05. Juli 2018

Warum werden wir nicht 600 Jahre alt?

Journalistin Gabriela Bonin beantwortet Kinderfragen. Diesmal möchten eine 5. und eine 6. Primarschulklasse in Hitzkirch LU wissen, warum wir nicht fast ewig leben. Ein Altersforscher erklärt, welche Probleme wir durch ein sehr langes Leben bekämen.

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Nichts ist so sicher wie dies: Eines Tages sterben wir. Unser Körper endet im Tod. Dabei ist sein Bauplan genial: Der Körper besteht aus Billionen von Zellen. Sie bauen sich auf, sterben ab, erneuern sich, vergehen wieder. Und so weiter. Bis die Zellen eines Tages krank werden oder aufhören, sich zu erneuern.

Beim Alterungsprozess jedes einzelnen Lebens spielen viele innere und äussere Einflüsse mit. Bei allen nutzt sich der Körper ab. Irgendwann gibt er seinen Dienst auf. Warum tut er das trotz genialem Bauplan? In dieser Frage sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Die heutige Stammzellenforschung will das Altern stoppen – als ob es eine Krankheit wäre, die man heilen kann. Wird ihr das je gelingen? Wollen wir das überhaupt?

Weltweit werden die Menschen im Durchschnitt rund 71 Jahre alt, in der Schweiz gut 83. Tendenziell steigt diese Zahl – vor allem in den Ländern, wo es Wohlstand gibt, so gute Ärzte und eine so gesunde Ernährung wie hier. Dies alles trägt dazu bei, dass man ein hohes Alter erreichen kann. Wo hingegen Stress, Kriege, Naturkatastrophen, Seuchen oder Hungersnöte herrschen, werden nur wenige Menschen richtig alt. Auch Unfälle oder Selbstmorde führen zu einem frühen Tod. Für mich macht das Leben gerade deshalb Sinn, weil es begrenzt ist. So weiss ich, dass ich es nur gerade jetzt nutzen und würdigen kann.

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Wir bekämen ein Problem mit der Ernährung.

Hans Rudolf Schelling
Hans Rudolf Schelling
Hans Rudolf Schelling (57) hält wenig davon, viele Forschungsgelder für das Streben nach Unsterblichkeit einzusetzen. Er ist der Geschäftsführer des Zentrums für Gerontologie (Alterswissenschaft) an der Universität Zürich.

Warum werden die Schweizer im Schnitt «nur» 83 Jahre alt?

Eigentlich müsste man sich das Umgekehrte fragen: Nämlich warum erreichen wir überhaupt so ein hohes Alter? Der Mensch ist eins der langlebigsten Wesen der Welt. Säugetiere mit einer ähnlichen Körpermasse, Primaten zum Beispiel, werden wesentlich weniger alt: Wenn ein Gorilla über 50 Jahre alt wird, ist das die Ausnahme.

Was wäre, wenn wir viele Hundert Jahre alt werden könnten?

Das würde beim einzelnen Menschen und auf der Welt sehr vieles verändern. Es gäbe dann immer mehr Menschen. Wir bekämen ein Problem mit der Ernährungs- und Energieversorgung. Wir hätten zu wenig Platz. Wir müssten uns ein längeres Leben damit «erkaufen», dass wir weniger Kinder in die Welt setzten. Denn der Tod alter Menschen schafft Raum für neue Kinder.

Können wir unsterblich werden?

In der Forschung, insbesondere in den USA, wird viel Geld für die Unsterblichkeitsforschung eingesetzt. Davon halte ich wenig. Unsterblichkeit kann man auf einer persönlichen Ebene anstreben, nämlich indem man mit seinem Leben etwas weitergibt: Wir leben nach unserem Tod weiter durch unsere Werke und Nachfahren – durch Gutes, das wir auf der Welt getan haben, und allenfalls durch Kinder, die wir grossgezogen haben.

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