16. April 2018

Wann bist du zu alt fürs Studium?

An vielen Orten gibts für Studenten reduzierte Ticketpreise. Teilweise mit fragwürdigen Alterslimiten, findet unsere Kolumnistin.

Studentin macht einen Dab
Bis wann ist Studentin sein okay? (Bild: Honey Yanibel Minaya Cruz via unsplash.com)
Lesezeit 4 Minuten

Die Schweiz bietet zahlreiche Möglichkeiten, bis ins hohe Alter zu studieren. Komplizierter wird es, wenn man mit dem Studentenausweis ein reduziertes Ticket für den Skilift, das Museum oder die Badi kaufen will.

Alle Studenten, die nicht an der Überfinanzierung des Elternhauses leiden (also fast alle), werden es mir bestätigen: Genau diese Rabatte entscheiden, ob man den Ausflug ins Museum oder an den Skilift unternimmt oder nicht - manchmal sind ein paar wenige Franken echt entscheidend.

Das bleibt wohl die Wunschvorstellung vieler Studenten ... (Bild: Marco Xu via unsplash.com)

An einigen Orten ist man bis 30 Student, an anderen bis 21. Wenn ich mit 28 mal wieder zu alt für etwas bin, frage ich nach, warum. Die Begründungen sind zum Teil von amüsanter Art. Die häufigste: «Mit zunehmendem Alter hat man mehr Geld und ist nicht mehr auf ein reduziertes Ticket angewiesen».

Das mag vielleicht für ältere Generationen so gewesen sein. Damals absolvierten die meisten eine lineare Karriere, ohne viele Wechsel. Konstant ging es nach oben, mit der Position und dem Einkommen. Heute kommt es oft anders.

Wir Gen-Y-ler legen uns tatsächlich nicht gerne fest, werden aber auch durch den ständigen Wandel am Arbeitsmarkt geprägt. Für uns ist es normal, uns ständig an veränderte Situationen anzupassen. Wir entscheiden uns für eine neue Karriere, machen eine Weiterbildung oder absolvieren nochmals ein Studium. Und zwar eben nicht nur bis 21, sondern weit darüber hinaus.

Diese Veränderung scheint bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen zu sein. Obwohl man eine Legi vorweisen kann, erhält man zum Teil keinen Studentenrabatt, weil man zu alt ist. Ein paar Beispiele? Bitte sehr:

ÖV:
Keine Studi-Rabatte gibts bei den meisten Lokalnetzen wie Libero (Bern und Agglo), ZVV (Zürich und Agglo). Immerhin gibts oft Junior-Tarife bis 25.

Eher grosszügig sind die SBB, dort können Studenten bis 30 Jahre ein preislich reduziertes GA beziehen. Ausnahmen für ältere Studierende machen die SBB laut Kundenberaterin Nathalie Schweri nicht: «Das Angebot richtet sich vorwiegend an Studierende im Erststudium.» Doch auch von diesem Angebot können nicht alle Studenten profitieren, sondern nur diejenigen, deren Schule auf der anerkannten Liste der SBB steht. Warum die SBB eine solche Zweiklassenlandschaft für Studenten durchziehen, bleibt mir schleierhaft.

Kunst und Kultur:
Bei Konzerten und Kinobesuchen sieht es düster aus: Dort gibt es eigentlich keine Angebote für Studenten (falls doch, dann lasst es mich in den Kommentaren wissen).

Ganz interessant wird es beim Zoo Zürich: Dort gibt es nur am Montag Studententarife, und zwar für alle zwischen 21 und 29.

Viele Museen sind eher grosszügig. So gibt es beim Kunsthaus Zürich zum Beispiel gar keine Altersbegrenzung, die Studierenden müssen lediglich einen gültigen Studi-Ausweis vorweisen. Dasselbe gilt beim Landesmuseum. Bei der Fondation Beyeler gibt es Studentenpreise, allerdings nur bis 30.

Sport:
Die meisten Sportangebote gibts nicht zum Studi-Preis. Für viele Studenten ergibt es Sinn, darum die Angebote des Uni-Sports zu nutzen. Danach gäbe es vielerorts die Alumni-Sportkarte, womit man auch nach Studienabschluss von den Uni-Sportangeboten profitieren kann.

Punkto Freibäder kann sich die Berner Bevölkerung glücklich schätzen: Dort sind alle Freibäder gratis, und zwar für alle Menschen. In Zürich ist es anders: Dort gilt man ab 20 als erwachsen und zahlt den vollen Preis. Nix mit Rabatt.

Die Skigebiete und Bergbahnen pflegen eine sehr unterschiedliche Preispolitik: Einige machen keine Altersbegrenzungen, wie zum Beispiel die Region Lenzerheide/Arosa. Studentenrabatt erhält, wer seine Legi vorweist. Andere Skigebiete bieten erst gar keine Studentenpreise an, wie zum Beispiel die Region Laax. Gemäss Christina Ragettli, PR Verantwortliche der Region, sei man in Laax generell zurückhaltend mit Rabatten. «Wir finden nicht, dass beispielsweise Lehrlinge finanziell besser dastehen als Studenten. Darum bieten wir Special Deals für die junge Zielgruppe allgemein an.» Und dann gibt es einige Skigebiete mit äusserst interessanten Regelungen, wie die Bergbahnen Tschiertschen. Dort gibt es nur für wenige Angebote Studentenpreise, und diese auch nur bis 26. Dort habe ich leider auch in die Röhre geguckt.

Nicht erwähnt habe ich die Rabatte für Praktikanten – es gibt nämlich keine. Nirgends. Obwohl die Gruppe rasant grösser wird, fällt sie durch sämtliche Raster: Praktis verdienen wenig, erhalten aber nirgends Rabatte.

Fazit: Wenn wir Praktis und Studis uns dem Wandel der Arbeitswelt anpassen können, dann sollten es doch bitte auch die Unternehmen tun, und ihre Preispolitik überdenken. Die Legi sollte eigentlich - wie ihr Name sagt - Legitimation genug sein, von reduzierten Tarifen zu profitieren. Damit auch die Praktikanten in diesen Genuss kommen, müsste es eine zusätzliche Praktikums-Legi geben. So schwer kann das nicht sein!

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