02. Februar 2018

Von Jona um den Obersee

Die Winterwanderung von Jona über Schmerikon Richtung Höchegg legte uns Leserin Sabine Jäggi nahe. Zum Dank hier der Bericht mit Bildern und Infos.

Kurz oberhalb von Schmerikon
Kurz oberhalb von Schmerikon geniesst man die beste Aussicht auf den Obersee.
Lesezeit 4 Minuten

In der zweiten Januarhälfte fragte ich nach Winterwanderzielen: Interessierte bestimmten in einer Abstimmung einerseits eine Stadt, einen herausragenden Hügel und einen Ausflug nahe einem Skigebiet. Zudem konnte schlicht ein Wunsch geäussert werden, wohin ich diesen Winter sonst noch hingehen soll ( die Ergebnisse der Abstimmung und die Leserideen ).
Für Sabine Jäggi sollte ich in der Nähe von Rapperswil starten, Richtung Obersee, mit der nordöstlichen Uferregion als Schwerpunkt. Ihrem Wunsch komme ich gern nach, den Obersee kenne ich von Rennradtouren zwar bloss flüchtig, doch für eine erste Erkundungstour zu Fuss bin ich deshalb leicht zu motivieren.

Nahe liegt für mich eine Kombination aus Seeansichten aus der Nähe – um Schmerikon – und der Ferne mit den zwei stark bewaldeten Hügeln, die den östlichen Obersee prägen, dem Ober- und Chlosterwald im Norden und Höchegg-Buechberg im Süd(ost)en. Garniert wird das Ganze mit zwei wertvollen Auen- respektive Sumpflandschaften sowie ein paar Einblicken in unterschiedliche Siedlungen. Für Abwechslung am letzten Januarwochenende ist also gesorgt, selbst wenn die Sonne sich kaum zeigt und Spätfolgen der Januarstürme auf der Höchegg eine spontane Verkürzung der Wanderung nötig machen (siehe unten und Hinweis).

Der Start erfolgt am Bahnhof Jona. Bald verläuft ein hübscher Fussweg entlang der Jona, vorbei an älteren Häusern und einer Vogelvoliere, bis wir beim Eingang zum imposanten Geberit-Areal nach Osten abbiegen, um nach gepflegten Schrebergärtchen die Allmend mit ihren Sumpfgebieten kennenzulernen. Die gründlichen Niederschläge der Vortage lassen den Blick auf einen grosszügig gewässerten Schilfgürtel mit Enten und Vögeln fallen, ein alter Findling ist trotz hübscher Beschilderung schlicht nirgends mehr auszumachen.

Durchs kleine Industrieviertel Buech und vorbei an einem sehr idyllischen Bauerngut steigt der Wanderweg gleichmässig an bis Oberrüti, schon kurz danach gelangt man in die Nähe des höchsten Punkts im Oberwald. Der Wanderer erhält vom tiefen Nadelwald bis zu Gruppen mit alten Riesen fast jede Vegetationsform hiesiger Mittellandwälder vorgesetzt, einige Lichtungen und Areale mit frisch gesetzten Jungbäumen inklusive. Und nach den sauber aufgeräumten Sturmfolgen des Oberwalds macht ein Abstecher in den südwestlichen Ausläufer des Chlosterwalds noch deutlicher, wie die Orkanwinde auch in diesem Teil der Schweiz gewütet haben. Ich wechsle nach ein paar gesammelten Eindrücken schnell hinab zum näher am See verlaufenden Hauptweg.

Route Jona-Tuggen

Die Route (rot), auch als PDF zum Download (1650 x 960 px / © swisstopo)
Geplant war eigentlich die etwas längere, gegen Ende attraktivere Route (PDF, 1650x960 px) bis zum Bahnhof Siebnen/Wangen.

Schmerikon am Seeende entpuppt sich als überaus sympathische Mischsiedlung mit einigen hübschen Altbauten im Zentrum, gepflegten Einfamilienhausgruppen ... und natürlich der grosszügig einladenden Promenade am See, mit Fischbeiz vor dem Bahnhöfli, Sportzentrum, einem hübschen Gasthaus neben dem Bad und einer wunderschönen Holzbrücke über den Aabach. Der Obersee verbindet an seiner Ostspitze kleinräumige Perspektiven, die sich in null Komma nichts jedoch weiten, sobald man Richtung Pfäffikon linst. Nach einer Picknickpause gilt es, das national bedeutsame Auen- und Sumpfgebiet der Grossallmend zu erkunden, das sich vom relativ niedlichen Aabach bis zum grossen Kanal erstreckt. Richtung Grynau wandelt der Spaziergänger entspannt zwischen dem Steinenbach und dem streng eingefassten Hauptarm der Linth auf den Anfängen der nach ihr benannten Ebene.

Nach der Brücke heisst es dann, vorbei an für alle ausländischen Touristen bestens beschilderten alten Festungsbunkern, die Anhöhe von Höchegg (und dem weiter südwestlich folgenden Buechberg) zu erklimmen. Kaum gerät man auf dem einzigen anstrengenden, kurzen Abschnitt der Route leicht ins Schwitzen, ist man bereits oben angelangt. Noch vor der Höchegg dominieren anfangs Junghölzer, aber je näher man dem Kulminationspunkt kommt, desto älter wird der Wald – und umso beeindruckender die Menge der vom grossen Januarsturm wie Zündhölzchen hingeworfenen Bäume. Noch vor der Höchegg muss ich nach vorsichtigem Umgehen und Bestaunen der ersten, meist mit ganzem Wurzelwerk ausgerissenen 30- und 40-Meter-Exemplare wieder umkehren. Statt bis zum Bahnhof Siebnen/Wangen führt der Ausflug so eben spontan hinab nach Tuggen (am Wochenende meist nur ein einziger Bus Richtung Siebnen/Wangen!). Reich an Eindrücken ist er deswegen fast genauso.

Hinweis: Bis Anfang/Mitte März raten wir zur abgekürzten Route, denn auf der Höchegg und von da Richtung Buechberg müssen die Gemeinden noch viel Arbeit leisten, um nur schon die breiteren Wege wieder gut begehbar zu machen. Nicht zu vergessen, dass das Klettern und Entdecken um oder gar auf den gefällten Riesen gefährlich sein kann!

Geeignet für Genuss- und Entdeckerwanderer mit etwas Ausdauer
Höhepunkte: Der Chlosterwald und der Buechberg
Pause: in Schmerikon am See
Dauer: knapp 5 Std. bis Tuggen, 5 Std. 45 bis 6 Std. nach Siebnen/Wangen
Höhenmeter (bergauf): 380 m

Trümpfe der Wanderung Jona-Tuggen

Reto Meisser über seine Kolumne «Hike & Bike»

Video: Elena Bernasconi

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