05. April 2018

Von Melchsee-Frutt auf den Hohmad

Wanderung durchs Schneeparadies zum Frühlingsauftakt: mit Schneeschuhen auf dem Spazierweg zur Tannalp, dann sportlicher auf den Hohmad und über den Bonistock zurück ...

Hohmad (2440 m ü.M.): Die Bergkette hinter der Tannalp
Die Aussicht vom Hohmad (2440 m ü.M.) mit der Bergkette südlich der Tannalp, ganz links sind noch Teile des Titlismassivs zu sehen.
Lesezeit 4 Minuten

Noch einmal darf ich mich bei den Migrosmagazin.ch-Besucher(inne)n bedanken. Auf die Frage, wo ich eine Winterwanderung in einem Skigebiet beginnen soll, schickten sie mich auf die Melchsee-Frutt ( zu den Ergebnissen der Abstimmung ). Ich kannte das Hochplateau zuhinterst im Melchtal bisher nur von Sommerausflügen auf zwei Rädern. Die weisse Landschaft mit einzigartigen Wechseln vom engen Haupttal hinauf zu lieblichen Hügeln und Hängen, die mit kleinstem Perspektivenwechsel in schroffe Felswände übergehen, scheut in Sachen Abwechslung keinen Vergleich. Kontraste gabs zum Ende des Osterwochenendes zuhauf: Nach Neuschnee präsentierte sich das im Schnitt locker über drei Meter hohe Weiss in zunehmend warmen Frühlingsbedingungen. Die Frutt begann zaghaft, sich von der bald dahinschmelzenden Winterpracht zu trennen.

Genauso lohnend der Kontrast zwischen meinen Ausflugszielen, wo nur selten andere Tourenskifahrer und Schneeschuhläufer anzutreffen waren, und der Melchsee-Frutt, wo viele Snowboarder und Skifahrern motiviert aus den Gondeln aussteigen. Wie fast nur im einen oder andern Gomser Ort nutzen die Frutt viele Pistenfans, einige Langläufer und etliche Winterwanderer friedlich nebeneinander, ohne sich je ins Gehege zu kommen (okay, ich wandelte nach dem Bonistock mal ein paar hundert Meter am Rand der Skipiste ...). Natürlich hilft es, dass mehrheitlich Familien, Junge aus Obwalden und dem Luzernbiet sowie ein paar Grüppchen älterer Abfahrer auf einer oder zwei Latten hier landen, aber kaum Selbstdarsteller oder sonst wie hektische Zeitgenossen. Bloss auf den Sound aus den Lautsprechern einer Terrassenbeiz hätte ich ab Mittag verzichten können.

Route Melchsee-Frutt - Hohmad

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1680 x 920 px / © swisstopo)

Mit dem Überblick über die Skihänge mitsamt Sesselbahnen im Südosten starte ich eine lang unangestrengte Wanderung, vorbei am Melchsee in leichten Kurven und Anstiegen bis zum Tannensee. Auf dem breiten Wanderweg begegnet man verschiedenen Spaziergängern, die ebenfalls die Tannalp im Visier haben oder, seltener, bereits von dort zurückkommen. Nach diesem Einlaufen und der Stärkung im Tannalp-Restaurant mache ich aber nicht einfach kehrt, obschon Spaziergänger mit dem Weg auf der anderen Seeseite und einem Besuch der Stöckhütte bereits zufrieden wären. Stattdessen montiere ich endgültig die Schneeschuhe und mache mich mal sanft, gegen Schluss auch einmal ruppig hinaufsteigend auf den Weg zur Chringen-Lücke. Es ist der einzige winters begehbare Weg zum Bonistock, will man auf die leicht angejahrte Seilbahn vom Distelboden hinauf verzichten. Leicht schwitzend wende ich mich auf der Lücke nach dem Bestaunen der halb vom Schnee bedeckten Flue jedoch statt links zum Bonistock nach rechts.

Auf der Chringen-Lücke: Die Krete Richtung Bonistock
Auf der Chringen-Lücke nach einem kurzem, etwas anstrengenden Aufstieg: die Krete Richtung Bonistock

Mein Ziel ist zuerst der Grosse Hohmad, dahinter dann schlicht der Hohmad. Apropos: der Grosse liegt 130 Meter tiefer. Unterwegs sehe ich bloss noch eine Handvoll Tourenfahrer, die vom Hohmad hinunterbrettern wollen. Hoffentlich alle in die punkto Hanglage und immense Sonneneinstrahlung einzig harmlose Richtung! Die total knapp 600 Höhenmeter hinauf bin ich immerhin fast ebenso viel schneller wie sie auf den Skiern hinunter. Klar wird auf dem hinteren Hohmad eins: Für die Aussicht auf das Titlismassiv und die Gipfelkette bis zur Arxegg auf der einen sowie hinab ins Melchtal in Richtung Kerns und Sarnen in der anderen Richtung hat sich die gut einstündige Plackerei (von der Lücke aus) gewiss ausbezahlt. Hinab geht es beschwingt unter sich bildenden Schlierenwolken, bis auf und nach dem Bonistock eine kurze Passage auf der Skipiste zurückzulegen ist. Nicht kreuzen warnt ein Schild die Pistenbenützer, bevor sich mein Weg wieder als schmales Spürchen von der Piste entfernt und auf direktem Weg die paar Häuschen auf der Frutt ansteuert. Ein Kreuz ist es nach Ostern aber nirgendsmit dem Kunterbunt von Sportlern, Wanderern und entspannten Sonnenanbetern. Das unkomplizierte Nebeneinander macht vielmehr Lust auf eine Rückkehr.

Die Alternative für entschleunigte Spazierwanderer: Selbst mit Kinderwagen (inklusive Untersätzchen für die Räder) und Schneeschuhen für wenige Passagen lohnt sich die Wanderung zur Tannalp. Zurück wählt man zur Abwechslung den weniger frequentierten Weg am Südende dem Tannensee entlang. Zeitbedarf: rund drei Stunden.

Das 360-Grad-Panorama auf Facebook

Geeignet für etwas sportlichere Wanderer - auch Schneeschuhanfänger
Höhepunkte: Tannensee, Hohmad und ein Grossteil des Abstiegs
Pause: Tannalp, Hohmad, Bonistock(restaurant)
Dauer: 5 Std. 30
Höhenmeter (bergauf): 730 m

Trümpfe der Wanderung von Melchsee-Frutt

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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