20. Dezember 2017

Wandern und mehr in Hongkong

Soll man während einer Asienreise Hongkong für drei oder vier Nächte einen Besuch abstatten? Am einfachsten gleich eine ganze Woche! Die besten Tipps zur einstigen britischen Kronkolonie.

Hongkong vom Victoria Peak
Ein guter Start in Hongkong: die Aussicht vom Victoria Peak mit Sicht auf Hong Kong Island (im Vordergrund) und die Halbinsel Kowloon im Hintergrund.
Lesezeit 5 Minuten

Oft werde ich gefragt, ob man drei oder vier Nächte einplanen soll, um Hongkong kennenzulernen. Meine Antwort: eine Woche! Die einstige britische Kronkolonie gehört für mich zu den attraktivsten Städten in Südostasien, die alte Kampagne «Stay an extra day» trifft den Nagel auf den Kopf, ist aber zu bescheiden. Hongkong wirkt je nach Quartier exotisch oder vertraut, und im Gegensatz zu Peking oder Schanghai muss man in der Sonderverwaltungszone mit den 7,3 Millionen Einwohnern beim Einkaufen nicht mit Falschgeld rechnen, die Taxifahrer können meist recht gut Englisch, als Tourist wird man nicht stets übers Ohr gehauen und der Zugang zu Twitter, Whatsapp oder Facebook ist nicht gesperrt.

Hongkong weist eine Bevölkerungsdichte auf, die zu den weltweit höchsten gehört. Und trotzdem gehört gerade die Natur als Kontrast zum Grossstadtmoloch zu den Vorzügen des Reiseziels, das zu über 70 Prozent aus Grünflächen besteht. Ich empfehle deshalb, als erste Attraktion zum Hausberg Victoria Peak auf Hong Kong Island hochzufahren und sich so ein wenig Übersicht zu verschaffen. Bei guter Sicht sieht man bis in die New Territories, wie das Umland nördlich von der Halbinsel Kowloon heisst. Und diese New Territories, die an China grenzen, sind ein attraktives Wandergebiet. Hier zeigt sich das ländliche Hongkong mit Bauern und deren Entenfarmen.

Die Drachenrücken-Wanderung auf Hong Kong Island führt zu einer komplett anderen Begegnung mit der Stadt.

Doch man muss zum Wandern nicht so weit gehen: Bereits Hong Kong Island besitzt mit der Drachenrücken-Wanderung über ein spektakuläres Gebiet. Wer gern geführt geht und so mehr sieht, bucht bei WalkHK eine Tour. WalkHK bietet Stadt- und Wandertouren an. Inhaberin ist die sympathische und sportliche Schweizerin Gabi Baumgartner.

Eine von mehreren Inseln, die man ab Hong Kong Island besuchen kann: Lamma

Für «Stay an extra day» bieten sich auch die Inseln Lantau, Lamma oder Cheung Chau an - insgesamt gibt es rund 260 Eilande. Lantau ist beispielsweise bekannt für das Kloster Po Lin und die riesige, 34 Meter hohe Buddha-Statue ganz in der Nähe. Tipp: Es verkehren mehrmals täglich Fähren von Hong Kong Island. Am Wochenende wollen auch die Einheimischen ins Grüne. Deshalb lohnt es sich, unter der Woche einen Ausflug einzuplanen. Manche Besucher mögen überrascht sein, wie schön die Sandstrände sein können. Lamma wiederum ist für die Seafood-Restaurants bekannt.

En Guete mit Enteneiern vom «Wet Market» im Stadtteil Wanchai.

Der Stadtteil Wanchai auf Hong Kong Island ist wiederum bekannt für die Strassenmärkte, die «Wet Market» genannt werden. Hier findet man allerlei Produkte aus der Landwirtschaft von den New Territories, aber auch für westliche Augen Exotisches wie Enteneier oder Hühnerfüsse. Diese Exotik kontrastiert mit den Häuserschluchten aus architektonisch interessanten Gebäuden wie etwa dem Turm der Bank of China oder dem «Two IFC».

Der Man-Mo-Tempel

In dieser Umgebung, genauer: inmitten des hektischen Finanzviertels, an der Hollywood Road, befindet sich der Man-Mo-Tempel, der 1847 von reichen chinesischen Handelsleuten während der frühen Jahre der britischen Kolonialherrschaft in Hongkong erbaut wurde. Er ist mit seinem Duft von Räucherstäbchen eine Oase der Ruhe.

Vögel und Käfige, so weit das Auge reicht: der Vogelmarkt in der Yuen-Po-Strasse

Hongkong ist ohnehin die Destination für unterschiedliche Stadtviertel und Märkte. Auf der Halbinsel Kowloon vis-à-vis von Hong Kong Island lassen sich ein paar interessante zu Fuss entdecken. Dazu fährt man mit der sauberen und zuverlässigen U-Bahn bis zur Station Mong Kok, wie dieser etwas ärmlichere Teil im Norden von Kowloon heisst, was aus dem Kantonesischen übersetzt «geschäftige Ecke» bedeutet. Zur Auswahl stehen unter anderem der Vogelmarkt in der Yuen-Po-Strasse, der Blumenmarkt ganz in der Nähe oder der Zierfischmarkt. Der «Street Market» und der «Ladies Market» - Letzterer mit Billigwaren – sind weitere Märkte, die zu einem Bummel einladen. Im Vogelmarkt kommt es auch immer wieder zur Begegnung mit Einheimischen, die auf der Suche nach einem Singvogel sind - und mit Futter in Insektenform, was für entsprechende Duftnoten sorgt.

Tim Ho Wan, das preiswerteste Michelin-Sterne-Restaurant der Welt.

Mong Kok hat noch eine weitere Attraktion: das Restaurant Tim Ho Wan, das als preiswertestes Michelin-Sterne-Restaurant der Welt gilt und über 150 Variationen von Dim Sum führt. Ein Mittagessen mit Grüntee und sechs Häppchen kostet umgerechnet 15 Franken. Bezahlt wird mit Hongkong-Dollar. Mit Englisch kann man sich hier mehr schlecht als recht verständigen. Zur Not zeigt man einfach mit dem Finger auf die Tischsets, wo verschiedene Gerichte abgebildet sind.

Aussicht vom Peninsula auf Hong Kong Island

Zum Abschluss noch ein paar weitere Tipps mit Adressen: Das beste Haus in der Stadt ist für mich das legendäre Peninsula mit dem Schweizer Peter Borer als Big Boss. Es befindet sich an der Südspitze von Kowloon und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die Skyline von Hong Kong Island. Wer nicht gewillt ist, über 500 Franken pro Nacht zu bezahlen, sollte sich wenigstens den «Afternoon Tea» im Pen gönnen, wobei die Warteschlange immer lang ist. Ein Höhepunkt ist auch das Restaurant Felix im 28. Stockwerk des Luxushotels. Es wurde von Designer Philippe Starck gestaltet und serviert moderne europäische Küche. Fragen Sie den Sommelier nach einem Wein aus China. Sie werden positiv überrascht sein!

Wie bereitet man Dim Sum zu? Im Hotel Peninsula kann man dazu einen Kurs besuchen.

Ein dritter Tipp zum «Peninsula»: Im Kurs «The Dim Sum Making Journey» lernt man, wie man diese beliebten kantonesischen Häppchen zubereitet. Heimwehschweizer essen im Restaurant «Chesa», ebenfalls im Peninsula untergebracht, Käsefondue ...

Wenn einem Hongkong zu Füssen liegt: die Aussicht von der Aqua-Bar.

Nun, ich habe mehr Lust auf chinesisches Essen und tafelte ausgezeichnet im «Nanhai No. 1» im 30. Stockwerk des Einkaufszentrums iSquare an der geschäftigen Nathan Road, Hausnummer 63 (Reservation empfohlen). Für den Absacker danach drängt sich die Aqua-Bar auf, wie das Nanhai und das Peninsula in Kowloon gelegen, genauer im Stadtteil Tsim Sha Tsui. Die Aussicht auf Hong Kong Island ist vom 30. Stockwerk dieser Bar ganz einfach atemberaubend.

Zum Schluss zwei Spartipps: Fegt nicht gerade ein Taifun über Hongkong (höchstes Risiko ist im August), ist jeden Abend um 20 Uhr eine kostenlose Lasershow von der Tsim-Sha-Tsui-Promenade zu bewundern. Und für mich gehört die rund zehnminütige Fahrt mit den Star Ferry von Kowloon nach Hong Kong Island und umgekehrt zu den spektakulärsten dieser Welt - zum Preis von umgerechnet 40 Rappen, was allerdings doppelt so teuer ist wie noch vor ein paar Jahren.

Hong Kong Island während der Lasershow, vom Hotel Peninsula aus gesehen.

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