27. Januar 2018

Warum Schlangestehen gar nicht schlimm ist

Unsere Kolumnistin Lisa Stutz hasst Schlangen – also, die Tiere. Mit den Warteschlangen konnte sie sich mittlerweile anfreunden.

Warteschlange
Kein seltenes Bild in der Stadt: Leute, die Schlange stehen. (Foto: Unsplash)
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Wenn ich etwas hasse, dann sind es Schlangen. Diese ekligen, wendigen, schuppigen, schleichenden, züngelnden Tiere. Mir läuft es kalt den Rücken hinunter, wenn ich nur schon an sie denke. Es gibt lediglich eine Art von Schlangen, die ich akzeptieren kann. Und zwar die vor Restaurants, Kinos, Clubs, Opernhäusern, Ladenkassen.

Diese besondere Schlangenart kenne ich besser, seit ich des Öfteren in der Stadt verkehre. Ihr Vorkommen verhält sich proportional zur Grösse der Stadt. Und es ist ein gutes Zeichen für das von ihnen besiedelte Territorium: Da gibt es etwas, das viele wollen.

Auf einige Leute wirkt sogar diese Schlangenart abschreckend. «Ui nei, lueg mal die Schlange! Schnäll irgendwo andersch here!», höre ich mein Mami sagen, Landei durch und durch. Für andere hingegen ist ihre Anwesenheit anlockend: «Do muess es ja öbbis Obercrazybrutalcools gäh! Ab id Schlange, ich will nüt verpasse!»

Mit einer Phobie gegen diese Spezies kommt man in der Stadt nicht weit. Oder halt eben nicht zum gewünschten Glace/Kinoeintritt/Kaschmirpulli. Deshalb habe auch ich mich daran gewöhnt. Mehr noch: Ich finde langsam, aber sicher Gefallen an dieser Schlangenart. Erst einmal Teil davon, bewegt man sich gemütlich vorwärts. Währenddessen beobachtet man unauffällig die anderen Mitglieder des Gebildes. Man hinterfragt nochmals seine Beute. Man entschleunigt, wartet, freut sich.

Und irgendwann ist man am Ziel. Ganz vorne. Als Kopf der Schlange. Dort, wo einem alle Türen offen stehen. Das gefällt dann sogar meinem Mami.


Das Video zu «Stadt, Land, Stutz»:

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