30. Oktober 2017

«Wäisch wi cool?»

Bänz Friedli (52) denkt über das Glück nach. Hier kannst du dich mit anderen Lesern und dem Autor austauschen und die vom Kolumnisten gelesene Hörkolumne herunterladen.

Trikot der der Schweizer Nationalmannschaft
Lesezeit 2 Minuten

Nein, dies ist keine Fussballkolumne. Ich muss das kurz erwähnen, damit Frau Schmassmann weiterliest, die mir bekundet hat, sie überspringe die Kolumne immer, wenn es darin um Fussball gehe. Was selten genug der Fall ist. Diesmal aber sollte Frau Schmassmann weiterlesen, denn es ist nur eine kleine Geschichte vom Glück.

Elena war ein fröhliches Kind. Keck, klug und eigensinnig. Sie kam regelmässig zu mir zum Mittagstisch. Früh sah man, dass sie eine herbe Schönheit werden würde, aber wer sagt so etwas schon über ein achtjähriges Mädchen? Jedenfalls, ich mochte Elena, ihre Art, ihr dunkles Haar und ihre Handvoll Sommersprossen.

Eines Donnerstags, ich trug gerade eine leicht angebrannte Lasagne auf, war sie in heller Aufregung: Sie dürfe als «Einlaufkid» einen Nationalspieler ins Stadion begleiten! Dürfe also vor laufender Kamera an der Hand eines berühmten Fussballers ins lichtgeflutete Rund einlaufen und sich dann vor dem Spieler aufstellen, während die Hymne erklinge,
und dabei würde sie gefilmt und in Eurovision in zahlreiche Länder übertragen werden.

Aus vielen hundert Kindern war sie auserwählt worden. «Wäisch wi cool?» Elena spielte selber Fussball im Verein, keck, klug und eigensinnig. Sie unterstützte die Schweizer Nati. Viel mehr noch aber verehrte sie den FC Zürich, der damals gerade im Hoch war und Cupsieg an Meistertitel reihte.

«Isch das Schoggi-Sossä?», wollte Elenas Bruder wissen, als ich ihm vom Salat anbot, an den etwas gar viel Balsamico geraten war. Und seine Schwester schwadronierte: «Voll mit eme Nationalspieler!» Shirt, Hose und Fussballschuhe, alles brandneu, dürfe sie danach im Fall behalten. «Wäisch wi cool!» Am Samstag dann schalteten wir rechtzeitig den Fernseher ein, um ihren grossen Moment mitzuerleben. Und sahen Elena an der Hand eines Nationalspielers – der gegnerischen Mannschaft. Eines Finnen. Dabei machte sie ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.

«Sag mal, Elena, weshalb hast du so hässig dreingeschaut?», fragte ich, als sie wieder zu uns essen kam. Sie hätte denk einen Schweizer gewollt, nicht so einen blöden Finnen, gab sie trotzig zurück. «Himmel, Elena! Hast du es nicht gemerkt?» Sie hatte, am TV deutlich zu sehen, die Hand ihres Helden gehalten, Hannu Tihinen – finnischer Internationaler und Captain ihres geliebten FC Zürich. «Ich habe … was?!» Elena war sprachlos. Und vielleicht lernen wir daraus: Oft ist das Glück da. Aber nehmen, wahrnehmen müssen wir es selbst. Nicht wahr, Frau Schmassmann?

Die Hörkolumne (MP3)

Bänz Friedli live: 31.10. Sattel SZ, 1.11. Winterthur, 3.11. Wichtrach BE, 4.11. Schöftland AG

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