22. März 2018

Warum gibt es Musik?

Journalistin Gabriela Bonin beantwortet Kinderfragen. Diesmal möchte Marion (13) aus Hitzkirch LU wissen, warum es Musik gibt. Ein Experte erklärt, was Menschen und Töne verbindet.

Schriftzug «Warum gibt es Musik?»

Das Erste, was du wahrgenommen hast, schon bevor du auf die Welt kamst, war: Rhythmus. Denn als dich deine Mutter noch unter ihrem Herzen trug, hörtest du ständig ihren Herzschlag. Rhythmus allein macht noch keine Musik, aber er ist ein wichtiger Teil davon. Damit Musik entsteht, braucht es auch Töne. Daraus gestalten wir Melodien.

Die ersten Melodien deines Lebens hast du auch bereits im Bauch deiner Mutter wahrgenommen - sofern sie selbst Musik gehört, gesungen oder gemacht hat. Auch als Kleinkind wurdest du in Musik eingelullt: Dann, wenn dir liebende Menschen Lieder vorgesummt und vorgesungen haben. Das tun Mütter (und auch Väter) überall auf der Welt seit jeher, ganz von selbst. Dabei setzen sie das erste Instrument ein, das jeder Mensch zur Verfügung hat: die menschliche Stimme.

Musik ist also jedem von uns vertraut. Auch die Natur erklingt in Melodien: Vögel singen wunderbar, Wale ebenso. Tiere scheinen indes Musik nicht bewusst zu gestalten – Menschen hingegen schon. Musik verbindet Menschen, und zwar über alle Sprachen hinweg. Sie vermittelt Stimmungen. Sie dringt durch das Ohr bis in unser tiefstes Inneres ein. Dorthin, wo ich glaube, dass das Geheimnis unseres Ursprungs weilt. Die Frage, woher wir kommen, beschäftigt uns immer wieder. Darüber habe ich hier auch schon geschrieben: Wo war ich, als Mama noch ein Mädchen war?

Die Freude an Musik ist ansteckend

Bernhard Hangartner
Bernhard Hangartner (61) leitet die Forschungsstelle am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich und hat drei erwachsene Kinder. Er erklärt, warum Musik zum Menschen gehört.

Seit wann gibt es Musik?

Wir leben seit jeher mit Melodien und Klängen. Bereits in der Antike hat man versucht, den Klang der Musik schriftlich festzuhalten. Das Liniensystem der Notenschrift zum Beispiel, das wir heute noch nutzen, wurde vor knapp 1000 Jahren entwickelt. Mich erfüllt es mit einer gewissen Ehrfurcht, dass sich dieses System nun schon tausend Jahre halten konnte.

Haben alle Menschen ein Bedürfnis nach Musik?

Ja, selbst wenn nicht jeder gleich empfänglich ist für Musik oder sie nicht selbst umsetzen kann. Musik übermittelt Inhalte. Sie ist eine spezielle Form von Kommunikation, die uns verbindet. Der Mensch als soziales Wesen braucht Musik.

Demnach gibt es keine unmusikalischen Menschen?

Das sehen Fachleute unterschiedlich. Ich selbst bin überzeugt, dass in jedem Menschen ein Teil an Musikalität schlummert, der geweckt werden kann.

Wie begeistert man Kinder dafür, ein Instrument zu lernen?

Als Vorbild. Nicht indem man davon spricht, sondern indem man selbst musiziert oder selbst gern Musik hört. Die Freude daran ist ansteckend.

Videos:

Warum gibt es Musik?

«Valentastisch»: Warum hören wir Musik?

Machen Tiere Musik?

Klassik für Kids: Die Geschichte der Noten

So ist die Notenschrift entstanden


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