubel zu weit.

So jubeln die Fussballstars:

Der Rutscher

Ihn hält nichts mehr auf den Beinen, wenn er seinen Erfolg feiert. Auf Knien rutscht er über den Rasen. (Hirving Lozaro, Mexiko, nach seinem ersten Tor an der WM 2018)

Der Religiöse

Er streckt die Arme gen Himmel, bekreuzigt sich. Er ist überzeugt: Nur Gott macht seinen Erfolg möglich. (Kaka, damals AC Mailand, im Champions-League­Final 2007)

Die Tänzer

Sie haben den Rhythmus im Blut und zeigen ihre Freude mit einer Tanzeinlage. (Spieler aus Ghana, bei der WM 2010

Der Renner

Er ist voller Adrenalin und rennt wie eine Rakete quer über den Platz. (Granit Xhaka, Schweiz, U17 Weltmeisterschaft 2009)

Der Gorilla

Zuerst reisst er sich das Oberteil vom Leib, dann spannt er jeden Muskel an. Die animalische Pose demonstriert Stärke. (Cristiano Ronaldo, Real Madrid, 2009)

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