Leser-Beitrag
03. April 2018

Warum schweigen wir so leise?

Die Geschichte von Leser Florian Riner über eine Sirene und was sie zwischen Luxusvilla und Flüchtlingen, Politik oder Wirtschaft alles auslöst.

Lesezeit 2 Minuten
In der Wohnsiedlung mit Abend-Scheinwerferlicht

... falls es jetzt soweit ist.

Die große Villa am Hang ist befestigt. Von immergrünen Pflanzen eingezäunt das Anwesen. Das elektronisch gesteuerte Eingangstor öffnet sich automatisch, sobald der Sohnemann mit dem dicken Schlitten die vorprogrammierte Frequenz überschreitet. Der Nachkomme bringt die lebensnotwendigen Medikamente vorbei. Im Vorbeifahren winkt der Erbe dem Gärtnersohn zu, welcher denselben Jahrgang hat. Aus sozialtechnischen Gründen und aufgrung langjähriger, glänzender Pflege des Garten durch dessen Vater, haben die Besitzer zugesagt, dem drogensüchtigen Sohn eine Chance zu bieten.

Der pflegebedürftige Patron, seine Tochter mit Ehemann und die Betreuung begrüßen den Ankömmling im Pavillon.

UIUIUIUI, die Sirenen in der ganzen Umgebung heulen los.

Der sommerliche Frühlingsnachmittag kippt im Nu in der Stimmung, als in der im Hintergrund laufenden Fernsehsendung die Meldung von Kims Absendung neuer Raketen vorgetragen wird. Auf Anweisung wechselt das Pflegepersonal den Sender. Auf diesem verfolgen alle mit, wie der rothaarige Clown denselben Befehl gibt.
Sie haben Zeit. Keine unüberlegte Panik. Die Schutzräume fallen für alle ergiebig aus.

Zehn Minuten läuten die Sirenen laut, erbarmungslos. Dann ...

... die Erlösung, die Radiosender melden Entwarnung. Der Alarm wird langwierige Diskussionen in Politik, Behörden, Justiz und Bevölkerung auslösen.

Die reiche Familie, oben am Hügel, der angepasste Ex-Junkie, der Drogensüchtige in den Gassen, die Eltern von kranken Kindern oder pflegebedürftige Großeltern. Alle werden dasselbe Problem haben, wenn ...

Und was ist mit den Patienten in den aktuellen Kriegsgebieten. Dem Kind mit Herzproblemen, der Oma mit Alzheimer oder Gicht, dem Drogenabhängigen, dem an HIV-Leidenden, dem Diabetiker, den Krebspatienten? Etc. Zwischen Bomben, Scharfschützen, Hunger, ohne Wasser oder Hygiene, ohne Chance auf Arzneimittel oder Spitalbett.

STELL DIR VOR, WIE ES WÄRE, WENN DU MORGEN FRÜH NICHT MEHR AUS DEM HAUS KANNST. KEIN GELD, KEINE ESSWAHREN, KEIN WASSER, KEINE MEDIKAMENTE. DEIN PARTNER, DEINE HUNDE ODER KATZEN KÖNNTEN NICHT MEHR ZUM ARZT. SCHREIEN, WUFFEN, MIAUEN VOR SCHMERZEN.

Warum lassen wir Kriege zu, schweigen, wählen Politiker, welche verbandelt sind mit der Waffenlobby sind. WARUM?

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