27. Juli 2017

Von wegen letztes Kapitel

Im sechsten Teil der «Resident Evil»-Filmserie metzelt sich Milla Jovovich noch einmal durch Horden von Zombies und anderen Monstern. Der Titel «The Final Chapter» ist allerdings irreführend: Ein Reboot ist bereits in Vorbereitung.

Milla Jovovich in «Resident Evil»
Bringt auch diesmal Zombies und andere Monster zur Strecke: Milla Jovovich. (Bilder: Constantin Film)
Lesezeit 3 Minuten

Die Zombie-Apokalypse ist seit Jahren ein beliebtes Motiv in Film und Fernsehen. So sehr, dass sie wie die Romantic Comedy langsam Gefahr läuft, als Genre in langweiliger Formelhaftigkeit zu erstarren: Ein Virus lässt die Toten wiederauferstehen und über Menschen herfallen, die so ebenfalls zu menschenfressenden Zombies werden. Die Welt wird überrollt, die Zivilisation kollabiert, die letzten Überlebenden versuchen verzweifelt, sich noch irgendwie durchzuschlagen.

Zu den besten Adaptionen des Genres gehört neben George A. Romeros atmosphärischem Klassiker «Night of the Living Dead» (1968) zweifellos die TV-Serie «The Walking Dead» (seit 2010), bei der die Zombies allerdings eher als stete Bedrohung im Hintergrund lauern. In der Hauptsache geht es um die Überlebenden der Apokalypse, deren grösste Feinde meist andere Menschen sind. Eine originelle und äusserst sehenswerte Variante ist «The Girl with all the Gifts» (2017), in deren Zentrum ein freundliches, ganz harmlos aussehendes Zombie-Mädchen steht, das in einer vom Militär geschützten wissenschaftlichen Einrichtung lebt. Dort versucht eine Ärztin (Glenn Close) verzweifelt, ein Gegenmittel für die Pilzinfektion zu finden, die sich rasend schnell verbreitet. Ein britischer Zombie-Film, der dem Schema F bis zum Schluss weitgehend widersteht.

Die «Resident Evil» -Reihe (seit 2002) wiederum gehört sicherlich zu den lukrativsten Adaptionen. Wie ein Untoter kam sie alle paar Jahre mit einem neuen Teil zurück, der genug Geld einspielte, um einen weiteren zu rechtfertigen: 1,2 Milliarden Dollar haben die Filme bisher an den Kinokassen eingebracht. Auch nach «Resident Evil: The Final Chapter» ist noch lange nicht Schluss: Kürzlich hat Produzentin Constantin-Film einen Reboot mit weiteren sechs Filmen angekündigt – ohne die mittlerweile 41-jährige Hauptdarstellerin Milla Jovovich und ihren Ehemann Paul W. S. Anderson, der jeweils die Regie geführt hatte.

Grundlage der Filmreihe ist das gleichnamige Videospiel, was auch in «Final Chapter» nicht zu übersehen ist: Der Fokus liegt einmal mehr auf der Action, auf den Zombie-Monstern und auf Milla Jovovichs Fähigkeit, diese möglichst kreativ niederzumetzeln. Die Handlung ist wie üblich eher Nebensache – diesmal steht ein Serum im Zentrum, das den Virus angeblich unschädlich machen und die Zombie-Apokalypse beenden würde, wenn es gelänge dieses freizusetzen. Worum sich Heldin Alice (Jovovich) natürlich redlich bemüht. Letztlich aber ist es einfach «more of the same», und man muss wohl ein treuer Spieler des Games oder ein echter Fan von blutiger Action sein, um dem nach fünf ziemlich ähnlich gestrickten Filmen noch etwas abgewinnen zu können.

Es entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, dass das Herz des Bösen in der Filmreihe eine fiese Firma ist – die tun ja für Geld und Profit bekanntlich alles. Hinter dem angekündigten Reboot durch Constantin dürfte das gleiche Motiv stecken. Ansonsten würde man «Resident Evil» wohl lieber in Frieden ruhen lassen.

Heroischer Einsatz im Kampf um das Serum, das die Zombie-Apokalypse beenden soll.

«Resident Evil: The Final Chapter», bei Ex Libris für Fr. 18.90 (DVD) oder Fr. 30.90 (Bluray-Steelbook). Natürlich gibt es auch alle anderen «Resident Evil»-Filme sowie diverse Games.

«The Girl with all the Gifts», bei Ex Libris für Fr. 17.90 (DVD) oder Fr. 21.90 (Bluray).


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