03. August 2017

Von Obwalden(de) ins Waldnachttal

Die Pässe-Wanderung von Engelberg nach Brüsti (Attinghausen UR), ein Urschweizer Highlight kurz vor dem Nationalfeiertag getestet.

eindrückliche Gesteinsformen zwischen Wyssig- und Blackenstock
Die Blacken-Ebene bietet noch vor dem Surenenpass einen speziellen Rundblick: Hier die eindrücklichen Gesteinsformationen zwischen Wyssig- und Blackenstock.
Lesezeit 3 Minuten

Warum der Übergang vom hintersten Obwalden ins Urner Reusstal oberhalb von Attinghausen und Altdorf als Innerschweizer Klassiker gilt, überrascht keineswegs: Der Surenen ist ein ziemlich hoch gelegener Pass (fast 2300 m ü. M.), der mit Ausnahme der höchsten 200 Höhenmeter auf Urner Seite erstaunlich sanft verläuft und sich für alle Wanderer mit etwas Ausdauer oder viel Zeit eignet.
Neben der Aussicht auf viele Bergspitzen der Urschweiz machen drei höchst unterschiedliche Landschaften den grossen Reiz aus – nicht schlecht für eine Wanderzeit von rund sechs Stunden. Da ist mit der Waldnacht ein sehr hübsches, klassisches Urner Hochtal, das in den letzten 2-3 Kilometern vor Brüsti und den schrundigen Abgründen hinab nach Attinghausen ein paar Alpwirtschaften, eine Kapelle und eine kleine Wasserfassung aufweist, davor aber nur idyllisch wilde Wiesen, worauf Kühe grasen, und zuoberst etwas Geröll und Schneefelder.

Einen ganz anderen Charakter weist das Engelberger Tal ab Eien/Herrenrüti auf. Erst noch breiter und bewaldet zwischen Titlisfront und Wissberg, später enger zwischen den feinen Zacken nach dem Wissberg westlich und den mächtigen Spannortgipfeln mit dem Ende des Firngletschers östlich. Immer aber mit steilen Seitenhängen und etlichen breit tosenden oder sich weit herunterstürzenden Wasserfällen.
Am eindrucksvollsten präsentiert sich aber das Hochplateau Blacken ab 1650 m ü. M. Liebliche Hochalpwiesen, eine ebenfalls Blacken genannte Berghütte mit breitem Angebot und malerischer Terrasse, vor allem aber markante Berge mit je eigenem Charakter in alle vier Himmelsrichtungen: mal feingezackt-kompakt (Westen), klein zerklüftet mit unzähligen Mini-Vorzipfelchen (Norden), mineralisch-schwarz kompakt (Osten) und hochalpin vergletschert (Süden).

Route Engelberg-Brüsti

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1750 x 880 px / © swisstopo)

Überraschender wäre also höchstens, dass ich mir den Surenenpass so lange aufgespart habe. Deshalb habe ich den Klassiker auch ungewohnt stur von Talboden zu Talboden absolviert, um nichts von der Vielfalt zu verpassen. Dafür schlug ich ein paar zusätzlich einzusparende Höhenmeter aus, genauso wie auf Urner Seite den Kretenweg mit Ausblicken ins benachbarte Gitschital, der einem aber die Eindrücke des Waldnacht-Einschnitts erspart. Eine mehr als lohnende Wahl, zumal mehr Wanderer die Krete ansteuern als den Talboden. Und Aussicht hat man ja auf dem Hochplateau und dem Pass schon viel genossen.

Natürlich gäbe es auch Alternativen zu meinem Weg, der nach Uri führt, dank Seilbahn ab Brüsti konnte ich mir fast 1000 Höhenmeter steilen Abstiegs nach Attinghausen schenken. Wer es noch etwas leichter mag, wählt an meinem Ausgangspunkt, der Talstation, die Fürenalpbahn und kommt so mit etwas unter 1000 Höhenmeter Anstieg davon (bringt sich aber um das untere Tal). Wer auch die 200 steileren Meter nach dem Pass nicht hinunter bremsen will, startet von Attinghausen UR aus in Brüsti und hat so nur sanfte Abstiege auf Obwaldner Seite. Auch so kann man am Ende des Hochplateaus den Höhenweg zur Fürenalpbahn wählen und nochmals 500 Höhenmeter Abstieg einsparen (dafür muss man allerdings nochmals knapp 200 Höhenmeter erklimmen).

Geeignet für Etwas ausdauerndere Berggänger
Höhepunkt: Hochebene Blacken, Pass, Abstieg ins Waldnachttal
Pause: Berghütte Blacken, ab 2018 Brüsti-Bergbeiz (neben Bergstation Seilbahn)
Dauer 5 Std. 45 bis 6 Std. 45 (sportlicher bis gemütlicher Aufstieg)
Höhenmeter (bergauf): 1380 m

Trümpfe Obergrenchenberg / Weissenstein

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