17. März 2018

Warum Jeannine-Momente den Alltag verbessern

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin vermisst die kurzen Gespräche mit der Sandwichverkäuferin im Dorf.

Sandwich
Welches Sandwich darf's heute sein? (Bild: unsplash.com)
Lesezeit 1 Minute


Seit ich in der Stadt arbeite, bin ich bei Sandwiches sehr kritisch. Zu viel Butter auf dem Brot? – ein No-Go! Die Gurke nicht knackig? – hallo, Fauxpas! Zu viel Salat, zu kleines Brötchen, zu dickes Fleisch? – Hier kaufe ich nicht wieder ein! Es liegt nicht daran, dass ich plötzlich zur Möchtegernfeinschmeckerin geworden bin. Vielmehr werde ich jedes Mal, wenn ich schon nur an Sandwiches denke, ein bisschen traurig. Und zwar wegen Jeannine.

Jeannine war im Dorf meine Sandwichverkäuferin des Vertrauens. Sie hat ein kleines Bistro, in dem ich fast jeden Mittag einkehrte. Ich wählte zwischen Tomaten-Mozzarella, Ofengemüse, Fleischkäse, Rüebli-Zwiebeln. Jeannine und ich wechselten immer ein paar Worte. Sie fragte mich, wie es mir gehe, und ich antwortete ihr so, wie man nur jemandem antwortet, den man mag. Wenn ich gestresst war, erzählte ich es ihr. Ebenso wenn ich müde oder verärgert war. Meistens war ich aber fröhlich – und sandwichhungrig.

Bei Jeannine stand über dem Kartenlesegerät, dass Kartenzahlung erst ab 10 Franken möglich sei. Ich aber durfte auch Fr. 7.50 bargeldlos zahlen. Sie wärmte mein Sandwich auf, ohne fragen zu müssen. Sie wusste, wer meine Eltern sind und woran ich gerade schreibe. Sie wusste sogar, in welcher Farbe ich meine Mèches mag, weil ihrer Schwester der Coiffeursalon im Dorf gehört.

Die Jeannine-Momente waren es, die den Alltag besser machten. Die einem ein Lächeln ins Gesicht zauberten und einen pfeifend übers Trottoir spazieren liessen – den Bauch gefüllt mit dem perfekten Tomaten-Mozzarella-Sandwich. Oder Fleischkäse. Oder ... Sie wissen schon. Wenn Sie eine Jeannine in Ihrem Leben haben, sind Sie ein Glückspilz. 


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